Warum das jetzt wichtig ist
Die Financial Times hat ihre traditionellen Jahresprognosen veröffentlicht, eine der ersten betrifft die Ukraine. Die Zeitung kommt zu dem Schluss, dass der Abzug ukrainischer Kräfte aus dem Donbass kein realistisches Szenario für Kiew ist, es sei denn, es kommt zu einem vollständigen Zusammenbruch der Verteidigung. Für den Leser ist das nicht nur eine abstrakte These, sondern ein Signal dafür, dass Fragen der territorialen Integrität und der militärischen Leistungsfähigkeit weiterhin Schlüsselfaktoren der Außenpolitik und der Hilfe sind.
Was die FT sagte
„Der Abzug von Gebieten zur Schaffung einer entmilitarisierten Zone, die von keiner der Seiten kontrolliert würde, wäre weder lebensfähig noch für Moskau oder Kiew akzeptabel. Nur ein unwahrscheinlicher Zusammenbruch der Verteidigung würde die Ukraine zur Kapitulation zwingen“
— Financial Times
Warum die FT zu diesem Schluss kommt
Der Schluss basiert auf mehreren Realitäten, die auch Militärexperten anführen: Kontrolle über Territorien ist nicht nur Kartographie, sondern auch strategische Brückenköpfe, Logistik und politische Legitimität. Die Idee einer entmilitarisierten Zone ohne effektive Kontrolle würde ein Vakuum schaffen, das jede Seite zu ihrem Vorteil nutzen würde. Außerdem macht die Innenpolitik der Ukraine jeden massiven Rückzug politisch inakzeptabel.
Was das für die Partner und für die Ukraine bedeutet
Erstens ist es ein Argument für den Erhalt und den Ausbau militärischer Hilfe: wenn der Zusammenbruch der Verteidigung der einzige Weg zur Kapitulation ist, dann besteht das Ziel der Partner darin, dies zu verhindern. Zweitens richtet sich das Signal an die Diplomatie: Verhandlungen sind möglich, müssen sich aber an der Frontrealität und an der Stärke der Argumente orientieren, nicht am Wunsch nach einem schnellen Abkommen. Für die Bürger bedeutet das, dass der strategische Einsatz des Staates auf Kampffähigkeit und internationale Unterstützung gerichtet ist.
Weitere FT‑Prognosen, die man kennen sollte
Außerhalb der Ukraine erwartet die FT, dass die Blase um künstliche Intelligenz platzen könnte, die großen Unternehmen jedoch einen Marktrückgang von etwa 10–15% überstehen werden. Die Zeitung prognostiziert außerdem eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse in den USA nach den Zwischenwahlen, das Ausbleiben vorgezogener Präsidentschaftswahlen in Frankreich sowie eine Reihe wirtschaftlicher und politischer Szenarien weltweit — vom Kurs des Yuan bis zur Zukunft des Quantencomputings.
Fazit: was als Nächstes zu tun ist
Die FT bekräftigt einen einfachen Gedanken: Sicherheit ist Voraussetzung jeglicher Verhandlungen. Unterstützungsbekundungen sind nützlich, doch die entscheidende Frage ist nun, ob die Partner diese Bekundungen in konkrete Lieferungen, Finanzierung und Ausbildung umsetzen, die die Fähigkeit der Ukraine erhalten. Wenn die Antwort ja ist, bleibt das von der FT als unwahrscheinlich bezeichnete Szenario unwahrscheinlich. Wenn nicht, muss mit einem anderen Satz von Risiken gerechnet werden.
Frage an die Partner und die Bürger: Sind die westlichen Hauptstädte bereit, in das zu investieren, was die Verteidigung der Ukraine tatsächlich stärkt, und nicht nur in deklarative Unterstützung?