Ausschreibung über 105 Millionen — Sieger mit höherem Preis: Ex-Direktor der Zolldirektion unter Verdacht der Unterschlagung

Die Ermittlungen deuten darauf hin: Ein Beamter leitete ein Ausschreibungskomitee und bevorzugte ein Unternehmen aus der Hauptstadt, obwohl zwei günstigere Angebote vorlagen. Die Baukosten wurden in den Protokollen um 3,2 Millionen Hrywnja überhöht — und er unterzeichnete dies.

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Фото: Офіс генпрокурора

Staatsanwälte der Regionalstaatsanwaltschaft Tscherniwzi teilten unter prozessualer Leitung des Büros des Generalstaatsanwalts mit, dass ein ehemaliger Direktor einer der Abteilungen des Ukrainischen Zolldienstes verdächtigt wird. Es geht um die Rekonstruktion des Kraftfahrzeug-Grenzübergangspunkts „Krasnoilsk" an der Grenze zu Rumänien — ein Objekt, das bereits 2010 geschlossen und erst im Herbst 2022 wieder eröffnet wurde.

Was bei der Ausschreibung geschah

Im Jahr 2021 kündigte der Zolldienst offene Ausschreibungen für die Rekonstruktion des Grenzübergangspunkts mit erwarteten Kosten von über 107 Millionen Griwna an. Nach Angaben der Ermittlungen half der Beamte als Leiter des Ausschreibungskomitees dem Unternehmen „Agro Construction" aus der Hauptstadt zum Sieg mit einem Angebot von knapp 105 Millionen Griwna — trotz des Vorhandenseins von zwei wirtschaftlich günstigeren Angeboten anderer Teilnehmer.

Nach Angaben des öffentlichen Beschaffungssystems ProZorro wurde der Vertrag mit „Agro Construction" im Juli 2021 unterzeichnet. Dieses Unternehmen, registriert in Kiew mit einem Stammkapital von 10.000 Griwna, erhielt seit 2017 systematisch Aufträge überwiegend in Zollstrukturen.

„Nach Angaben der Ermittlungen half der Beamte als Leiter des Ausschreibungskomitees der Zollverwaltung bei der Wahl eines Gewinnersunternehmens aus der Hauptstadt mit einem Angebot von knapp 105 Millionen Griwna, trotz des Vorhandenseins von zwei anderen, wirtschaftlich günstigeren Angeboten".

Büro des Generalstaatsanwalts

Wie der Schaden festgestellt wurde

Nach Abschluss der Bauarbeiten 2022 nahm derselbe Beamte das Objekt an und unterzeichnete die Protokolle über abgeschlossene Arbeiten — ohne ordnungsgemäße Überprüfung der vom Auftragnehmer eingereichten Berechnungen. Baugutachten stellten fest: Der Wert eines Teils der Baumaterialien in den Protokollen war um 3,2 Millionen Griwna überhöht.

Auf diese Weise schloss sich das System in einer Hand: derselbe Beamte wählte den Ausschreibungsgewinner — und derselbe unterzeichnete die Protokolle ohne Überprüfung. Formal zwei unabhängige Kontrollstufen, in der Praxis — ein einziger Schwachpunkt.

Kontext: „Agro Construction" und der Zolldienst

„Krasnoilsk" ist nicht das einzige Objekt dieses Unternehmens. Nach Angaben der Veröffentlichung „Unsere Gelder" erhielt die GmbH „Agro Construction" von 2017 bis 2021 staatliche Aufträge im Wert von über 300 Millionen Griwna, einen großen Teil davon in den Zollstrukturen. Unter den Objekten befinden sich der Grenzübergangspunkt „Jagodyn" in Wolhynien, der Ausbau des Kontrollpunktes in Uschgorod, Reparaturarbeiten auf „Mamaliza" in derselben Tscherniwzer Oblast.

  • Grenzübergangspunkt „Krasnoilsk" — Rekonstruktion für ca. 105 Millionen Griwna (2021–2022)
  • Grenzübergangspunkt „Jagodyn" — Generalsanierung für ca. 80,5 Millionen Griwna (2021)
  • Grenzübergangspunkt „Uschgorod" — Ausbau für ca. 156 Millionen Griwna (2021)

Separat: In der Angelegenheit des Grenzübergangspunktes „Mamaliza" prüfte die Ermittlung den Verdacht gegen den Leiter des Labors eines Subunternehmers — dieser soll angeblich Dokumente über eine Betongüteklasse ausgestellt haben, die nicht den tatsächlichen Tests entsprach.

Was kommt als nächstes

Der Verdacht ist ein prozessualer Anfang und kein Urteil. Die Identität der verdächtigen Person wird nicht offiziell offenbart. Der Artikel über die Unterschlagung von Vermögen durch Amtsmissbrauch (Teil 5 Art. 191 des ukrainischen Strafgesetzbuches) sieht eine Freiheitsstrafe von 7 bis 12 Jahren mit Vermögenseinziehung vor.

Wenn die Ermittlungen vor Gericht beweisen, dass beide Entscheidungen — sowohl die Wahl des Ausschreibungsgewinners als auch die Unterzeichnung der Protokolle — bewusst und nicht aufgrund eines Verfahrensfehlers getroffen wurden, stellt sich eine Frage für die gesamte Kontrollkette der Zollverwaltung: Warum existierte ein System, in dem eine Person zwei unabhängige Filter blockieren konnte, genau so?

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