Revolut verhandelt über den Kauf des türkischen FUPS — strategischer Schachzug nach dem Ausstieg aus der Ukraine

Der Fintech-Gigant, der die Schließung der Konten ukrainischer Kunden angekündigt hat, erwägt die Türkei als neue Plattform. Warum das für den ukrainischen Markt und die Kunden wichtig ist — kurz und mit Fakten.

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Über den Deal

Laut Bloomberg verhandelt Revolut über den Erwerb der türkischen Digitalbank FUPS. Quellen des Blatts, die mit dem Stand der Gespräche vertraut sind, fügen hinzu, dass noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen wurden und der Deal die Zustimmung der türkischen Aufsichtsbehörde BDDK erfordern wird.

FUPS erhielt 2022 eine Lizenz mit einem Stammkapital von 1,5 Milliarden Lira (etwa 81 Mio. US‑Dollar zu jener Zeit) und positioniert sich als Digitalbank mit Schwerpunkt auf Fintech‑Dienstleistungen. Revolut verweigert auf Anfragen von Journalisten eine Stellungnahme.

„Das Unternehmen kommentiert keine Marktgerüchte oder Spekulationen.“

— ein Sprecher von Revolut

Warum die Türkei

Die Logik des Schrittes ist klar: Die Türkei ist ein großer und digital versierter Markt, in dem der Wettbewerb zwischen Banken und Fintechs hoch ist, viele Produkte aber noch an Filialen gebunden sind. Wie ein Experte von Bloomberg Intelligence anmerkt, gibt dies Revolut die Chance, Dienstleistungen schneller über eine bereits vorhandene lizenzierte Infrastruktur zu skalieren.

„Ein möglicher Markteintritt von Revolut in die Türkei ergibt strategisch Sinn, da er die Konkurrenz auf einem Markt verschärft, auf dem bestehende Anbieter zwar digitale Erfahrung haben, aber weiterhin auf Filialnetze angewiesen sind.“

— Tomas Nietzel, Senior‑Branchenanalyst bei Bloomberg Intelligence

Was das für die Ukraine bedeutet

Revolut zählt rund 70 Millionen Nutzer und erhielt im November eine Bewertung von 75 Milliarden US‑Dollar. Gleichzeitig teilte das Unternehmen mit, dass es gezwungen sei, die Konten ukrainischer Kunden ab dem 22. Februar 2026 zu schließen. Für die Ukrainer bedeutet das den Verlust eines der beliebten digitalen Werkzeuge; für den Markt ist es ein Signal, dass ausländische Akteure ihre Präsenz unter dem Druck regulatorischer, operativer oder strategischer Erwägungen neu ausrichten können.

Die Nationalbank der Ukraine betonte, dass das Land für ausländische Finanzakteure offen sei, stellte aber fest, dass der Rückzug großer Plattformen die Risiken einer Abhängigkeit von ausländischen technologischen Lösungen hervorhebe und zusätzlichen Raum für die Entwicklung lokaler Produkte und Dienstleistungen biete.

Kurzes Fazit

Die Verhandlungen von Revolut über den Kauf von FUPS sind weniger eine emotionale als vielmehr eine pragmatische Verlagerung der Wachstumsgeographie. Für die Ukraine bedeuten sie nicht nur den Verlust von Kunden, sondern auch eine Chance: Ein Vakuum könnte die Entwicklung nationaler Fintech‑Spieler und Innovationen im Bankensektor beschleunigen. Die Frage ist vielmehr, ob ukrainische Unternehmen und die Aufsicht dieses Fenster der Gelegenheit nutzen können.

Haben wir genug Tempo und Ressourcen, um den Rückzug eines internationalen Anbieters in einen langfristigen Vorteil für die Verbraucher zu verwandeln?

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