Die Zahl von 1505 MW wirkt überzeugend, dahinter verbirgt sich jedoch eine unbequeme Vorgeschichte. Die erste Phase dieses Wettbewerbs endete damit, dass das Geschäft nur 78,1 MW von den geplanten über 1300 garantierte. Das heißt weniger als 6% des Ziels. Deshalb entschied sich das Kabinett für eine zweite Runde — und schrieb dieses Mal die Regeln um.
Was wurde geändert und warum ist das wichtig
Nach Aussagen des Ersten Vizepremierministers und Energieministers Denis Schmyhal berücksichtigte die Regierung für die zweite Phase die Anmerkungen der Investoren. Jedes Objekt muss nun mindestens 10 MW garantierter Leistung haben und zwingend — eine zweite Schutzebene gegen Anschläge. Kleinere Projekte, die den vorherigen Wettbewerb „verwässert" hatten, werden nicht mehr zugelassen.
Das Finanzierungsmodell bleibt bestehen: Der Staat zahlt durch „Ukrenergo" eine Marktprämie über 10 Jahre — aber nur dann, wenn der Strompreis in den Morgen- und Abendspitzenstunden unter das Angebotsniveau fällt. Höchstens 27,92 Eurocent pro kWh, und diese Zahlung erfolgt in den ersten 5 Jahren nach Inbetriebnahme.
„Der Gewinner verpflichtet sich, die erforderliche Leistung in klar definierten Zeiträumen zu bauen, und der Staat bietet die notwendigen Anreize und Bedingungen".
Denis Schmyhal, Erster Vizepremierminister, Energieminister
Das Dnipropetrowsk-Los: Logik, nicht Großzügigkeit
Das neue Los mit 183 MW für die Region Dnipropetrowsk ist kein Bonus, sondern eine Reaktion auf die Frontgeografie. Der Dnipro-Energieknoten versorgt gleichzeitig die Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja — Regionen, in denen ständige Beschießungen die Stromerzeugung schneller zerstören, als sie wiederhergestellt werden kann. Ohne zusätzliche verteilte Leistung genau hier besteht das größte Risiko für Kaskadenabschaltungen.
Das Gesamtbild der Los der zweiten Phase:
- Sumy, Charkiw, Poltawa — 872 MW (am nächsten zur Front)
- Kiew und Tscherkassy — 250 MW
- Dnipropetrowsk — 283 MW insgesamt (100 MW initial + 183 MW neu)
- Odessa — 100 MW
Frist — Dezember 2027. Und das ist ein Problem
Nach Aussagen von Schmyhal soll der Bau neuer Objekte bereits Ende November beginnen. Der gesamte geplante Umfang soll bis Ende 2027 in Betrieb genommen werden. Das Zeitfenster zwischen „Baubeginn" und „Inbetriebnahme" — weniger als zwei Jahre, und das für Objekte, die noch weder Wettbewerbssieger noch Netzanschlüsse haben.
Zum Vergleich: Seit Beginn der großflächigen russischen Invasion hat die Ukraine insgesamt 1,4 GW neue Gaserzeugung in Betrieb genommen — und das in dreieinhalb Jahren. Jetzt plant die Regierung, weitere 1,5 GW genau in zwei Jahren hinzuzufügen.
Wenn die zweite Phase das Schicksal der ersten wiederholt und das Geschäft wieder einen Prozentsatz statt Gigawatt garantiert — werden die echten Indikatoren nicht die Zahlen des Kabinetts sein, sondern die Anzahl der unterzeichneten Verträge mit „Ukrenergo" nach Ablauf des dreimonatigen Fensters für Bewerbungseinreichungen.