17. Juli: Der Tag, an dem die Justiz zum Thema wurde – und bleibt es bis heute

Das Römische Statut des IStGH, die Katastrophe MH17, der Emoji-Tag und ukrainische Ethnographen – der 17. Juli birgt in sich einen Widerspruch zwischen der Erinnerung an Verbrechen und der Frage, ob die Justiz sie einholt.

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17. Juli — ein Datum mit innerem Konflikt. Am selben Tag, der als Feiertag der internationalen Strafgerichtsbarkeit gilt, wurde über dem Donbas 2014 ein Passagierflugzeug Boeing 777 abgeschossen. Ein symbolischer und unbequemer Zufall.

Ein Gericht, das 27 Jahre lang nicht existierte

Am 17. Juli 1998 unterzeichneten 120 Staaten in Rom einen Vertrag, der die Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs in Gang setzte. Die Arbeiten daran begannen 1948 — in dem Moment, als die UN-Generalversammlung die Konvention über Völkermord ratifizierte und vorschlug, die Idee eines internationalen Tribunals zu prüfen. Es waren genau fünfzig Jahre vergangen.

Der IStGH ist die einzige ständige internationale Institution zur strafrechtlichen Verfolgung von Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Aggressionsverschulden. Für die Ukraine ist dies keine Abstraktion: Der Gerichtshof erließ einen Haftbefehl gegen Putin wegen der Deportation ukrainischer Kinder, und die Ukraine selbst erkannte die Gerichtsbarkeit des IStGH durch zwei Erklärungen des Obersten Rates an — bezüglich des Maidan 2014 und bezüglich der Krim und des Donbas 2015 — ohne das Römische Statut jedoch formell zu ratifizieren.

MH17: Ein Urteil existiert, die Umsetzung — nein

«Unsere Ermittlungen bestätigen: Das Flugzeug wurde von einem Buk abgeschossen, der aus der Russischen Föderation kam»

Gemeinsame Ermittlungsgruppe (JIT)

Am 17. Juli 2014 schoss ein russisches Flugabwehr-Raketensystem Buk Nr. 332 den Flug MH17 der Malaysia Airlines über dem besetzten Teil der Region Donezk ab. An Bord befanden sich 298 Personen — darunter 80 Kinder, die meisten davon Bürger der Niederlande. Am 17. November 2022 verurteilte das Gericht in Den Haag drei der vier Angeklagten in Abwesenheit zu lebenslanger Haft und bestätigte: Die Rakete war russisch, und das Gebiet wurde von der RF kontrolliert.

Russland weigerte sich, am Verfahren teilzunehmen, und gibt die Verurteilten nicht aus. Im Juni 2024 kündigte das russische Außenministerium seinen Austritt aus der Prüfung der Beschwerde von Australien und den Niederlanden bei der ICAO an. Ein Urteil existiert. Die Umsetzung ist eine offene Frage.

Emoji-Tag: Marketing mit ernstem Unterton

Den Welt-Emoji-Tag gründete 2014 Jeremy Burge — das gleiche Jahr wie MH17. Das Datum 17. Juli wurde nicht zufällig gewählt: Es ist genau das Datum, das auf dem Kalender-Emoji in iOS von Apple angezeigt wird. Das Emoji-Kalender zeigte den 17. Juli noch vor dem Aufkommen des eigentlichen Feiertags — das Datum «existierte» also tatsächlich lange vor dem offiziellen Status.

Tag des Ethnographen: Wissenschaft, die zur Waffe der Bewahrung wird

In der Ukraine ist der 17. Juli ein inoffizieller Fachfeiertag der Ethnographen. Er wurde in den 1970er Jahren von dem sowjetischen Ethnographen Rudolf Its gegründet, der den Geburtstag von Nikolaj Mikluchho-Maklaj als Datum wählte — 17. Juli 1846. Ein Zufall, der dem Feiertag eine weitere Dimension hinzufügt: Am gleichen Tag 1871 wurde Filaret Kolesssa geboren — Ethnograph, Folklorist und einer der Gründer der ukrainischen ethnographischen Musikwissenschaft.

Unter Kriegsbedingungen gewinnt die Arbeit von Ethnographen ein anderes Gewicht: Die Erfassung von Ritualen, Dialekten und materieller Kultur wird zur Dokumentation dessen, was Russland auf besetzten Gebieten systematisch zerstört. Dies ist nicht mehr nur Wissenschaft — es ist Gerichtsbeweis für kulturelle Identität.

Wenn der IStGH einen echten Mechanismus zur Umsetzung von Urteilen erhält — nicht nur deren Verkündung — wird sich dann die Logik der Staaten ändern, die Russland weiterhin Komponenten für «Buks» liefern?

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