Paton-Brücke in Gefahr: NAN fordert Generalsanierung wegen beschleunigter Korrosion

Akademiker stellen eine nichtlineare Ausbreitung der Korrosion fest — das ist längst nicht mehr nur eine technische Frage, sondern eine Frage der Sicherheit und Mobilität Kiews. Wir erklären, was bekannt ist und was der Staat tun muss.

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Фото: КМДА

Warum das wichtig ist

Anfang 2026 wandte sich das Nationale Komitee für theoretische und angewandte Mechanik der НАН an Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko mit der Forderung, die Finanzierung für die Grundinstandsetzung der E.O.-Paton-Brücke zu organisieren. Auslöser waren die Ergebnisse der planmäßigen Untersuchung von 2025, die eine weit verbreitete Korrosion an den Querträgern aufdeckten, die die Fahrbahnplatten tragen. Für Kiew ist das nicht nur ein ingenieurtechnisches Problem: Die Brücke ist einer der wichtigsten Verkehrskorridore über den Dnipro.

Was Fachleute sagen

„Ich möchte die Menschen nicht erschrecken, aber die Korrosion frisst dieses Bauwerk unerbittlich an. Die Gefahr eines teilweisen oder vollständigen Einsturzes ist durchaus real.“

— В'ячеслав Богданов, erster Vizepräsident der НАН, Vorsitzender des Nationalen Komitees für theoretische und angewandte Mechanik

Der Vorsitzende des Komitees erklärt, dass, wenn sich die Korrosionsprozesse früher linear entwickelt hätten, sie jetzt eine unvorhersehbare Dynamik — eine „unvorhersehbare Kurve“ — angenommen hätten, was die Prognose der Lebensdauer der Konstruktion erschwere. Den vorliegenden Daten zufolge hält die Brücke zu einem großen Teil dank vier Hauptträgern, die sich bisher in einem „mehr oder weniger anständigen Zustand“ befinden.

Voraussetzungen und Chronologie

  • 2017 — der Brücke wurde der Status „gefährdet“ zuerkannt, ein tatsächlicher Grundinstandsetzung begann jedoch nicht.
  • 2021 — Kiew nahm die Brücke in das Projekt „Großer Wiederaufbau“ auf; Auftraggeber wurde der Dienst für Wiederaufbau und Entwicklung der Infrastruktur in der Region Kiew.
  • Januar 2023 — die Auftraggeberfunktion wurde an die kommunale Gesellschaft «Київавтодор» übertragen, doch die Arbeiten haben bislang nicht begonnen.
  • Juli 2024 — der Direktor des Paton-Instituts für Elektroschweißen, Ігор Кривцун, erklärte in einem Interview mit LIGA.net, die Brücke brauche wegen „schrecklicher Korrosion“ sofortige Sperrung und Reparatur.
  • 2025 — das Ukrainische Institut für Stahlkonstruktionen namens Шимановського dokumentierte zerstörerische Prozesse in den Querträgern, was die Besorgnis der Wissenschaftler erhöhte.

Folgen und Risiken

Die unvorhersehbare Beschleunigung der Korrosion erhöht das Risiko teilweiser Beschädigungen oder lokaler Einstürze mit Folgen für den Fahrzeugverkehr, Evakuierungen und die Logistik lebenswichtiger Güter. Für die Hauptstadt würde ein längerer Ausfall einer Überquerung über den Dnipro eine zusätzliche Belastung für andere Übergänge und Risiken für das rasche Eingreifen in Krisensituationen bedeuten.

Was Experten vorschlagen

Das Nationale Komitee hat bereits ein Schreiben an die Ministerpräsidentin geschickt und gefordert, die Finanzierung der Arbeiten zur Grundinstandsetzung zu organisieren. Teile der Fachwelt, darunter Vertreter des Інституту електрозварювання, forderten öffentlich sofortige Beschränkungsmaßnahmen – bis hin zu einer vorübergehenden Sperrung – bis eine umfassende Reparatur durchgeführt worden ist.

„Die Reparatur der Metro-Brücke hat begonnen, aber der Paton-Brücke wird aus irgendeinem Grund nicht ausreichend Beachtung geschenkt, obwohl jeder weitere Tag des Zögerns fatale Folgen haben kann.“

— В'ячеслав Богданов, erster Vizepräsident der НАН

Kurzes Fazit

Das Problem mit der Paton-Brücke ist längst nicht mehr nur technischer Natur: Es geht um die Sicherheit der Stadt und der nationalen Infrastruktur. Die Experten fordern drei zentrale Maßnahmen — sofortige Finanzierung der Grundinstandsetzung, Priorisierung der Arbeiten in staatlichen Wiederaufbauprogrammen und vorübergehende Sicherheitsmaßnahmen zur Risikominderung. Nun ist die Regierung am Zug: Erklärungen müssen in konkrete Kostenpläne und Ausführungsfristen umgesetzt werden.

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