BYD profitiert vom Krieg: wie der Konflikt im Nahen Osten zur Marketingchance für den chinesischen Autogiganten wurde

BYD-Chef Wang Chuanfu nannte offen den Anstieg der Ölpreise infolge des Nahostkonflikts einen Katalysator für die internationalen Verkäufe des Unternehmens. Prognose — plus 15 %. Hinter den Zahlen verbirgt sich eine Frage, die für alle unbequem ist.

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Засновник та голова ради директорів Build Your Dreams (BYD) Ван Чуаньфу (фото - EPA/AMERICO ROBERTO)

Wenn der Ölpreis steigt, zählen manche die Verluste. BYD zählt die Gewinne.

Der Vorsitzende des größten chinesischen Elektroautoherstellers, Wang Chuanfu, sagte auf einem geschlossenen Briefing für Analysten am Montag: Der rasche Anstieg der Ölpreise, verursacht durch den Konflikt im Nahen Osten, werde die Auslandsverkäufe des Unternehmens in diesem Jahr „auf ein anderes Niveau“ heben. Laut eingeweihten Quellen, auf die Nikkei Asia verweist, nannte Wang speziell Australien, Neuseeland und die Philippinen – Märkte, auf denen BYD heute an einem Tag so viele Autos verkauft, wie früher in zwei Wochen. Die offizielle Wachstumsprognose liegt bei 15 %.

Wangs Formulierung ist bezeichnend: „Der Ersatz benzinbetriebener Fahrzeuge durch Verkehrsmittel mit neuen Energiequellen ist nicht mehr eine Frage der Wahl, sondern eine Notwendigkeit im Zusammenhang mit Energiesicherheit.“ Das ist keine ökologische Rhetorik. Das ist ein pragmatisches Argument für den Käufer, der gerade wieder teures Benzin an der Zapfsäule gesehen hat.

Der Mechanismus ist einfach

Hohe Ölpreise treffen die Geldbeutel der Fahrer in Ländern, die Treibstoff importieren. Das Elektroauto wird plötzlich nicht mehr zum schicken Gadget, sondern zur wirtschaftlichen Lösung. BYD, das weltweit eine der niedrigsten Preispositionen unter den Herstellern von Elektroautos innehat, befindet sich in der idealen Lage, um diese Nachfrage zu bedienen.

Es ist nicht das erste Mal, dass geopolitische Erschütterungen den Umstieg auf Elektromobilität beschleunigen. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 verzeichnete Europa einen starken Anstieg des Interesses an Elektroautos vor dem Hintergrund der Energiekrise – und auch damals gehörten chinesische Hersteller zu den Hauptprofiteuren.

Unangenehmer Unterton

Die öffentliche Anerkennung eines Konzernchefs, dass ein bewaffneter Konflikt kommerziell vorteilhaft sei, ist eine seltene Offenheit im Unternehmensumfeld. Normalerweise bleiben solche Dinge in internen Präsentationen. Dass Wangs Worte über Quellen von Nikkei Asia bekannt wurden und nicht durch eine offizielle Mitteilung, sagt etwas über den Kontext aus: Es handelte sich um ein Gespräch mit Analysten, nicht um eine Pressekonferenz.

BYD stellt dabei keine Waffen her und finanziert keine Konflikte – das Unternehmen verkauft einfach Elektroautos. Aber die Logik „unser Gewinn hängt von der Dauer der Instabilität ab“ schafft einen spezifischen Anreiz, der in keiner Branche oft offen ausgesprochen wird.

Besonders erwähnenswert ist die Geografie des Wachstums: Australien, Neuseeland, die Philippinen – das ist nicht Europa mit seinen protektionistischen Zöllen für chinesische Elektroautos. Das sind Märkte, in die BYD ohne nennenswerte Barrieren eintreten kann, während Brüssel und Washington Zollmauern errichten.

Wenn die Ölpreise noch ein Jahr hoch bleiben, wird BYD wahrscheinlich seine Prognose erfüllen. Die Frage ist eine andere: Sind die Regierungen der Länder, die diese Autos kaufen, bereit zu berücksichtigen, dass die Abhängigkeit von der chinesischen Autoindustrie sich als genauso strategisches Problem erweisen könnte wie die frühere Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten?

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