Worum es in der Nachricht geht
Rio Tinto hat Verhandlungen über den Kauf von Glencore bestätigt — ein Deal, der im Erfolgsfall ein Bergbauunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über $200 Mrd. schaffen würde. Diskutiert werden sowohl teilweise Zusammenlegungen von Vermögenswerten als auch die vollständige Übernahme von Glencore im Tausch gegen Aktien. Nach britischem Recht muss Rio Tinto bis 17:00 Uhr Londoner Zeit am 5. Februar entweder eine feste Absicht zur Abgabe eines Angebots bekanntgeben oder sich zurückziehen.
Marktreaktion: Aktien und Vorgeschichte
Nach der Bestätigung der Verhandlungen stiegen die Glencore-Aktien in London um rund 10 %, während die Papiere von Rio Tinto fielen: Investoren überdenken die Risiken und die potenziellen Kosten einer Restrukturierung. Die Gespräche hatten bereits Ende 2024 begonnen, liefen damals jedoch aufgrund von Meinungsverschiedenheiten in der Unternehmensbewertung und Debatten über Glencores Kohle-Assets ins Leere.
«Um die Unterstützung der australischen Aktionärsbasis zu gewinnen, muss die Kohle verkauft werden.»
— John Ayoub, Portfoliomanager, Wilson Asset Management
Warum Rio Tinto jetzt handelt
Die Hauptmotivation ist Kupfer. Die Welt stellt auf Elektrifizierung und grüne Energie um, und die Nachfrage nach Kupfer steigt. Die Kombination der Vermögenswerte verschafft Rio Tinto Zugang zu einem breiten Portfolio an Metallen und zu den Handelsmöglichkeiten von Glencore, was Kontrolle über Versorgung und Margen ermöglicht.
«Die weltweite Nachfrage nach Kupfer wird bis 2040 um 50 % steigen.»
— S&P Global (Prognose)
Was das für die Ukraine bedeutet
Das ist nicht nur ein globales Finanzspiel — für die Ukraine hat die Frage strategischer Metalle einen direkten Bezug zur Sicherheit und zum Wiederaufbau. Kupfer wird für die Elektrifizierung, den Wiederaufbau der Infrastruktur und die Herstellung von Komponenten für Verteidigungssysteme benötigt. Die Konzentration von Fördervermögen kann Preise und Verfügbarkeit von Rohstoffen für europäische und ukrainische Hersteller beeinflussen.
Potenzielle Risiken: eine stärkere Marktmacht eines einzelnen Akteurs könnte die Marktvolatilität erhöhen oder Lieferketten gegenüber geopolitischem Druck verwundbarer machen. Chancen: Ein stabiler Investor mit starken Handelsmöglichkeiten könnte Investitionen in neue Projekte und in Verarbeitungskapazitäten beschleunigen, was für die Energietransformation wichtig ist.
Regulatorische und praktische Hürden
Selbst bei Zustimmung der Unternehmen muss der Deal zahlreiche regulatorische Prüfungen in unterschiedlichen Jurisdiktionen durchlaufen, außerdem sind potenzielle Auflagen zur Veräußerung von Kohlevermögenswerten möglich. Das bedeutet, dass ein schnelles und reibungsloses Abschluss nicht garantiert ist — Zeitrahmen und Bedingungen werden entscheidend sein.
Wie es weitergeht
Investoren und Regierungen sollten drei Dinge beobachten: die Strukturierung des Deals (vollständige Übernahme oder teilweise Zusammenlegung von Vermögenswerten), die Regelungen im Hinblick auf Kohle und die regulatorischen Entscheidungen. Für die Ukraine ist es wichtig, an der Diversifizierung der Bezugsquellen für kritische Metalle und am Ausbau eigener Verarbeitungskapazitäten zu arbeiten, um die Abhängigkeit von Markterschütterungen zu reduzieren.
Kurzfassung: Der Deal könnte das Gleichgewicht auf dem Kupfermarkt verändern und den Einfluss großer Akteure stärken, was sich wiederum auf die ukrainische Wirtschaft und den Bedarf an Materialien für Wiederaufbau und Verteidigung auswirkt. Nun sind die Regulierungsbehörden und Investoren am Zug: Werden die Absichtserklärungen zu unterschriebenen Verträgen — und unter welchen Bedingungen?