Warum diese Nachricht wichtig ist
Die Staatsagentur für Energieeffizienz (Держенергоефективності) bezeichnet 2025 als Wendepunkt für die ukrainische Kraft-Wärme-Kopplung (Kogeneration): 71 qualifizierte Anlage — 40 % mehr als 2024. Das ist nicht nur Statistik: hinter den Zahlen steht ein Zuwachs lokaler Erzeugung, Investitionen und Möglichkeiten zur Stabilisierung der Wärmeversorgung in Krisenzeiten.
„In diesem Jahr haben wir einen echten Boom verzeichnet – 71 Kogenerationsanlagen wurden von der Staatsagentur für Energieeffizienz qualifiziert. Das sind 40 % mehr als im Vorjahr.“
— Ганна Замазєєва, Leiterin der Staatsagentur für Energieeffizienz
Was sich genau geändert hat — die wichtigsten Zahlen
Die gesamte elektrische Leistung der qualifizierten Kogenerationsanlagen erreichte 3,1 GW, die thermische Leistung 9,2 Gkal/h. Das entspricht etwa +20 % bei der elektrischen bzw. +11 % bei der thermischen Leistung im Vergleich zu 2024 (2,57 GW bzw. 8,3 Gkal/h).
Die Qualifikation berechtigt zu staatlicher Unterstützung: unter anderem zur Befreiung von der Akzise (3,2 %) auf Einnahmen aus dem Verkauf der erzeugten Elektrizität — ein wichtiger Anreiz für Investoren.
Investitionen und Pläne
Nach Einschätzung der Agentur wurden in den letzten eineinhalb Jahren 125 MW neuer Kapazitäten in Betrieb genommen — das entspricht rund 210 Mio. Euro direkten Investitionen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen mindestens 250 Kogenerationsanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,1 GW installiert werden. Dafür werden, so die Staatsagentur, noch etwa 1,9 Mrd. Euro benötigt.
- Oblast Odessa — 193 MW
- Kiew — 185 MW
- Dnipro/Region Dnipropetrowsk — 164 MW
- Lwiw/Region Lwiw — 143,6 MW
Kontext: Wo das in die Energie-Landschaft passt
Das Energieministerium weist darauf hin: Im Jahr 2025 wurden im Land 762 MW neuer Gaserzeugung in Betrieb genommen. Die Kogeneration ergänzt diesen Trend, setzt aber andere Schwerpunkte — vor allem eine effizientere Brennstoffnutzung und lokale Widerstandsfähigkeit der Netze und der Wärmeversorgung. Für die Ukraine, deren Infrastruktur belastet ist, geht es darum, die Abhängigkeit von großen zentralen Knotenpunkten zu verringern und die Wiederherstellbarkeit von Diensten nach Angriffen oder Störfällen zu beschleunigen.
Was das in der Praxis bedeutet
Kogeneration erhöht die Energieeffizienz: Die gleichzeitige Erzeugung von Wärme und Strom reduziert Brennstoffverluste und senkt die Kosten für Städte und Betriebe. Der Staat schafft steuerliche und qualifikatorische Anreize — und die Wirtschaft reagiert mit Investitionen. Das ist ein Signal sowohl an inländische als auch an internationale Investoren: Der Sektor wird planbarer und attraktiver.
Fazit
Der Wert von 71 qualifizierten Anlagen ist kein Selbstzweck, sondern ein Indikator für einen Wandel im Energiemodell: Dezentralisierung, Effizienz und aggregierte Resilienz. Der nächste Schritt besteht darin, die angekündigten Pläne (1,1 GW und 1,9 Mrd. Euro) in unterschriebene Verträge und realisierte Projekte zu überführen. Eine konkrete Frage bleibt: Wer und zu welchen Bedingungen wird in diese Investitionen eintreten — staatliche Akteure, internationale Fonds oder der Privatsektor?