Die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft hat beim Obersten Antikorruptionsgericht eine Anklageschrift gegen Igor Kolomojskij eingereicht. Dies betrifft den Fall des NABU zur PrivatBank. Das Büro selbst berichtet darüber.
Dies ist bereits die vierte Episode in einem umfassenden Fall über die Aneignung von PrivatBank-Mitteln – aber die erste, in der Kolomojskij selbst als Beschuldigter genannt wird, nicht mittlere Führungskräfte.
Wessen Vorwürfe
Nach Version der Ermittler zwang Kolomojskij, damals Leiter der Dnipropetrowsker Gebietsadministration, die PrivatBank von Januar bis März 2015, über 9,2 Milliarden Hrywnja an ein kontrollertes Offshore-Unternehmen auszuzahlen. Formal sah dies wie ein Rückkauf eigener Bankanleihen aus – aber zu überhöhtem Preis, was die Mittelabführung ermöglichte.
Ein Teil der Summe – über 446 Millionen Hrywnja – wurde über eine Kette von fünf verbundenen juristischen Personen unter dem Deckmantel von Wertpapiergeschäften legalisiert, und dann landeten die Mittel auf dem persönlichen Konto des Begünstigten. Bemerkenswert ist, dass er dieses Geld später in das Statut-Kapital der PrivatBank einzahlte – um die Anforderung der Nationalbank zur Rekapitalisierung formal zu erfüllen.
Kolomojskij wird verdächtigt, gegen drei Artikel des Strafgesetzbuchs verstoßen zu haben: 191 (Unterschlagung), 209 (Geldwäsche) und 366 (amtliche Fälschung). Neben ihm erhielten Anklage auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende der PrivatBank Alexander Dubilét und vier weniger bekannte Bankmanager.
Eine Person, mehrere Ermittlungsfronten
Igor Kolomojskij sitzt bereits in U-Haft wegen eines anderen Falls – wegen Organisierung eines Auftragsmordes, dessen Verdacht die Nationale Polizei im Mai 2024 angekündigt hatte. Genau dieses Verfahren hält ihn bereits seit über einem Jahr in Haft.
Parallel läuft eine Ermittlung des Büros für Wirtschaftssicherheit, die 2024 abgeschlossen wurde: Dort wird ihm vorgeworfen, Geld fiktiv in die Bankenkasse eingezahlt zu haben. Und im Mai 2026 kündigte der SBU die Aufdeckung eines weiteren Systems an – betrügerische Aneignung von über 100 Millionen Hrywnja der PrivatBank-Mittel.
Das heißt, der NABU-Fall ist nicht der einzige und nicht mal der größte nach Summe unter denen, die gegen Kolomojskij laufen, aber er betrifft die systematischste Episode: die Rekapitalisierung der Bank vor ihrem Übergang unter staatliche Kontrolle 2016.
Die Ermittlungen besagen faktisch, dass das Geld, das der Staat später als „Loch" im Kapital der PrivatBank anerkannte, zunächst von dort abgezogen wurde – und nur ein Teil kehrte zurück, um die formale Anforderung des Regulators zu erfüllen.
Der Fall geht nun in die Gerichtsphase über, wo die Staatsanwaltschaft nicht einen Verdacht, sondern eine Schuld nachweisen muss – mit Dokumenten, Zeugen und zeitlichen Abläufen über zehn Jahre. Die offene Frage bleibt: Wird es gelingen, die Absicht des Leiters der Gebietsadministration bei Bankentransaktionen nachzuweisen, die formal von anderen Personen geleitet wurden, wenn Kolomojskij selbst während dieser Zeit wegen eines anderen Falls in U-Haft sitzt.