Was beschlossen wurde
Am 24. Februar stimmte die Werchowna Rada (mit 230 Stimmen) für Änderungen an der Primärbuchführung durch den Gesetzentwurf Nr. 14023. Kern: die Pflicht zur zweiten Unterschrift wird aufgehoben bei Leistungsnachweisen über ausgeführte Arbeiten (erbrachte Dienstleistungen), sofern im Vertrag nichts anderes vorgesehen ist, und Geschäftsvorfälle werden in der Buchführung in dem Zeitraum erfasst, in dem sie ausgeführt werden.
Warum das für Unternehmen wichtig ist
Kleine und mittlere Unternehmen erhalten einen vereinfachten Dokumentenfluss: weniger Papier, weniger zusätzliche Buchhalter und schnellere Abwicklung von gegenseitigen Abrechnungen. Nach Schätzung von CASE Ukraine (Preise 2021) kann der Verzicht auf verpflichtende Leistungsnachweise Einsparungen von bis zu 34 Mrd. UAH pro Jahr bringen (etwa 0,6 % des BIP jener Periode). Eine Umfrage von InfoSapience zeigt, dass 74,1 % der Unternehmer eine solche Initiative unterstützen.
"Es ist nur eine Regel, aber sie fiel uns sehr schwer. Das Finanzministerium ist von diesem Gesetzentwurf nicht begeistert, auch der Staatliche Steuerdienst ist nicht begeistert. Aber die Unternehmen bestehen darauf und bitten um Unterstützung. Denn wenn ein Unternehmen in seinen Beziehungen mit anderen entscheidet, dass es keine zwei Unterschriften benötigt... dann ist das sein Recht"
— Danilo Hetmantsev, Vorsitzender des Finanzausschusses der Werchowna Rada
Wo die Kontrolle erhalten bleibt
Die Änderungen sind keine vollständige Lockerung der Kontrolle: die Regel gilt nicht für Transaktionen, die mit öffentlichen Mitteln bezahlt werden, Mietverträge für staatliches oder kommunales Eigentum, Bauaufträge, Spenden und humanitäre Hilfe. Das bedeutet: Haushalts- und Hochrisikobereiche bleiben unter Kontrolle, Unternehmen erhalten Erleichterungen dort, wo es sicher ist.
Risiken und Argumente der Gegner
Das Finanzministerium und der Staatliche Steuerdienst haben Bedenken hinsichtlich potenzieller Risiken für die fiskalische Kontrolle und für Missbrauch geäußert. Die praktische Wirkung hängt davon ab, wie genau interne Verfahren geändert werden, wie Verträge angepasst werden und wie die Erfassung der Geschäftsvorfälle im Zeitraum ihrer Durchführung kontrolliert wird.
Wie es weitergeht
Die Entscheidung ist ein Schritt zur Deregulierung im Interesse der Wirtschaft und eine der wenigen Reformen, die die Betriebskosten von Unternehmen in der Krise direkt senkt. Gleichzeitig wird die Wirksamkeit der Maßnahme nicht an den Stimmen im Plenarsaal gemessen, sondern an realen Veränderungen in der Buchhaltung, an Sanktionen bei Missbrauch und an der Transparenz von Verträgen. Ob diese Ersparnis zu einem spürbaren Anreiz für die ukrainische Wirtschaft wird — hängt von der praktischen Umsetzung und Kontrolle ab.
Quellen: Gesetzestext Nr. 14023, Kommentare des Vorsitzenden des Finanzausschusses, Untersuchungen von CASE Ukraine, Umfrage von InfoSapience.