Außenministerium ruft zum Boykott des Mendelejew-Preises auf — diplomatische Herausforderung für die UNESCO

Kiew bittet um die Absage eines Wettbewerbs, der von der russischen Regierung finanziert wird. Dies ist nicht nur eine Frage der Moral — es geht um die Legitimität internationaler Institutionen und die Sicherheit der Wissenschaft.

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Премія Менделєєва (Фото: ЮНЕСКО)

Was geschehen ist

Das Außenministerium der Ukraine hat die UNESCO‑Mitgliedstaaten, die wissenschaftliche Gemeinschaft und das Sekretariat der Organisation dazu aufgerufen, den nach D. I. Mendelejew benannten Preis für Grundlagenwissenschaften, der von der russischen Regierung finanziert wird, zu boykottieren. Das Ministerium fordert die Absage des Wettbewerbs und bat das derzeitige Preisgericht, seine Amtsbefugnisse niederzulegen; außerdem forderte es den neuen Generaldirektor der UNESCO auf, kein neues Preisgericht zu ernennen.

Offizielle Begründung

In der Mitteilung des Außenministeriums wird betont, dass die UNESCO den Wettbewerb für diesen Preis am 13. Februar ausgeschrieben hat und die Beteiligung des Aggressorstaates an der Finanzierung der Auszeichnung das Risiko birgt, Wissenschaft für politischen PR zu instrumentalisieren. Ukrainische Diplomaten unterstreichen: Wissenschaft muss dem Frieden und dem Humanismus dienen und nicht der Rechtfertigung von Gräueltaten.

"Das Außenministerium ruft die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft, die UNESCO‑Mitgliedstaaten und alle beteiligten Akteure zum Boykott des genannten, vom Aggressorstaat finanzierten Preises auf... Wir sind der Ansicht, dass er abgesagt werden sollte und das Preisgericht seine Amtsbefugnisse niederlegen muss."

— Außenministerium der Ukraine

Kontext und Fakten

Das Argument des Außenministeriums stützt sich nicht nur auf Symbolik. Seit Beginn der großangelegten Invasion in der Ukraine sind tausende Bildungs‑ und Forschungseinrichtungen betroffen: Nach offiziellen Schätzungen wurden mindestens 4.456 Bildungseinrichtungen und 1.443 Forschungsinstitute beschädigt oder zerstört. Das Ministerium betont, dass der Kreml systematisch gegen UN‑Normen und UNESCO‑Verfahren verstößt und die Finanzierung der Auszeichnung als Mittel zur "Weißwaschung" des Images des Aggressors dienen könne.

Dieser Appell fügt sich in einen weiteren Kontext ein: Am 30. Januar wurde in Belgien die Vorführung des Films "Carnets de Russie" abgesagt, als Teil der Reaktion auf propagandistische Initiativen im Zusammenhang mit Russland.

Was das für die UNESCO und die internationale Gemeinschaft bedeutet

Die Forderung, den Wettbewerb abzusagen, ist ein Test für internationale Institutionen. Wenn die UNESCO und die Mitgliedstaaten das Signal ignorieren, steigt das Risiko einer weiteren Delegitimierung der Verfahren der Organisation in den Augen eines Teils der Wissenschaftsgemeinschaft und der von Aggression betroffenen Länder. Umgekehrt würde die Erfüllung der Forderung der Ukraine die Position der Organisation als neutralen Ort für Wissenschaft und Kultur stärken.

"Wahre Wissenschaft muss dem Frieden, der Entwicklung und dem Humanismus dienen und darf nicht als Instrument der Propaganda eines Aggressorstaates missbraucht werden."

— Außenministerium der Ukraine

Kurzfazit

Das ist nicht nur ein moralischer Appell: Es ist ein strategischer Schritt, der darauf abzielt, den Ruf internationaler Institutionen zu schützen und die Autonomie der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu bewahren. Nun ist die entscheidende Frage, ob die Partner der Ukraine ihre Erklärungen bekräftigen und ob diese Deklarationen in praktische Entscheidungen bei der UNESCO umgesetzt werden.

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