In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern stille Absprachen
Letzte Woche hat Südafrika offiziell vier seiner Staatsangehörigen nach Hause zurückgebracht, die, nach Angaben des Büros von Präsident Cyril Ramaphosa, durch Betrug dazu gebracht worden seien, auf der Seite Russlands gegen die Ukraine zu kämpfen. Das ist nicht nur eine Geschichte über einzelne Tragödien — dahinter steht ein ausgeklügeltes Anwerbesystem mit internationalen Folgen.
Was bekannt ist
Laut einer Erklärung des Präsidenten sollen insgesamt 17 Personen zurückgeholt werden: das „Notsignal“ sei bereits im November 2025 gemeldet worden. 11 von ihnen warten darauf, in den nächsten Tagen nach Hause geschickt zu werden; zwei bleiben in Russland — einer ist hospitalisiert, der andere durchläuft die Formalitäten zur Dokumentenausstellung. Die Verhandlungen über die Freilassung begannen im Dezember 2025 nach Anfragen der Familien.
Die Angehörigen der Betroffenen sagen, die Männer seien mithilfe von Duduzile Zuma‑Sambudla — der Tochter des ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma — angeworben worden: statt der versprochenen Ausbildung als Personenschützer seien sie zur Unterzeichnung militärischer Verträge gezwungen worden. Gleichzeitig erinnert Südafrika daran, dass die Teilnahme an Kampfhandlungen auf Seiten fremder Streitkräfte bereits seit 1998 eine Straftat ist, und gegen die Verdächtigen der Anwerbung läuft eine Untersuchung.
"Wir haben die Rückkehr unserer Staatsangehörigen erreicht und arbeiten weiterhin daran, dass diejenigen, die von diesem System betroffen sind, in Sicherheit sind und Unterstützung erhalten."
— Büro des Präsidenten Cyril Ramaphosa
Wie es funktioniert: Mechanik der Anwerbung
Laut Bloomberg (Januar 2026) nutzt Russland Internet‑Plattformen, insbesondere Gaming‑Communities, um verletzliche junge Menschen zu finden. Das Muster wiederholt sich: attraktives Job‑ oder Ausbildungsangebot → Auslandsreise → Druck und Unterzeichnung eines Vertrags mit militärischem Anteil. In den von Medien berichteten Fällen zielt der letzte Schritt nicht nur auf Personalaufstockung, sondern auch auf politischen und informationellen Gewinn.
Warum das für die Ukraine und Partner wichtig ist
Erstens ist es eine Sicherheitsfrage: die Anwerbung von Ausländern ermöglicht dem Aggressor, Personalprobleme teilweise zu lösen und politische Verantwortungsrisiken zu reduzieren. Zweitens ist es ein Reputationsschaden und ein Risiko für afrikanische Länder — Familien und Gesellschaft fordern Antworten und Schutz für ihre Staatsangehörigen. Drittens stärken solche Fälle die Argumente der Ukraine in ihren Appellen an die internationale Gemeinschaft bezüglich des Ausmaßes der russischen Anwerbeprogramme.
Die Expertengemeinde weist darauf hin: umfangreiche Anwerbenetze (Bloomberg und andere Medien berichteten von Hunderten Rekrutierten in verschiedenen Ländern — Indien, Kenia und Südafrika) zeigen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um Teil einer systematischen Strategie. Während afrikanische Regierungen und internationale Partner reagieren, ist es wichtig, dass die Reaktion nicht rein deklarativ bleibt: es werden Mechanismen zur Prävention, zur schnellen Rückführung der Betroffenen und zur Verfolgung der Organisatoren benötigt.
Kurzfazit
Diese Geschichte handelt von Familien, aber auch von geopolitischer Praxis. Die Ukraine und ihre Partner sollten diese Fälle als Beweis systematischen Handelns dokumentieren und von Moskau transparente Ermittlungen und Rechenschaft fordern. Und die afrikanischen Staaten sollten die Information ihrer Bürgerinnen und Bürger sowie die zwischenstaatliche Koordination verstärken, um neue Tragödien zu verhindern.
Offene Frage: Wird sich dieser Einzelfall zu einer internationalen Koalition gegen transnationales Anwerben auswachsen — und wird der politische Wille der Partner ausreichen, um Erklärungen in konkrete Schritte umzusetzen?