Stromausfälle, Hitze und Quallen: Warum Elektrizität in Europa stark teurer geworden ist

Europas Solarstromerzeugung verliert durch die Sonnenfinsternis am 12. August fast 10 Gigawatt, während französische Atomkraftwerke bereits seit Wochen mit Hitze und Quallen kämpfen — die Rechnung zahlt jeder Verbraucher.

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Сонячні панелі у в Іспанії (Фото: EPA / RAUL CARO)

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Franzose oder Deutscher und schauen sich im Hochsommer die Stromrechnung an. Der Preis pro Megawattstunde am Abend schnellt auf ein Niveau hoch, das man normalerweise nur im Winter sieht. Der Grund ist nicht eine, sondern drei Anomalien, die an einem Punkt zusammengekommen sind: eine Hitzewelle, eine totale Sonnenfinsternis und ein Jellyfish-Ansturm auf ein Atomkraftwerk.

Die Hitze, die ihre eigene Energie aufzehrt

Die Logik der Hitze ist grausam: Je heißer es ist, desto mehr Menschen schalten ihre Klimaanlagen ein, und desto weniger Strom kann erzeugt werden. Bloomberg berichtet, dass die Strompreise in Europa aufgrund einer neuen Hitzewelle weiterhin steil ansteigen, die die Kühlungsnachfrage erhöht und gleichzeitig die Stromerzeugung verringert.

Das aussagekräftigste Beispiel ist Frankreich, wo Atomkraft als Fundament des gesamten europäischen Energiesystems gilt. Aufgrund der Hitze und des Wassermangels in Flüssen waren französische Atomkraftwerke gezwungen, ihre Stromproduktion zu drosseln oder Reaktoren abzuschalten, da nicht genug Wasser zur Kühlung vorhanden war. Hinzu kam ein fast kurioses, aber teures Problem: Ein Jellyfish-Ansturm auf einem der Anlagen in dieser Woche kostete über 3 Gigawatt Kapazität.

Das Ergebnis sind Intraday-Preise in Frankreich und Deutschland von etwa 300 Euro pro Megawattstunde von 20:00 bis 21:00 Uhr Ortszeit, und den Prognosen zufolge werden sie am Donnerstag noch weiter ansteigen.

Am 12. August wird die Sonne für zwei Stunden „ausgeschaltet"

Zur Hitzewelle kommt eine astronomische Anomalie hinzu. Am 12. August wird eine totale Sonnenfinsternis West- und Nordeuropa überziehen – die totale Phase wird einen Teil Portugals, Nordspaniens, Islands und Grönlands durchqueren, und die besten Beobachtungsbedingungen werden in Spanien erwartet, wo das Ereignis mit dem Sonnenuntergang zusammenfällt.

Für das Energiesystem ist dies kein Spektakel, sondern ein Loch im Versorgungsplan. Nach der Prognose von Entso-e – dem Verbund der europäischen Stromnetzbetreiber – könnte die Stromerzeugung in Europa im Zeitraum von 19:15 bis 21:30 Uhr um etwa 9,7 Gigawatt sinken. Allein in Großbritannien könnte nach Angaben des nationalen Betreibers durch die Finsternis etwas mehr als 1 Gigawatt Solarstromerzeugung verloren gehen.

9,7 GW entsprechen ungefähr dem Verbrauch mehrerer Millionen europäischer Haushalte gleichzeitig. Wenn sich in dieses Loch im Versorgungsplan die abendliche Nachfragespitze nach einem heißen Tag überlagert, könnten die Preise zum Zeitpunkt der Finsternis sogar die derzeitigen Rekorde brechen.

Der ukrainische Kontrast: Wenn es zu viel Sonne gibt

Während Europa die verlorenen Gigawatt zählt, ist das Problem in der Ukraine manchmal das Gegenteil. Der Systemoperator Ukrenergо war an einzelnen Tagen gezwungen, die Solarstromerzeugung um bis zu 2000 MW zu begrenzen, berichtete der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Vitaly Zaichenko.

Diesen Überschuss auszugleichen helfen Industriespeicher: Derzeit sind in der Ukraine etwa 500 MW Speicherkapazität installiert, und bis Ende des Jahres könnten es bereits 1000 MW sein.

Der europäische Fall zeigt die Kehrseite derselben Medaille: Ein System, das zu stark von Wetterbedingungen abhängig ist – sei es Sonne oder Flusswasser zur Kühlung von Atomkraftwerken – wird anfällig für jede Anomalie, sei sie natürlich oder astronomisch. Die Frage für die kommenden Jahre für alle, einschließlich der Ukraine, lautet: Wird die Entwicklung von Speichern und Reservekapazitäten den Tempo folgen können, mit dem Klima und natürliche Zyklen Energiesysteme genau dann fragil machen, wenn die Nachfrage am höchsten ist?

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