Was passiert ist
Die estnische Bankengruppe Iute Group hat Pläne angekündigt, in den ukrainischen Markt einzutreten, indem sie eine neue Digitalbank auf Basis der insolventen RVS Bank gründet. Der Presseabteilung der Gruppe zufolge rechnet das Unternehmen damit, bis Ende Januar die Genehmigung der Nationalbank der Ukraine für den Erwerb des anstelle der RVS Bank gegründeten PrJSC „Übergangsbank 'Iute Bank'“ zu erhalten. Die neue Bank wird unter der Marke IuteBank operieren.
„Der Abschluss dieses Geschäfts ermöglicht es uns, in den ukrainischen Markt einzutreten und der Gruppe die erste vollständig digitale Bank hinzuzufügen, die unter unserer Marke arbeitet und kein 'Erbe' früherer Systeme oder Praktiken mit sich bringt. IuteBank wird von Grund auf neu aufgebaut: wir erwerben eine Übergangsstruktur mit Banklizenz, sorgfältig ausgewählten Aktiva und entsprechenden Einlagenverpflichtungen, die von RWS Bank stammen“
— Tarmo Sild, CEO der Iute Group
Details des Deals und finanzieller Rahmen
Iute spricht von einer kleinen Anfangsbilanz der Bank — bis zu 10 Millionen Euro. Gleichzeitig hat die Gruppe eine interne Investitionsschwelle für die Ukraine von 15 Millionen Euro festgelegt, bis bestimmte Ertrags- und Rentabilitätskennzahlen erreicht sind und bis der Krieg beendet ist. Das Unternehmen prognostiziert, dass der erwartete Nettoverlust der Bank im Jahr 2026 3 Millionen Euro nicht übersteigen wird.
Personal und operative Strategie
IuteBank wird vom ukrainischen Banker Artur Muravytskyj geleitet, der über mehr als 22 Jahre Erfahrung im Finanzsektor verfügt (ehemaliger stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TAScombank und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Finance Bank). Seinen Angaben zufolge soll das erste Jahr dem Start der digitalen App und der Schlüsselprodukte gewidmet werden, danach die Skalierung.
„Im ersten Jahr liegt der Fokus auf dem Start der digitalen App und der Schlüssel-Finanzprodukte mit dem Beginn der Kundengewinnung. Die nächste Phase konzentriert sich auf die Skalierung des Geschäfts – Wachstum der Volumina und Ausbau des Produktangebots“
— Artur Muravytskyj, künftiger Leiter von IuteBank
Kontext: Was mit der RVS Bank geschah
Die RVS Bank, 2015 auf Basis der insolventen Omega Bank gegründet, wurde von der Gruppe UBG kontrolliert, die mit dem ehemaligen Abgeordneten Ruslan Demchak verbunden ist. Anfang 2025 gehörten 99 % der Aktien Oleksandr Stetsiuk, 1 % der Tochter von Demchak, Kateryna. Der Marktanteil der RVS Bank war minimal — etwa 0,04 %.
Laut den Finanzberichten verzeichnete das Institut in den ersten neun Monaten 2025 einen Verlust von über 200 Mio. UAH, das Eigenkapital halbierte sich nahezu, und die Aktiva fielen von 4,51 Mrd. auf 1,51 Mrd. UAH. Die Probleme traten Ende 2024 zutage, als die Bank schnell ihre Kredit- und Einlagenportfolios verlor.
Was das für den Markt und die Bürger bedeutet
Erstens ist das Eintreten eines ausländischen Investors in das Segment des digitalen Bankings ein Vertrauensbeweis in das Potenzial des ukrainischen Finanzmarktes, selbst unter Kriegsbedingungen. Zweitens ermöglicht das Modell des Starts über eine Übergangsstruktur mit Lizenz, das „Erbe“ problematischer Aktiva zu vermeiden und mit einer sauberen Bilanz zu beginnen, begrenzt aber auch das Ausmaß der anfänglichen Expansion — bis zu 10 Mio. Euro Startkapital stellen keine unmittelbare Bedrohung für das System dar, werden aber die Marktstruktur über weite Zeiträume nicht grundlegend verändern.
Analysten weisen darauf hin: Dieser schrittweise Ansatz ist ein Indikator für eine vorsichtige Investorenstrategie, doch der Erfolg wird von der Geschwindigkeit der Genehmigung durch die NBU, der Qualität der übertragenen Aktiva und der Fähigkeit des neuen Teams abhängen, im wettbewerbsintensiven digitalen Raum Kunden zu gewinnen.
Risiken und Fragen
Die Hauptrisiken: mögliche versteckte notleidende Kredite im Übergangsportfolio, verzögertes Kundenvertrauen in die Marke sowie geopolitische und makroökonomische Faktoren, die die Investorenpläne beeinflussen. Regulatorische Prüfungen und transparente Bedingungen für die Übertragung von Aktiva bleiben Schlüsselfaktoren für die Sicherheit der Einleger und des Systems insgesamt.
Fazit
Der Start von IuteBank ist überwiegend ein pragmatischer Schritt eines Investors, der den ukrainischen Markt selbst unter schwierigen Umständen für vielversprechend hält. Für die Gesellschaft ist es ein Signal: Ausländisches Kapital ist bereit, in die Digitalisierung der Finanzdienstleistungen zu investieren, doch der Erfolg wird von der Aufsicht, der Qualität des Managements und der realen Marktnachfrage abhängen. Ob Iute den kleinen Start in einen nachhaltigen Erfolg verwandeln kann, bleibt eine Frage für die nächsten 12–24 Monate.