Russland ist zunehmend auf ausländische Söldner angewiesen – Großbritannien: Was bedeutet das für die Front?

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz berichtete der britische Verteidigungsminister John Healey in einem Interview mit Bloomberg über rund 17.000 nordkoreanische Soldaten auf der Seite Russlands. Das sei ein Signal für eine Personalkrise im Kreml und eröffne der Ukraine neue taktische Möglichkeiten (und Risiken).

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Джон Гілі (Фото: Thomas Traasdahl/EPA)

Kurz — was passiert ist

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz erklärte der britische Verteidigungsminister Джон Гілі in einem Interview mit Bloomberg, dass sich die russische Armee aufgrund hoher Verluste zunehmend auf ausländische Kämpfer und Söldner verlasse. Seiner Einschätzung nach nehmen an den Kämpfen auf Seiten Russlands etwa 17.000 nordkoreanische Militärangehörige teil.

Quellen und Kontext

Diese Einschätzung äußerte Гілі vor dem Hintergrund von NATO-Daten, die hohe Verluste in russischen Einheiten dokumentieren und bereits den dritten Monat in Folge ansteigen. Das ukrainische Kommando weist ebenfalls auf die Intensität der Kämpfe hin: Am 30. Dezember stellte General Сергій Сирський fest, dass das Verhältnis der Verluste erheblich bleibe — dies beziehe sich auf die Intensität der Schläge gegen den Gegner und nicht auf einen „Erfolg“ in langfristiger Perspektive.

Wer diese Personen sind und wie sie rekrutiert werden

Laut Гілі werden viele dieser Kämpfer durch Täuschung oder unter Druck rekrutiert — insbesondere in Ländern Südasien, Afrikas und Lateinamerikas. Russland nutzt private Militärunternehmen, Verträge und Zwang, um Personaldefizite zu füllen, was auf ein systemisches Problem mit den Mobilisierungsressourcen des Kremls hinweist.

"Sie werden oft durch Täuschung rekrutiert und mit Gewalt unter Druck gelockt, wobei sie sich nicht unbedingt bewusst sind, dass sie für den russischen 'Fleischwolf' an der Frontlinie in der Ukraine vorgesehen sind"

— Джон Гілі, britischer Verteidigungsminister

Folgen für die Front und die Sicherheit

Der Einsatz ausländischer Söldner hat eine Reihe negativer Folgen für die russische Operation selbst: nachlassende Gefechtsdisziplin, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Kriegsverbrechen sowie erschwerte Logistik und Aufklärung. Für die Ukraine ist das nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine Chance: Bedingungen für lokale Operationen zu diktieren und Gegenspionage- sowie Informationsmaßnahmen gegen Rekrutierungs- und Versorgungskanäle zu verstärken.

Was die Ukraine und ihre Partner tun sollten

Erstens: den Fokus auf die systematische Erschöpfung der Ressourcen des Gegners fortsetzen — Angriffe auf Nachschublinien, Aufdeckung von Rekrutierungsschemata und rechtliche Maßnahmen gegen private Militärunternehmen und Netzwerke. Zweitens: den Austausch von nachrichtendienstlichen Informationen mit Partnern intensivieren, um Einsätze von Söldnern zu lokalisieren und zu neutralisieren. Und schließlich: Verstöße dokumentieren — das ist ein wichtiger Teil des strategischen Drucks auf den Kreml in künftigen internationalen Verfahren.

Fazit

Die Einschätzung von Minister Гілі ist ein weiterer Indikator für die Personal— bzw. Führungskriese des Kremls. Das eröffnet operative Fenster für die Ukraine, doch aus diesem Signal eine nachhaltige Überlegenheit zu machen, ist nur durch konsequente Arbeit an der Front, im Hinterland und auf diplomatischer Ebene möglich.

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