Was Peking angekündigt hat
Staatliche chinesische Medien berichteten: Ab dem 1. Mai 2026 hebt China die Einfuhrzölle für nahezu den gesamten afrikanischen Kontinent auf – ausgenommen ist nur Eswatini, das diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhält. Zuvor galt die Nulltarif-Regelung für 33 afrikanische Länder; nun wird sie, so Peking, praktisch auf den gesamten Kontinent ausgeweitet. Das Handelsvolumen zwischen der Volksrepublik China und Afrika betrug Anfang 2025 etwa rund 222 Mrd. US-Dollar.
„Das Abkommen über Nullzölle wird neue Möglichkeiten für die Entwicklung Afrikas eröffnen“
— Xi Jinping, Präsident der VR China (laut chinesischen Staatsmedien)
Warum das wichtig ist
Diese Entscheidung betrifft nicht nur billigere Waren. Sie wirkt als wirtschaftliches geopolitisches Instrument: Indem Peking Barrieren senkt, stärkt es Handels- und Investitionsbeziehungen, festigt seinen Einfluss in der Region und bietet afrikanischen Ländern eine Alternative zu westlichen Kooperationsbedingungen. Ein solcher Schritt verstärkt die Logik von Initiativen wie der »Belt and Road«-Initiative (Neue Seidenstraße) und erhöht die Attraktivität Chinas als Partner für große Infrastrukturprojekte.
In diesem Zusammenhang ist erinnerungswürdig: Analysten, unter anderem vom Kieler Institut für Weltwirtschaft, betonen, dass Handelsbeschränkungen in Form hoher Zölle (beispielsweise Teile der Politik der früheren US-Administration) komplexe Verteilungseffekte haben – ein Teil der Last fällt auf Konsumenten und Importeure. Vor diesem Hintergrund wirkt Pekings zollfreier Modus wie ein Instrument, das die Spielregeln auf regionalen Märkten verändert.
Folgen für die Ukraine
Der direkte Effekt für die Ukraine hängt von der Warenstruktur der Nachfrage in jedem afrikanischen Land ab. Drei zentrale Richtungen sind zu unterscheiden:
1) Konkurrenz auf den Agrarmärkten. Chinas Politik kann afrikanischen Verbrauchern besseren Zugang zu billigeren Gütern und Zwischenerzeugnissen verschaffen, was den Wettbewerbsdruck auf Exportpositionen Dritter erhöht. Für den ukrainischen Agrarexport bedeutet das eine notwendige Strategieverlagerung – statt allein über den Preis zu konkurrieren, müssen Qualität, Logistik und bilaterale Abkommen in den Vordergrund rücken.
2) Investitionen und Infrastruktur. Zunehmende chinesische Investitionen in Häfen, Straßen und Logistik erschweren den Zugang europäischer und ukrainischer Waren zu den Märkten der Region, sofern keine partnerschaftlichen Projekte etabliert werden. Gleichzeitig entstehen Chancen für ukrainische Firmen in Bereichen wie Technologie, IT-Dienstleistungen und ziviler-militärischer Kooperation, sofern Kiew wettbewerbsfähige Lösungen aktiver anbietet.
3) Politische Einflussgeographie. Peking stärkt seine Beziehungen in Afrika zu einem Zeitpunkt, an dem sich einige Hauptstädte vom traditionellen westlichen Einfluss entfernen. Für die Ukraine ist das ein Signal: Diplomatie muss Hand in Hand mit Exportpolitik arbeiten – Handelsmissionen, Präferenzabkommen und Unterstützung von Logistikketten sind nötig, um potenzielle Märkte nicht zu verlieren.
Kurzfazit
Die Ausweitung der Nulltarife durch China ist ein strategischer Schritt mit ökonomischen und politischen Folgen. Er eröffnet Chancen für afrikanische Volkswirtschaften, verändert aber zugleich das Wettbewerbsgefälle auf den Weltmärkten. Für die Ukraine bedeutet das vor allem eine Anpassungsaufgabe: Diversifizierung der Märkte, Qualitätssteigerung der Produkte, aktive Diplomatie und Arbeit an der Logistik – das sind die praktischen Antworten auf die neuen Spielregeln. Jetzt liegt es an unseren Partnern: Werden sie Kooperationsbekundungen in reale Verträge und Routen für ukrainische Waren umsetzen?