Was passiert ist
Nach Angaben von Serhij Korezkyj, Vorstandsvorsitzender der NAK «Naftogaz der Ukraine», und Oleksandr Prokudin, Leiter der Chersoner Regionalen Militärverwaltung (OVA), wurde das Chersoner Wärmekraftwerk erneut einer Serie gezielter Angriffe ausgesetzt. Innerhalb von zwei Tagen im Jahr 2026 wurden auf die Anlage mehr als 10 gezielte Treffer durch Artillerie und Drohnen ausgeführt; am Freitagmorgen gab es weitere vier Einschläge.
„Aufgrund der andauernden Beschießungen kann das Chersoner Wärmekraftwerk nicht mehr im gewohnten Betrieb arbeiten. Unsere Fachleute arbeiten vor Ort, soweit dies möglich ist: Sie bewerten das Ausmaß der Zerstörungen und planen die weiteren Maßnahmen.“
— Serhij Korezkyj, Vorstandsvorsitzender der NAK «Naftogaz der Ukraine»
„Das Ziel des Feindes ist offensichtlich – mit gezielten Schlägen gegen zivile Infrastruktur versuchen sie, Cherson im Winter ohne Wärme zu lassen. Das ist bewusster Terror gegen die Zivilbevölkerung.“
— Oleksandr Prokudin, Leiter der Chersoner Regionalen Militärverwaltung
Bereits Anfang Dezember war das Kraftwerk wegen Beschuss kurzzeitig stillgelegt worden: Damals blieben 470 Gebäude — über 40.500 Haushalte — ohne zentrale Wärmeversorgung. Bei einem der Angriffe am 28. Dezember wurde eine Mitarbeiterin der Anlage verletzt.
Warum das wichtig ist
Ein Angriff auf thermische Infrastruktur ist nicht nur physische Zerstörung, sondern ein direkter Schlag gegen die Fähigkeit einer Stadt, den Winter zu überstehen. Laut Angaben der lokalen Verwaltung verringerte sich die Einwohnerzahl von Cherson bis Mitte 2025 auf etwa 65.000 Menschen (vor dem Krieg fast 280.000), und rund zwei Drittel davon sind im Rentenalter. Gerade diese Gruppe ist am wenigsten in der Lage, sich schnell an Störungen bei der Heizung anzupassen.
Gezielte Schläge gegen zivile Infrastruktur verstoßen gegen das Völkerrecht des humanitären Völkerrechts und verschärfen die humanitäre Krise: Die Menschen verlieren nicht nur Wärme, sondern auch die Möglichkeit, Krankenhäuser, soziale Dienste und kritische Kommunikationsinfrastruktur zu nutzen.
Was jetzt unternommen wird
Zur Abmilderung der Folgen hat NAK «Naftogaz» bereits 1.000 elektrische Heizgeräte in die Stadt geliefert und plant, zusätzlich 1.500 gasbetriebene Heizgeräte mit Gasflaschen zu schicken. Vor Ort arbeiten Teams zur Schadensbewertung und zur Planung der Wiederherstellungsarbeiten. Parallel werden alternative Möglichkeiten zur Wärmezufuhr und mobile Lösungen für sozial schutzbedürftige Gruppen erarbeitet.
Was das für die Menschen und den Staat bedeutet
Erstens unterstreicht die Lage die Bedeutung von Reserven und schneller Logistik: Selbst wenn die zentrale Infrastruktur beschädigt ist, retten schnelle Lieferungen von Heizmitteln Leben. Zweitens ist es ein weiteres Argument für eine Verstärkung internationaler Hilfe im Energie- und Humanitätsbereich — sowohl materiell als auch technisch.
Energieexperten und humanitäre Organisationen weisen darauf hin, dass Reparaturen am Wärmekraftwerk in einer Zone aktiver Kampfhandlungen schwierig und langwierig sind — es werden nicht nur Ersatzteile, sondern auch Sicherheitsgarantien für Reparaturteams benötigt. Kurzfristig ist die Stadt auf mobile Lösungen und die Unterstützung durch Staat und Partner angewiesen.
Fazit: Dies ist kein Einzelfall, sondern Teil einer systematischen Strategie, die die wintersichere Versorgung der Bevölkerung von Cherson gefährdet. Die Aufgabe der Behörden ist es nun, die Krisensignale schnell in konkrete Ressourcen vor Ort umzusetzen: Heizgeräte, Evakuierungszentren, Reparaturteams und internationale Hilfe. Jetzt sind Taten gefragt, nicht Worte.