Die Logik ist einfach: Wenn man ein großes Objekt mit einem Schlag zerstören kann, teile es in sechs kleinere auf. Genau auf diesem Prinzip basiert die zweite Phase von Power One — ein privates Energieprojekt von Dragon Capital des Tschechischen Unternehmers Tomáš Fiála und Negen von Wolodymyr Kudryzkyj, ehemaliger Leiter von Ukrenerho.
Was wurde unterzeichnet und wo
Am Rande der Ukraine Recovery Conference (URC 2026) unterzeichneten Dragon Capital, Negen und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung ein Mandat-Schreiben — ein Dokument, das die Absicht der EBWE zur Vorbereitung der Fremdfinanzierung der zweiten Phase festhält. Nach Angaben von Interfax-Ukraine könnte das Darlehen bis zu 50 Millionen Euro bei einem Gesamtbudget von über 90 Millionen Euro betragen.
Ein Mandat-Schreiben ist kein Kreditvertrag. Die endgültigen Finanzierungsbedingungen werden noch verhandelt, der Kontrollmechanismus für Ausgaben ist nicht öffentlich bekannt.
Woraus besteht die zweite Phase
170 MW neue Kapazität — das ist nicht eine einzelne Anlage. Nach Angaben von Interfax-Ukraine umfasst das Projekt ein Batteriespeichersystem mit 160 MW und ein Spitzenlast-Gasmotorenkraftwerk mit 9 MW, verteilt auf sechs Standorte in verschiedenen Regionen der Ukraine. Keine einzelne Anlage übersteigt 10 MW — das ist eine bewusste Wette auf Widerstandsfähigkeit gegen Anschläge und lokale Ausfälle.
Nach Abschluss der zweiten Phase wird die Gesamtspeicherkapazität von Power One 750 MWh übersteigen, was das Unternehmen nach Aussage von Kudryzkyj zum Marktführer im Energiespeicherbereich der Ukraine machen würde.
Erste Phase: Was bereits vorhanden ist
Die erste Phase wird seit 2025 von der EBWE finanziert — die Bank stellte 21,1 Millionen Euro und einen norwegischen Zuschuss von 3 Millionen Euro bereit. Derzeit sind 28,4 MW in Betrieb; weitere 40 MW sollen bis Ende 2026 in Betrieb gehen. Die erste Phase konzentriert sich auf die Transkarpatien und kombiniert Gasmotorenaggregate (36,8 MW) mit Speichersystemen (31,5 MW).
Wer steht hinter dem Projekt
Kudryzkyj verließ Ukrenerho im September 2024. Bereits im November gründete er zusammen mit dem ehemaligen Vorstandsmitglied von Ukrenerho Andrij Nemirowskyj Negen. Im April 2025 vereinbarte er mit Dragon Capital den gemeinsamen Start von Power One.
«Für uns war es sehr wichtig, etwas Bedeutungsvolles für das ukrainische Energiesystem zu schaffen»,
— Wolodymyr Kudryzkyj, Mitbegründer von Negen und Geschäftsführer von Power One, Dragon Capital
Dragon Capital, das 100 % von Power One besitzt, tritt als Finanzierungspartner auf; Negen als Betriebspartner. Das tschechische Unternehmen RSE wird die Ausrüstung für das Projekt liefern.
Warum dies über ein einzelnes Unternehmen hinaus wichtig ist
Russland hat einen großen Teil der Regelleistungskapazitäten der Ukraine — hauptsächlich Kohle- und Gaskraftwerke — zerstört. Batteriespeicher und verteilte Gasstromerzeugung füllen genau diese Lücke: schneller Start, geografische Streuung, keine einzelne Ausfallstelle. Die Kosten für 1 MWh BESS sind 2025 auf etwa 110.000 Euro gefallen, was die Rentabilität ohne Subventionen realistisch macht.
- 160 MW — Batteriespeicherung (zweite Phase)
- 9 MW — Spitzenlast-Gasstromerzeugung (zweite Phase)
- 6 Standorte in verschiedenen Regionen
- 750+ MWh — Gesamtkapazität nach Abschluss beider Phasen
- 90+ Millionen Euro — Budget der zweiten Phase
Die Frage, die den realen Wert dieses Modells bestimmt: Kann Power One den dezentralisierten Ansatz schneller ausbauen, als sich Raketenangiffe an neue Objektkonfigurationen anpassen — und wird diese Architektur zum Standard für andere private Investoren in die ukrainische Energiewirtschaft, wenn die zweite Phase bis Ende 2026 nach Plan abgeschlossen ist.