In der Nacht des 28. Juni traf eine russische Ballistische Rakete das Pharmaunternehmen „Darnyzja" in Kiew — ein Unternehmen, das seit über 90 Jahren Medikamente von 180 Marken produziert und ein führender Akteur des inländischen Pharmamarktes ist. Unter den Mitarbeitern gab es keine Toten und Verletzten.
Schäden in Millionen, Produktion ungestört
Kateryna Zahoriy, Mitglied des Strategischen Rats von „Darnyzja", bestätigte gegenüber LIGA.net: Die Schadensberechnungen laufen noch, aber eine Größenordnung zeichnet sich bereits ab.
„Schon jetzt kann ich sagen, dass es um Dutzende Millionen Hrywnja geht. Aber es geht nicht nur darum, wie viel Glas, Beton oder Ausrüstung beschädigt wurde".
— Kateryna Zahoriy, Mitglied des Strategischen Rats von „Darnyzja"
Die Art und das Ausmaß der Schäden gibt das Unternehmen aus Sicherheitsgründen nicht preis — die Offenlegung von Details könnte dem Gegner Informationen über die Auswirkungen des Einschlags liefern. Diese Position ist Standard für kritische Infrastruktur während aktiver Kampfhandlungen.
Auf die Produktionsvolumen hatte der Anschlag keine Auswirkungen. Nach Angaben von Zahoriy wurde die Produktion dank des zuvor implementierten SAP-S/4HANA-Systems — einer Plattform mit Künstlicher-Intelligenz-Elementen zur Automatisierung von Geschäftsprozessen — operativ neu geplant. Alle geplanten Produktionsmengen werden vollständig hergestellt.
Nicht der erste Stresstest dieses Jahres
Der Anschlag erfolgte vor dem Hintergrund einer bereits bestehenden Absatzkrise. Im Frühjahr 2025 beschuldigte „Darnyzja" öffentlich die fünf größten Apothekenketten der künstlichen Preisüberhöhung. Nach staatlicher Intervention — Begrenzung der Handelsspannen und Verbot von Marketingzahlungen an Apotheken — reduzierten die Ketten ihre Einkäufe bei der Fabrik. Im Juni 2025 fielen die Verkäufe um 30 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2024, und in den darauffolgenden Monaten bereits um 50 Prozent. Die Fabrik musste zweimal die Produktion einstellen, weil die Lager überquollen, und reduzierte das Personal.
Das heißt, zum Zeitpunkt des Anschlags befand sich das Unternehmen bereits in einem Stressmodus — nicht militärisch, sondern marktwirtschaftlich.
Reaktion von Geschäftspartnern, Fragen an den Staat
Zahoriy beschrieb die Reaktion von Partnern nach dem Anschlag als überraschend stark: Das Telefon stand nicht still vor Anrufen, Unterstützungsangebote kamen von der Geschäftsgemeinschaft, von Krankenhäusern und Apotheken. Details zu konkreten Absprachen offenbarte sie nicht.
Was sich im Schutzsystem des Unternehmens ändern wird, konkretisierte Zahoriy nicht, wies aber darauf hin, dass es Veränderungen geben wird.
Ein Medikamentenmangel in Apotheken wird von dem Unternehmen nicht prognostiziert. Alla Kuprunets, Leiterin der externen Kommunikation von „Darnyzja", bestätigte: Die Lieferungen an Apothekenketten erfolgen wie gewohnt, es besteht kein Grund, Medikamente auf Vorrat zu kaufen.
Was das bedeutet
„Darnyzja" ist nicht einfach nur ein privates Unternehmen: Es ist der einzige große inländische Hersteller eines breiten Sortiments von Generika — von Schmerzmitteln bis zu Antibiotika. Ein Anschlag auf ein solches Objekt ist ein Anschlag auf die pharmazeutische Unabhängigkeit des Landes unter Kriegsbedingungen, wenn Importketten bereits instabil sind.
Die Widerstandsfähigkeit der Fabrik in diesem Fall lässt sich durch eine konkrete Entscheidung erklären — die Digitalisierung der Planung, die vor dem Krieg getroffen wurde. Aber das ist eine einmalige Dämpfung, nicht ein systemarer Schutz.
Wenn Russland einen wiederholten Anschlag auf dieselbe Infrastruktur führt — wird die Planungsflexibilität ein zweites Mal ausreichen, oder wird der Staat bis dahin den physischen Schutz des Objekts gewährleistet haben?