Am 16. Juli billigte die Werchovna Rada die neue Zusammensetzung des Kabinetts und damit auch die Verordnung Nr. 963, die die Struktur der Zentralbehörden neu gestaltete. Sieben Ministerien änderten ihre Namen oder Funktionen. Doch zwei Entscheidungen stechen hervor — und jede hat ein konkretes numerisches Fundament.
250 Milliarden Gründe, das Landwirtschaftsministerium zurückzugeben
Vor einem Jahr, im Juli 2024, löste das Kabinett das Ministerium für Agrarpolitik auf und integrierte es in das neu gegründete Ministerium für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft. Nun wird diese Entscheidung rückgängig gemacht: Das Ministerium wird wiederhergestellt, und Taras Wysozkyj übernahm seine Leitung — derselbe Vizeminister, der im Juni auf der Londoner Konferenz des Internationalen Getreiderats auftrat und die Getreideziele für das Vermarktungsjahr 2025/26 ankündigte.
«Unsere Aufgabe ist es, mehr Wertschöpfung im Land zu schaffen. Wir haben bereits starke Beispiele: Sonnenblumenöl und Schrot, wo die Ukraine starke Positionen hält»
Taras Wysozkyj, Auftritt bei der IGC Grains Conference 2026, London, Juni 2025
Der Kontext ist wichtig: Nach Wysozkyjs Schätzung werden durch das wiederhergestellte Landwirtschaftsministerium etwa 250 Mrd. UAH pro Jahr verteilt — Finanzierung aus dem Staatshaushalt plus Mittel der Europäischen Kommission und anderer Geber. Die Konzentration solcher Finanzströme in einer Behörde ist ein Argument für Spezialisierung, birgt aber gleichzeitig Risiken: Kontrollbehörden für Ausgaben werden in der Verordnung Nr. 963 nicht erwähnt.
Parallel dazu wurde das Ministerium für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft in das Ministerium für Wirtschaft und Umwelt umbenannt und unter die Leitung von Oleksandr Kravchenko gestellt. Damit verschwindet «Landwirtschaft» aus dem Namen — zusammen mit dem entsprechenden Behördenblock.
4,6 Millionen Menschen und die erste Zeile auf dem Schild
Die zweite Entscheidung ist sowohl strukturell als auch symbolisch. Das Ministerium für Entwicklung von Gemeinden und Territorien wurde in zwei Ministerien aufgeteilt: Ministerium für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr (Mykola Kalashnik) und Ministerium für Angelegenheiten von Gemeinden, Territorien und Binnenvertriebenen, das der Abgeordnete der Werchovna Rada von «Diener des Volkes» Vitali Bezgin übernahm, ehemaliger Vorsitzender des zuständigen Ausschusses der Werchovna Rada.
Nach Angaben des Ministeriums für Sozialpolitik waren im Dezember 2025 in der Ukraine 4,62 Millionen Binnenvertriebene registriert — über 2,76 Millionen Frauen und 1,86 Millionen Männer sowie 837.000 Kinder. Bisher waren Fragen zu Vertriebenen zwischen dem Ministerium für Sozialpolitik, dem Ministerium für Reintegration und dem Ministerium für regionale Entwicklung verstreut. Jetzt gibt es zumindest formal eine zentrale Anlaufstelle.
Ein symbolisches Detail: Dies ist das erste Mal, dass die Abkürzung «BVP» (für Binnenvertriebene Personen) direkt im offiziellen Namen eines Ministeriums erscheint — mehr als drei Jahre nach Beginn der vollständigen Invasion.
Die Reorganisation betraf auch andere Behörden:
- Das Ministerium für Sozialpolitik integrierte das aufgelöste Ministerium für nationale Einheit und wurde in das Ministerium für Sozialpolitik, Familie und Einheit umbenannt.
- Das Ministerium für Bildung übernahm Andrij Butenko anstelle von Oksen Lisowy.
- Das Ministerium für Inneres — Ivan Vygivsky.
- Das Ministerium für digitale Transformation — Oksana Ferchuk, das Justizministerium — Denis Maslov.
Reorganisation oder Neustart?
Strukturelle Aufteilung ist eine notwendige, aber nicht ausreichende Bedingung. Das Landwirtschaftsministerium kehrte ohne einen klar definierten Kontrollmechanismus für den 250-Milliarden-Budget zurück. Das Ministerium für Angelegenheiten von Binnenvertriebenen erhielt einen Namen — hat aber bisher weder eine Strategie für die Integration von Vertriebenen noch Kriterien veröffentlicht, nach denen seine Arbeit gemessen wird. Die frühere Strategie zur Binnenverdränung bis 2024 verlor nach Aussage der Entwickler selbst nach dem 24. Februar 2022 ihre Aktualität und wurde nie vollständig ersetzt.
Wenn das Ministerium für Angelegenheiten von Gemeinden, Territorien und Binnenvertriebenen innerhalb von sechs Monaten keine aktualisierte Strategie mit messbaren Indikatoren verabschiedet, bleibt die Reorganisation hauptsächlich ein administratives Rebranding und keine Antwort auf die Bedürfnisse von 4,6 Millionen Menschen.