300 Ukrainer pro Milliarde Chinesen: Was hinter der Statistik des Außenministeriums steckt

Das Außenministerium hat die Zahl der Ukrainer in China gezählt — und die Ziffer sagt mehr über die Beziehungen zwischen den beiden Ländern aus als jede diplomatische Erklärung.

26
Teilen:
Прапор Китаю (Ілюстративне фото: EPA)

In der Ukraine sind offiziell etwa 300 Bürger registriert, die sich auf chinesischem Territorium aufhalten. Dies geht aus Daten hervor, die das Außenministerium der Nachrichtenplattform LIGA.net offenlegte. Zum Vergleich: In den USA zählt die ukrainische Diaspora über 150.000 Menschen — ein Unterschied von fast 500 zu eins.

Nach Aussagen des Außenministers Andrij Sybiha spiegelt diese Zahl den tatsächlichen Zustand der bilateralen Beziehungen wider: China war nie ein Ziel der Massenmigration von Ukrainern, und nach 2022 erst recht nicht.

Aber die Zahl der registrierten Personen ist nur die Spitze des Eisbergs. Die konsularische Registrierung in der Ukraine ist freiwillig, daher könnte die tatsächliche Zahl der Ukrainer in der VR China höher sein. Wie hoch genau — das Außenministerium präzisiert nicht, weil es es einfach nicht weiß.

Hier entsteht ein praktisches Problem: Im Falle einer Notlage — Evakuierung, Massenverhaftungen, rechtliche Krise — hat der Staat keine vollständige Liste seiner Bürger vor Ort. Genau das geschah zu Beginn der großangelegten Invasion, als Ukrainer in verschiedenen Ländern sich faktisch selbst organisierten, ohne auf die Botschaften zu warten.

China bleibt indessen ein geopolitisch sensibles Thema. Peking hat die russische Aggression offiziell nicht verurteilt, unterstützt den Handel mit Moskau und erklärt gleichzeitig seine „Neutralität". Für ukrainische Bürger dort bedeutet dies, sich in einem Land aufzuhalten, das die Besetzung ukrainischer Territorien öffentlich nicht als illegal anerkennt.

300 registrierte Personen — das ist keine Katastrophe und keine Sensation. Das ist ein Indikator: wie tief zwei Gesellschaften miteinander verbunden sind, abseits der offiziellen Rhetorik über eine „strategische Partnerschaft".

Wenn Kiew und Peking wirklich auf eine Annäherung nach dem Krieg hoffen — ist das ohne grundlegende Vertrauensinfrastruktur zwischen Menschen möglich, die derzeit faktisch nicht existiert?

Weltnachrichten