Europaparlament deaktiviert integrierte KI auf Dienstgeräten der Abgeordneten – Schritt wegen Cyber‑Sicherheitsrisiken

Das Europäische Parlament hat KI‑Assistenten auf den Tablets und Smartphones der Abgeordneten deaktiviert, nachdem der IT‑Dienst festgestellt hatte, dass er die Datensicherheit nicht garantieren kann. Was das für Demokratie, Cyberstrategie und für die Ukraine ändert — kurz und prägnant.

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Фото: CHRISTOPHE PETIT TESSON/ EPA

Europaparlament schaltet integrierte KI‑Funktionen auf Dienstgeräten ab

Politico berichtete über eine interne E‑Mail an Abgeordnete: Die IT‑Abteilung des Europaparlaments hat die integrierten KI‑Funktionen auf den dienstlichen Tablets und Telefonen deaktiviert und die Entscheidung damit begründet, dass sich die Datensicherheit dieser Werkzeuge nicht garantieren lasse. Das betrifft nicht E‑Mail, Kalender und Dokumente, wohl aber Schreib‑ und Zusammenfassungsassistenten sowie andere automatisierte Dienste auf mobilen Geräten.

Was genau getan wurde

Die Institution hat die integrierten Assistenten und Tools zur automatischen Zusammenfassung auf den Tablets und Telefonen der Abgeordneten und ihrer Mitarbeitenden abgeschaltet. In der E‑Mail wurde außerdem vorgeschlagen, ähnliche Vorsichtsmaßnahmen für private Geräte zu prüfen, die für dienstliche Aufgaben genutzt werden. Konkrete Funktionsnamen und Betriebssysteme wurden wegen der „Sensibilität“ von Cybersecurity‑Fragen nicht offengelegt.

„Wir überwachen Cyberbedrohungen kontinuierlich und setzen zeitnah Maßnahmen zu ihrer Verhinderung um“

— Pressestelle des Europaparlaments

Warum das wichtig ist

Die Entscheidung ist kein Ausdruck von Technophobie, sondern eine Reaktion auf die Realität des Datenschutzes. In den vergangenen Jahren hat die EU die Sicherheitsregeln verschärft: von Empfehlungen, TikTok 2023 zu entfernen, bis hin zu Aufforderungen 2025, auf bestimmte Software zugunsten europäischer Alternativen zu verzichten. Im März verabschiedete das Europaparlament einige der weltweit ersten Gesetze zur Regulierung von KI — und wendet deren Logik nun schnell an, wenn es um Verwundbarkeiten der Infrastruktur geht.

Was Experten sagen

Cybersecurity‑Analysten weisen darauf hin, dass integrierte KI‑Assistenten Fragmente von Arbeitsdaten an externe Dienste zur Verarbeitung senden können, was das Risiko von Informationslecks oder der Nutzung durch Dritte schafft. Solche Risiken sind besonders kritisch für gesetzgebende Institutionen, in denen Strategien, legislative Initiativen und vertrauliche Kommunikation gehandhabt werden.

Was das für die Ukraine bedeutet

Für uns ist die Botschaft zweifach. Erstens: Digitale Sicherheit ist eine Frage der nationalen Sicherheit. Zweitens zeigt die EU einen praxisorientierten Ansatz — nicht nur Deklarationen zum Datenschutz, sondern konkrete operative Entscheidungen. Ukrainische Behörden, das Parlament und Partner sollten diese Erfahrungen bei der Ausarbeitung eigener Richtlinien zur Nutzung von KI auf Dienstgeräten berücksichtigen.

Kurze praktische Checkliste

- Den Zugang von KI‑Diensten zu dienstlicher E‑Mail und Dokumenten einschränken. - Trennung von Arbeits‑ und Privatgeräten durchsetzen. - Anbieter prüfen und transparente Bedingungen der Datenverarbeitung verlangen. - Die Cyberhygiene bei Beschäftigten und Abgeordneten verbessern.

Fazit

Die Entscheidung des Europaparlaments ist kein Showeffekt, sondern ein pragmatischer Schritt zur Minimierung von Risiken. Sie ist Teil eines breiteren Trends: Gesetzgeber in der EU bewegen sich von Papierregeln hin zu operativer Sicherheit im täglichen Geschäft. Für die Ukraine ist es wichtig, solche Signale nicht nur zu beobachten, sondern sie in eigene Arbeitsprozesse zu übersetzen, damit digitale Verwundbarkeiten nicht zur Schwachstelle von Sicherheit und Demokratie werden.

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