Daten und zentrale Aussage
In einem Interview mit Politico sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass rund 90% der Ukrainer die Idee von Wahlen während des groß angelegten Krieges ablehnen. Diese Zahl nutzte er, um zu betonen: Wahlen unter Beschuss entsprechen nicht den Erwartungen der Bürger in Bezug auf Sicherheit und Legitimität des Prozesses.
„Wenn sich jemand dafür interessiert, was die Ukrainer denken: 90 % sind dagegen, weil sie verstehen, dass es schrecklich ist – wie jetzt Wahlen abzuhalten, während eines Krieges, unter Beschuss.“
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Bedingungen, die der Präsident nannte
Selenskyj schloss die Möglichkeit von Wahlen nicht nach einem vollständigen Sieg aus, sondern während eines vorübergehenden Waffenstillstands – vorausgesetzt, die Partner würden verlässliche Sicherheitsgarantien liefern. Er betonte außerdem die Notwendigkeit von Änderungen der Gesetzgebung, die derzeit Wahlen im Zustand eines umfassenden Krieges verbietet: Das Parlament könnte solche Änderungen beschließen, wenn entsprechende Garantien vorliegen.
Dabei bleiben entscheidende praktische Fragen offen: Wie lässt sich die Stimmabgabe der Angehörigen der Streitkräfte an der Front sowie die von mehr als 8 Millionen Ukrainern, die im Ausland leben, sicherstellen? Ohne klare Logistik und internationale Abkommen löst selbst ein vorübergehender Waffenstillstand das Problem der Zugänglichkeit zur Wahl nicht.
Internationaler Kontext und Reaktionen
Die Initiative steht in engem Zusammenhang mit der diplomatischen Dynamik: Am 9. Dezember 2025 äußerte Donald Trump bei der Vorlage seines Friedensplans, in der Ukraine sei „die Zeit für Wahlen gekommen“. Selenskyj antwortete, er sei jederzeit zu Wahlen bereit – sehe aber die Verantwortung bei den amerikanischen und anderen Partnern, sichere Bedingungen zu schaffen.
- 9. Dezember 2025 — Donald Trump brachte die Auffassung vor, Wahlen in der Ukraine seien im Rahmen seines Friedensplans angebracht.
- Reaktion Wolodymyr Selenskyjs: Bereitschaft, Wahlen unter der Bedingung von Sicherheitsgarantien durch Partner zu prüfen.
- 14. Februar 2026 — Der Präsident des Europäischen Parlaments kritisierte die Idee, Wahlen während eines Krieges abzuhalten, scharf und nannte dies ein „zynisches Szenario“.
„Das ist ein zynisches Szenario.“
— Präsident des Europäischen Parlaments
Analyse: Warum das für die Ukraine wichtig ist
Die Entscheidung über Wahlen während eines Krieges betrifft nicht nur das formale Verfahren. Es geht um Legitimität, internationale Anerkennung der Ergebnisse und innere Stabilität. Das politische Kapital, das Partner in Garantien investieren, wird ein direkter Indikator dafür sein, wie bereit sie sind, die Ukraine weiterhin zu unterstützen.
Politische Analysten weisen darauf hin: Selbst ein zwei- bis dreimonatiger Waffenstillstand erfordert viel Vorarbeit – Monitoring, Sicherheitsgarantien, Wahlmechanismen für Mobilisierte und die Diaspora. Ohne dies laufen alle Abstimmungen Gefahr, in Frage gestellt zu werden.
Fazit
Die Erklärung Selenskyjs setzt einen klaren Rahmen: Die Ukraine ist nur dann für Wahlen bereit, wenn internationale Partner reale Sicherheitsgarantien und logistische Unterstützung bereitstellen. Nun liegt die entscheidende Frage bei den Verbündeten – werden sie ihre diplomatischen Erklärungen in konkrete Garantien umsetzen, die die Wahlen für Millionen Ukrainer sicher und legitim machen?