Rubio gegen von der Leyen: USA drängen Europa wegen Ebola unter Druck — und drohen, die Einreise zur WM 2026 zu erschweren

Washington hat die Grenzen bereits für Bürger von drei afrikanischen Ländern geschlossen und fordert das Gleiche von der EU. Brüssel verfolgt bislang einen koordinativen und nicht restriktiven Kurs — und genau das verärgert das Außenministerium.

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Am 1. Juni richteten die USA an europäische Hauptstädte eine offizielle diplomatische Démarche – mit der Forderung, Einreisebeschränkungen für Personen aus der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und anderen betroffenen Ländern einzuführen. Am 9. Juni erörterte Außenminister Marco Rubio die Situation persönlich mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Einem Sprecher des Außenministeriums zufolge könnten die USA die Einreisebedingungen für Europäer verschärfen – unter anderem für die Fußball-Weltmeisterschaft, die diese Woche eröffnet wird – falls Europa nicht handelt.

Was passiert mit dem Ausbruch

Diesmal geht es um das Bundibugyo-Virus – eine Ebolavirus-Art mit einer Sterblichkeitsrate von 30 bis 50 Prozent. Nach Angaben der WHO vom 9. Juni 2026 wurden in der Demokratischen Republik Kongo 550 Fälle und 101 Todesfälle bestätigt, in Uganda 19 bestätigte Fälle und 2 Todesfälle. Die am stärksten betroffene Provinz ist Ituri: 518 der 550 Fälle. Ein bestätigter Patient – ein Gesundheitsarbeiter aus den USA, der Patienten in der Demokratischen Republik Kongo behandelt hatte – wird derzeit in Deutschland behandelt. Im Mai erklärte die WHO den Ausbruch zur Notlage internationaler Tragweite (PHEIC).

Was die USA getan haben – und was sie von Europa erwarten

Die Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC) haben bereits die Einreise von Ausländern aus drei betroffenen Ländern verboten und ein obligatorisches Screening für amerikanische Staatsbürger in bestimmten Flughäfen eingeführt. Kanada hat die Ausstellung von Aufenthaltsgenehmigungen für Ausländer aus betroffenen Regionen eingestellt. Mexiko wählte einen Mittelweg: Screening in den WM-Gastgeberstädten plus Reisewarnung für die Demokratische Republik Kongo.

Washington erwartet von Europa ähnliche Maßnahmen. Allerdings hat die EU bislang keine gesamtkontinentalen Verbote eingeführt – stattdessen setzte sie auf Koordination und gezielte Kontrollen. Belgien und andere Länder mit direkten Flugverbindungen aus Afrika haben die Flughafen-Protokolle verschärft, allerdings ohne vollständige Einreiseverbote.

Paradoxon: WHO gegen Verbote

Die Position der EU hat einen unerwarteten Verbündeten. Wie Reuters berichtet, forderte die WHO die Länder auf, keine allgemeinen Einreiseverbote einzuführen, und argumentiert, dass diese Lieferketten unterbrechen und die Krisenbewältigung erschweren – also den Ausbruch schwerer zu kontrollieren machen, nicht leichter.

«Die Furcht vor Ebola wird in den Medien unverhältnismäßig zum tatsächlichen Risiko für Touristen verstärkt. Das wirkliche Risiko besteht nicht darin, dass sich ein Fan im Stadion ansteckt, sondern darin, dass Beschränkungen das Vertrauen in die Veranstaltung untergraben».

Victor Matheson, Professor für Wirtschaftswissenschaften am College of the Holy Cross (USA), Analyst für Sportveranstaltungsmärkte

Was bei der WM 2026 auf dem Spiel steht

Das Turnier findet in 16 Städten in drei Ländern statt – 11 in den USA, 3 in Mexiko, 2 in Kanada – und soll Millionen internationale Zuschauer anziehen. Sollten die USA die Einreisebedingungen für Bürger von Staaten, die die Anforderungen «nicht erfüllt haben», tatsächlich verschärfen, wären vor allem Touristen aus EU-Ländern mit großen afrikanischen Diaspora-Gemeinschaften betroffen – Frankreich, Belgien, Portugal. Für sie könnte die Reise zu einem Spiel zu einer bürokratischen Odyssee mit zusätzlichen Tests, Quarantäne oder Einreiseverweigerung werden.

Der Ökonom Matheson warnt: Die eigentliche Bedrohung für die WM-Einnahmen ist nicht das Virus selbst, sondern die Unklarheit der Regeln. Tickets sind gekauft, Hotels sind gebucht, Flüge sind geplant. Sollten sich die Regeln wöchentlich ändern, könnten die Verluste durch Absagen und Verschiebungen die direkten Verluste durch medizinische Vorfälle übersteigen.

Die Schlüsselfrage der kommenden Wochen lautet: Wird die EU sich den amerikanischen Bedingungen vor Beginn der Gruppenphase beugen – oder wird das Außenministerium wirklich riskieren, die Einreise für Bürger ihrer Verbündeten während des größten Sportturniers in der Geschichte der USA zu beschränken?

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