Fast zwei Jahre ohne normale Verbindung: Kiew saniert Tunnel zwischen „Shevchenka“ und „Pochaina“ für 1,84 Mrd.

Die Kiewer Metro hat endlich den Abschlussbericht der staatlichen Prüfung für die Generalüberholung des absackenden Tunnels an der blauen Linie erhalten. Die Reparatur, die bereits für 2024 geplant war, wird fast zwei Milliarden kosten – und das mitten im Krieg.

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Фото: LIGA.net

Andrij fährt jeden Tag von Obolon zur Arbeit — 40 Minuten mit der Metro bis zum Chreschtschatyk. In den nächsten fast zwei Jahren wird diese Strecke komplizierter: Die Kiewer U-Bahn bereitet eine grundlegende Reparatur des Streckentunnels zwischen den Stationen «Тараса Шевченка» und «Почайна» vor.

Die Kiewer Stadtverwaltung (КМДА) kündigte den Beginn der Vorbereitungen an. Die Metro hat gerade erst den Bericht der staatlichen Expertise erhalten — ohne diesen hätte man mit der Ausschreibung nicht beginnen können. Das Problem ist nicht neu: Der Tunnel in diesem Abschnitt sinkt ab; Arbeiten waren bereits für 2024 geplant, doch die Unterlagen verzögerten sich um mehr als ein Jahr.

Was und zu welchem Preis

Das gesamte Arbeitsvolumen ist auf bis zu 23 Monate ausgelegt. Die Kostenschätzung beträgt 1,84 Mrd. Hrywnja (UAH). Es handelt sich um eine grundlegende Instandsetzung und nicht um Flickwerk: Es geht um die tragende Konstruktion des Tunnels der Gleisrichtung Nr. 1, an der Deformationen festgestellt wurden.

Die blaue Linie ist keine Nebenstrecke. Sie verbindet das dicht besiedelte Obolon mit dem Zentrum und dem linken Ufer. Die U-Bahn deckt insgesamt mehr als 50 % des städtischen Personenverkehrs ab. Als es 2023 im südlichen Abschnitt derselben Linie zu einem Unfall kam, spürte die Stadt das sofort: Der oberirdische Verkehr bewältigte die Last nicht und die Menschen standen stundenlang im Stau.

Geld in Kriegszeiten

1,84 Mrd. Hrywnja ist keine abstrakte Zahl. Zum Vergleich: Das Jahresbudget mancher ukrainischer Städte mit regionaler Bedeutung ist geringer. Die Frage ist nicht, ob die Reparatur nötig ist — ein Tunnel mit Deformationen in einer Metropole stellt ein reales Risiko dar. Die Frage ist, woher das Geld kommt und wie es kontrolliert werden soll.

Offiziell ist die Finanzierungsquelle bisher nicht im Detail bekanntgegeben worden. Kiew deckt Infrastrukturkosten traditionell aus dem Stadtbudget und aufgenommenen Krediten — insbesondere von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und der Europäischen Investitionsbank (EIB), die frühere U-Bahn-Projekte finanzierten. Ob diese Reparatur einer externen Prüfung unterliegen wird, ist offen; die Antwort darauf wird nach Veröffentlichung der Ausschreibungsunterlagen bekannt werden.

Wie geht es weiter

Derzeit schließt die U-Bahn die Vorbereitungsphase ab. Die Ausschreibung für den Auftragnehmer wurde noch nicht veröffentlicht. Bis zum Beginn der Arbeiten fahren die Fahrgäste der blauen Linie regulär — Einschränkungen des Betriebs werden voraussichtlich erst unmittelbar während der Bauarbeiten auftreten.

Für eine Stadt, in der die U-Bahn während Luftalarmphasen faktisch das einzige Verkehrsmittel ist und in der jede ausgefallene Station sich sofort an der Oberfläche bemerkbar macht, sind 23 Monate Reparatur keine technische Kleinigkeit, sondern ein städtisches Problem, das einen klaren Plan zur Organisation des Verkehrs erfordert. Ein solcher Plan wurde öffentlich noch nicht vorgestellt.

Wird die U-Bahn vor der Ausschreibung einen detaillierten Umleitungsplan und einen Zeitplan für die Einschränkungen veröffentlichen — oder müssen die Kiewer erneut Änderungen post factum erfahren?

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