Das Gericht beschloss, den Fall über den Tod des Odessaer Geschäftsmanns Adnan Kivan im geschlossenen Verfahren zu verhandeln. Die offizielle Begründung lautet: Schutz des Berufsgeheimnisses, das direkt in der Strafprozessordnung vorgesehen ist. Die Logik ist verständlich: Patientendaten dürfen im Gerichtsverfahren nicht zum öffentlichen Eigentum werden.
Das Problem liegt woanders. Während das Gericht die Türen zum Schutz der Vertraulichkeit geschlossen hält, enthüllt einer der angeklagten Chirurgen der Klinik Odrex eigenständig medizinische Informationen über den verstorbenen Patienten – in öffentlichen Stellungnahmen, Kommentaren und offenen Auftritten.
Dies ist kein Randdetail des Verfahrens. Dies ist ein strukturelles Paradoxon: Eine Institution, die berufen ist, die Rechte des Verstorbenen und seiner Familie zu schützen, verschließt sich der Öffentlichkeit – während eine Person, gegen die Vorwürfe im Zusammenhang mit seinem Tod erhoben werden, frei über seine Diagnosen und Krankengeschichte spricht.
Das Berufsgeheimnis im ukrainischen Recht erstreckt sich nicht nur auf lebende Patienten. Das Informationsgesetz und die einschlägige medizinische Gesetzgebung halten klar fest: Informationen über den Gesundheitszustand, Diagnosen und Behandlung sind vertraulich, unabhängig davon, ob der Patient noch lebt oder nicht. Die Offenbarung ohne Zustimmung ist eine Verletzung, die eigenständige rechtliche Folgen haben kann.
Die Familie Kivan befand sich in einer Situation, in der das Gerichtsverfahren das Geheimnis abstrakt schützt – hinter geschlossenen Türen – während die tatsächlichen medizinischen Daten ihres Verwandten aus dem Mund des Angeklagten im öffentlichen Raum zirkulieren.
Das geschlossene Verfahren an sich ist ein legitimes Instrument. Doch es verliert seinen Sinn, wenn die Verteidigung eine eigene Informationskampagne mit denselben Daten führt, die das Gericht vor Offenbarung schützen will.
Wird das Gericht oder die Staatsanwaltschaft auf die öffentlichen Äußerungen des Angeklagten reagieren – und gibt es in der ukrainischen Verfahrenspraxis überhaupt einen Mechanismus, der dies ermöglicht?