Der Chef des Präsidialamts Kyrylo Budanow berichtete dem Journalisten der New York Times Andrew Kramer, dass er regelmäßig mit dem Gründer der Söldnertruppe „Wagner" Jewgeni Prigoschin Kontakt hatte – diese Kommunikation dauerte bis kurz vor dem Putsch der Söldner gegen den Kreml im Sommer 2023. Das berichtet UNN mit Bezug auf einen Artikel dieser Publikation.
Die NYT zitiert Budanow nicht direkt zu den Inhalten dieser Gespräche und offenbart keine Details – sie dokumentiert lediglich die Existenz eines Kommunikationskanals zwischen dem Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes und einer Person, die wenige Wochen nach dem gescheiterten Aufstand bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam.
Geheimdienst führt keine Verhandlungen – er sammelt Informationen
Der Kontakt mit Prigoschin sollte von Diplomatie unterschieden werden. Anführer von Geheimdiensten unterhalten historisch gesehen Kommunikationskanäle zu feindlichen Figuren gerade deswegen, weil diese Figuren interne Konflikte mit ihrem eigenen Führungsstab haben – und Prigoschin war kurz vor dem Putsch eine ideale Informationsquelle über Risse in der Machthierarchie des Kremls.
Eine zweite Linie von Kontakten sieht anders aus. Budanow bestätigte direkte Kommunikation mit dem Chef des GRU Igor Kostukow – sie begann 2022 unter Vermittlung der Türkei und betraf eine konkrete technische Aufgabe: die Öffnung von Schifffahrtswegen im Schwarzen Meer für den Getreideexport.
Verhandlungen führen früher oder später zu etwas. Man kann nicht sein ganzes Leben lang Krieg führen
— Kyrylo Budanow
Was das für den Kriegsverlauf bedeutet
Die Publikation präzisiert nicht, ob die Kontakte mit Kostukow bis jetzt andauern. Aber ihre bloße Existenz zeigt: Auch auf dem Höhepunkt der Kampfhandlungen zwischen den beiden Geheimdiensten existiert ein schmaler, rein technischer Kanal – ohne politischen Inhalt, ohne Waffenstillstand, nur zur Lösung konkreter logistischer Engpässe wie eines Getreidekorridors.
Budanow erwartet nicht, dass die Bedingungen für eine vollständige Waffenruhe vor dem Frühling gegeben sind, obwohl er Verhandlungen unter Vermittlung der USA ankündigte. Falls der Kanal zum GRU tatsächlich noch funktioniert, wird der nächste praktische Test nicht eine politische Vereinbarung sein, sondern die Frage, ob es möglich ist, über diesen Kanal etwas Messbares abzustimmen – beispielsweise die Sicherheit der Schifffahrt oder den Gefangenenaustausch.