Schattenflotte in der Ostsee: Warum die Beschädigung von Seekabeln nicht zwangsläufig eine direkte Sabotage Russlands ist

Der estnische Ex-Geheimdienstler Andres Vosman sagt, dass die meisten Vorfälle in der Ostsee eher durch Zufälle und technische Probleme zu erklären seien. Warum das für die Kommunikationssicherheit wichtig ist und was die Partner tun sollten — kurz und prägnant.

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Kurz

Beschädigungen von Unterseekabeln zwischen Estland und Finnland am 31. Dezember 2025 haben die Region aufmerksam gemacht. Gleichzeitig warnen führende Analysten: Nicht alle derartigen Vorfälle sollten automatisch einer gezielten hybriden Operation Moskaus zugeschrieben werden. Das ist wichtig für die Ukraine: Zurückhaltende Entscheidungen der Partner in Bezug auf Überwachung und Ermittlungen wirken sich direkt auf die Stabilität unserer Kommunikationsinfrastruktur und die nationale Sicherheit aus.

Was der Experte sagt

„Wahrscheinlich liegt es im Interesse Russlands, die Ostsee möglichst störungsfrei und schiffbar zu halten, da ihr Export von der Stabilität der Ostsee abhängt. Aus strategischer Sicht benötigt Moskau diese Probleme nicht. Gleichzeitig ist Russland aber auch durch Unordnung gekennzeichnet, weshalb man die Situation, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut, nicht völlig ausschließen kann.“

— Andres Vosman, ehemaliger Analyst des estnischen Auslandsnachrichtendienstes; heute Botschafter Estlands in Israel

Ursachen der Vorfälle: Was Experten analysieren

Vosman betont erneut: Die Vorfälle der letzten Jahre lassen sich durch eine Kombination von Faktoren erklären und nicht nur durch böswilliges Handeln. Zu den wichtigsten Ursachen, die Analysten nennen:

  • Anstieg des Schiffsverkehrs in Richtung Russland;
  • schlechter technischer Zustand einzelner Schiffe und geringe Ausbildung eines Teils der Besatzungen;
  • Zunahme der Unterwasserinfrastruktur, die Systeme anfällig für zufällige Beschädigungen macht;
  • frühere dokumentierte Fälle, in denen ein Anker oder ein Sturm Kabel beschädigten — jedoch ohne große Resonanz in den Medien.

Was genau am 31. Dezember geschah

In der Nacht zum 31. Dezember wurde eine Störung eines Unterwasserkabels festgestellt, das Estland und Finnland verbindet; die Beschädigung wurde in der ausschließlichen Wirtschaftszone Estlands registriert. Laut finnischer Polizei wurde vor Helsinki das Frachtschiff Fitburg festgesetzt, das unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen von Sankt Petersburg nach Haifa unterwegs war.

Das Schiff transportierte Stahlprodukte russischen Ursprungs, die unter die sektorspezifischen Sanktionen der EU fallen. Die Ladung wurde beschlagnahmt, Ermittlungen laufen; ein Vorverfahren wegen möglicher Sanktionsverstöße und Behinderung der Telekommunikation wird erwartet. Stand 3. Januar stehen drei der 14 Crewmitglieder unter Reiseverbot, weitere drei sind wegen des Verdachts der vorsätzlichen Schädigung der Infrastruktur in Haft.

Kontext und Meinungen ukrainischer und regionaler Experten

Der ehemalige stellvertretende Leiter des SBU, Viktor Jahun, warnt davor, dass sich eine Schattenflotte zu einem Instrument hybriden Drucks in der Ostsee entwickeln könnte, falls westliche Staaten ihre Kontrolle nicht verstärken. Experten betonen: Die Untersuchungsergebnisse und Festsetzungen von Schiffen sind ein wichtiges Signal — reichen jedoch ohne systematische Überwachungsarbeit und Maßnahmen zur Rechenschaftslegung nicht aus.

Warum das für die Sicherheit wichtig ist

Unterseekabel übertragen einen Großteil des internationalen Internetverkehrs und finanzieller Ströme. Selbst lokale Beschädigungen können Verzögerungen, die Belastung von Ausweichrouten und Risiken für die kritische Infrastruktur verursachen. Weitsichtige Politik der Partner sollte sowohl technische Überwachung als auch rechtliche Mechanismen zur Bekämpfung der Schattenflotte umfassen.

Was die Partner tun sollten

Analysten empfehlen koordinierte Schritte: Verstärkung der Überwachung von Schifffahrtsrouten, Austausch von AIS-Daten und satellitengestützter Überwachung, schnelle Verfahren zur Inspektion risikobehafteter Schiffe in Häfen, Verschärfung von Sanktions- und strafrechtlichem Druck auf Betreiber fragwürdiger Schiffe. Auch Transparenz bei den Ermittlungen ist wichtig — sie liefert sozialen Beleg und stärkt die Abschreckung.

Fazit

Es besteht eine reale Gefahr: Bleibt die Schattenflotte unbeachtet, können sich Vorfälle wiederholen und eskalieren. Aber die automatische Zuschreibung jeder Beschädigung als „Spiel Moskaus“ läuft ebenfalls Gefahr, Vertrauen zu untergraben und von realen technischen und regulatorischen Problemen abzulenken. Jetzt sind die Partner am Zug: Werden sie die Bekundungen in praktische Schritte zum Schutz der Unterwasserinfrastruktur und zur Verantwortlichmachung der Täter umsetzen?

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