Künstlerin ist tot, Video wiederhergestellt: Der Fall des Attentats auf Jermolajew in Monaco nimmt Umrisse einer kriminellen Hierarchie an

Der SBU hat die Aufnahme einer „Rückkamera" wiederhergestellt, die die Ausführenden selbst zur Bestätigung des Auftrags installiert hatten – und eben diese ist nun zum Beweis gegen sie geworden. In drei Wochen verwandelte sich der Fall in eine Kette von Ereignissen: Explosion in Monaco → Interpol-Fahndung → Mord an der Verdächtigen bei Kiew → Festnahme eines amtierenden GUR-Offiziers.

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Am Abend des 29. Juni ereignete sich in dem gehobenen Viertel Monégasques Le Rocher ein Anschlag. Ein Unbekannter hinterließ eine präparierte Tasche vor der Tür eines Wohnhauses und verschwand. Drei Personen wurden verletzt — der Geschäftsmann Wadim Jermolajew, seine Lebensgefährtin und ihr 13-jähriger Sohn. Laut Medienberichten erlitt die Frau eine doppelte Beinamputation.

Am 17. Juli veröffentlichte Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko eine wiederhergestellte Videoaufnahme und erklärte, warum sie so wichtig ist.

«Die Ausführenden hatten zuvor eine Überwachungskamera in der Nähe des Tatorts installiert, um die Ausführung des Auftrags zu bestätigen».

Ruslan Krawtschenko, Generalstaatsanwalt der Ukraine

Die Kamera war also weder eine Polizei- noch eine Stadtkamera. Sie wurde von den Ausführenden selbst installiert, um den Anschlag zu dokumentieren und den Auftraggebern einen Bestätigungsbeweis der «ausgeführten Arbeit» zu schicken. Die Verdächtigen löschten das Video. Fachleute des SBU stellten es wieder her. In den Aufnahmen ist zu sehen, wie drei Personen die Treppen hinaufsteigen – und in diesem Moment ertönt die Explosion.

Wer hat den Sprengstoff gelegt – und was geschah danach mit ihm

Die monegassischen Ermittlungen identifizierten als Hauptverdächtige der Attacke die 39-jährige Anastassija Beresowskaja – eine Gebürtige aus Schytomyr. Interpol ordnete ihre Fahndung an. Am 1. Juli kehrte sie in die Ukraine zurück. Am 6. Juli wurde ihr mit Schussverletzungen versehener Leichnam vergraben in einem Wald in der Nähe des Dorfes Jurjew im Bezirk Butscha der Region Kiew gefunden.

Das SBU und das Büro des Generalstaatsanwalts teilten mit, zwei Männer unter Mordverdacht festgenommen zu haben. Die Ermittlungen ergaben, dass beide mehrfach Überweisungen auf Krypto- und Bankkonten von Beresowskaja tätigten. Nach offiziellen Angaben ist einer der Festgenommenen ein ehemaliger Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörden, der andere ein aktiver Offizier der Hauptverwaltung für Aufklärung des Verteidigungsministeriums.

Das Projekt «Schemy» (Radio Svoboda) recherchierte die Namen beider Festgenommener und ermittelte, dass einer von ihnen möglicherweise mit dem SBU verbunden sein könnte. Die offizielle Ermittlung bestätigte diese Version öffentlich nicht.

Wer ist Jermolajew und warum ist die Sache komplizierter als ein häuslicher Konflikt

Wadim Jermolajew ist ein Multimillionär aus Dnipro und belegte 2021 Platz 45 in der Forbes-Ukraine-Rangliste. Er unterliegt Sanktionen. Sein älterer Sohn Andrej wurde im Dezember 2025 auf Zypern festgenommen und nach Estland ausgeliefert – wo er sich in einem Fall von Betrugscall-Centern schuldig bekannte und €8,5 Millionen Schadensersatz an die Opfer zahlte.

Die monegassischen Ermittlungen untersuchen mehrere Versionen über den Auftraggeber. Die französische Zeitung Le Figaro berichtete, dass darunter auch die Version einer möglichen Beteiligung des SBU als Institution ist. Anonyme Quellen der Zeitung vermuten, dass das Ziel möglicherweise nicht die Tötung, sondern eine «Verwarnung» war. Das SBU und das Büro des Generalstaatsanwalts äußern sich zu dieser Version nicht.

Jermolajew selbst meldete sich nach dem Anschlag erstmals und beschuldigte laut Medienberichten konkrete Personen der Planung der Attacke. Wer genau, wurde öffentlich nicht präzisiert.

Die Ermittlungen in Monaco finden nach mehreren Straftatbeständen statt: Mordversuch, vorsätzliche Anbringung eines Sprengstoffgeräts an einem öffentlichen Ort und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Der Premierminister des Fürstentums Christoph Myrman bestätigte, dass es sich um einen geplanten Anschlag handelt. Ein Terroranschlag als Motiv wird ausgeschlossen.

Eine nachvollziehbare Kette zeichnet sich ab: Auftraggeber → Geldtransfers auf die Konten der Ausführenden → Explosion in Monaco → Rückkehr der Ausführenden in die Ukraine → ihre Beseitigung. Die entscheidende Verbindung aber – wer am Anfang steht – bleibt öffentlich ungeklärt. Sollte es der Ermittlung gelingen, einen direkten Zusammenhang zwischen den Geldtransfers der festgenommenen Offiziere und dem Auftrag für den Anschlag zu beweisen, wird die Sache aufhören, ein kriminelles Story über einen Oligarchen im Ausland zu sein, und wird zur Frage der Kontrolle über die Geheimdienste im Inland.

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