Was die Umfrage ergab
Zu Beginn des Jahres 2026 sind die Stimmungen der Wirtschaft in der Ukraine zurückhaltender als vor einem Jahr — das ist die wichtigste Erkenntnis der jährlichen Umfrage der Europäischen Business Association (EBA) unter 131 Topmanagern von Mitgliedsunternehmen, die vom 3. bis 17. Februar 2026 durchgeführt wurde.
Der Anteil derjenigen, die die Lage positiv bewerten, sank von 40% auf 32%, negative Bewertungen nahmen zu — von 14% auf 23%. Auch die Prognosen für 2026 wurden pessimistischer: 39% erwarten eine Verschlechterung (29% ein Jahr zuvor), und diejenigen, die an eine Verbesserung glauben, sind von 32% auf 20% gesunken.
Warum das so ist
Die Unternehmen nennen als Hauptgrund für die Verschlechterung Angriffe auf das Energiesystem (82%), gefolgt von Fachkräftemangel (78%) sowie Krieg und Territorialbesetzung (66%). Ein wichtiges Signal: Vor einem Jahr standen Angriffe auf die Energieinfrastruktur noch auf dem vierten Platz — inzwischen ist dies ein systemisches Risiko, das Planung, Investitionen und Logistik beeinflusst.
"In diesem Jahr sehen wir zurückhaltendere Bewertungen und Prognosen, die eine verständliche Reaktion auf anhaltende sicherheits-, energie- und wirtschaftliche Herausforderungen darstellen"
— Anna Derevyanko, geschäftsführende Direktorin der EBA
Finanzbild: Risiken und Reserven
Die Verluste der Unternehmen sind gestiegen: 20% der Firmen berichteten von Verlusten von über 10 Mio. $ (2025 — 16%). Gleichzeitig verfügen 67% der Befragten über finanzielle Reserven für ein Jahr oder länger, was auf die allgemeine Zahlungsfähigkeit der Mehrheit der Akteure hinweist.
Die Widerstandsfähigkeit bestätigt sich auch in den Absichten: 76% der Unternehmen planen, weiterhin in der Ukraine tätig zu sein, unabhängig vom Verlauf der Kampfhandlungen; nur 10% ziehen eine Überprüfung ihrer Präsenz bei einer Verlängerung des Krieges in Betracht. Gleichzeitig erwarten 47% kein Ende der Kampfhandlungen im Jahr 2026.
Kontext: Wer befragt wurde und was noch wichtig ist
In der Stichprobe befinden sich 131 Topmanager: 61% vertreten Unternehmen mit ausländischem Kapital, 39% mit ukrainischem; nach Unternehmensgröße — 41% mittelgroß, 37% groß, 22% klein. Separat: Im Jahr 2025 wurden in der Ukraine 780 Unternehmen in ein Insolvenzverfahren überführt, das größte von ihnen hatte einen Umsatz von 7,7 Mrd. UAH.
Was das für das Land bedeutet
Die Zahlen sagen gleichzeitig zwei Dinge. Erstens beeinflussen Sicherheitsrisiken — insbesondere Angriffe auf das Energiesystem — unmittelbar die Unternehmensplanung und mindern die Investitionsbereitschaft. Zweitens bewahren die meisten Unternehmen Ressourcen und die Absicht, in der Ukraine zu arbeiten, was ein Indikator für Vertrauen und eine potenzielle Basis für die Erholung nach einer Deeskalation der Risiken ist.
Fazit
Die Situation lässt sich als Balance zwischen erhöhten Risiken und mäßiger Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft beschreiben. Nun liegt die Frage bei der Politik und den Partnern: Werden sie diese Reserven in Investitionen und geschützte Infrastrukturmaßnahmen verwandeln? Davon wird abhängen, wie schnell die ukrainische Wirtschaft vom Überleben zu nachhaltigem Wachstum übergehen kann.