Kurz
Der ungarische Konzern MOL und der kroatische Betreiber JANAF beginnen eine Serie von Tests der Adria-Pipeline, um zu prüfen, ob sie eine reale Alternative zur russischen Route «Druzhba» werden kann. Das Programm wird zehn Monate dauern und Lasttests in verschiedenen Jahreszeiten sowie die Bewertung der Hafeninfrastruktur und der Logistik beim Entladen von Tankern umfassen.
Was genau getestet wird
Die Tests starten am 11. März und bestehen aus mehreren Etappen. Es wird die Durchsatzkapazität der Pipeline unter verschiedenen Wetterbedingungen und bei unterschiedlichen Ölsorten geprüft, ebenso die gesamte begleitende Logistik – von den Häfen bis zur Mischung der Sorten. Unabhängige Fachleute werden in die Überwachung einbezogen: MOL wird US-Experten hinzuziehen, JANAF deutsche.
"Ziel der Tests ist es, ein objektives Bild der tatsächlichen Durchsatzkapazität der Adria zu erhalten und logistische Engpässe zu identifizieren, bevor Geschäftsentscheidungen getroffen werden."
— MOL, Pressemitteilung
Technische und zeitliche Einschränkungen
Selbst wenn die Prüfungen erfolgreich verlaufen, wird die Pipeline nicht sofort mit voller Kapazität arbeiten. Slovnaft in Bratislava arbeitet bereits auf Volllast, aber eine weitere Schlüsselanlage von MOL – die Danube Refinery in Budapest – hat bis zur Wiederinbetriebnahme der Anlage AV-3, die im Herbst erwartet wird, nur eingeschränkte Kapazität. Ein Spitzen-Tagessdurchfluss von 40.000 Tonnen ist erst nach dieser Wiederinbetriebnahme möglich.
Rechtliche und politische Risiken
Das Problem liegt nicht nur in Rohren und Pumpen: Derzeit hat MOL keinen laufenden Transportvertrag für die Adria für das Jahr 2026. Außerdem ist offen, ob JANAF den Transit von russischem Öl erlauben wird, das formal nicht unter Sanktionen steht. Diese rechtlichen Unsicherheiten können die kommerzielle Nutzung selbst bei erfolgreichen technischen Tests verzögern.
Kontext für die Ukraine
Der südliche Ast der «Druzhba», der durch die Ukraine verläuft, war eine wichtige Route für Raffinerien in Mitteleuropa. Nach der Einstellung des Transits am 27. Januar 2026 – infolge eines Angriffs auf die Infrastruktur – suchen die Nachbarstaaten verstärkt nach Alternativen.
Wenn die Adria eine stabile Durchsatzkapazität zeigt und politische Unterstützung erhält, könnten Teile der Ströme von der Route durch die Ukraine abgezogen werden. Das würde nicht automatisch den vollständigen Wegfall des Transits bedeuten: Die tatsächlichen Auswirkungen hängen von Verträgen, Preisbedingungen und davon ab, wie schnell die ukrainische Infrastruktur wiederhergestellt wird.
Was als Nächstes
Es wird erwartet, dass die Ergebnisse der Tests Anfang 2027 klarer werden. Analysten betonen: Selbst ein positives Ergebnis ist nur ein Baustein in einem großen Mosaik. Es bedarf klarer Verträge, der Modernisierung von Raffinerien und politischer Entscheidungen, um zu bestimmen, welche Ströme dauerhaft neuen Routen zugewiesen werden.
Fazit: Die Tests der Adria sind ein wichtiger Schritt für Mitteleuropa auf der Suche nach energetischer Diversifizierung. Für die Ukraine ist das ein Signal: Die regionale Energiearchitektur verändert sich, und es liegt an der Ukraine, wie schnell und sicher die Transitmöglichkeiten wiederhergestellt und gestärkt werden.