Astrologin, Untersuchungsgefängnis und Kontaktverbot: Was das Gericht im Fall Jermak entschied

Das Spezialgericht für Korruptionsfälle (WAKS) ordnete für Jermak Hausarrest mit einer Kaution von 140 Millionen Hrywnja an und untersagte ihm separat den Kontakt mit dem "Veronika Fenshu Office". Der Anwalt besteht darauf: Die Korrespondenz sei privat, nicht dienstlich.

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Андрій Єрмак (Фото: Офіс президента)

Im Telefon des ehemaligen Leiters des Präsidentenbüros Andrii Jermak fand die Ermittlung einen Kontakt «Veronika Fengshui Büro» — und genau um ihn herum entstand einer der ungewöhnlichsten Konflikte am Obersten Antikorruptionsgericht in den letzten Jahren. Die Staatsanwältin der Agentur für Korruptionsbekämpfung Valentyna Hrebeniuk erklärte, dass Jermak dieser Person Geburtsdaten von Kandidaten für Staatsposten schickte und um astrologischen Rat bat. Die Verteidigung antwortete: Die Kommunikation ist privat und betrifft keine Ämter.

Wer ist «Veronika Fengshui Büro»

Journalisten von «Schemata» (Radio Svoboda) haben herausgefunden: hinter dem Kontakt steht Veronika Anikijewytsch — eine 51-jährige Kiewerin, die sich als Astrologieberaterin positioniert und einen Telegram-Kanal «Mondstunden» betreibt. In den Telefonbüchern verschiedener Nutzer war ihr Kontakt unter den Bezeichnungen «Veronika Konsult. A.B.» und «Wahrsagerin Jermak» gespeichert. Nach Jermaks Rücktritt verteidigte sie ihn öffentlich und nannte NABU und die Agentur für Korruptionsbekämpfung solche, die «sich an die Russen verkauft haben».

Eine separate Besonderheit war die Herkunft von Anikijewytschs Vater: Fjodor Anikijewytsch lebt im besetzten Henytscheskyi in der Region Cherson und hat die russische Staatsbürgerschaft. Im Mai 2025 posierte er mit Georgsbändern und russischen Flaggen.

Was genau wurde diskutiert — die Version der Anklage

Nach Ermittlungsmaterialien erschienen in der Korrespondenz Kandidaturen des Premierministers, des Ministers für Gesundheitsschutz, des Stellvertreters des Leiters des Präsidentenbüros Oleg Tatarov, sowie des Leiters der Staatsverwaltung Igor Lysy. Das Auswahlkriterium ist nach Version der Agentur für Korruptionsbekämpfung das Geburtsdatum des Kandidaten.

«Wir werden morgen alles kommentieren».

Andrii Jermak — gegenüber Journalisten während der Pause der Sitzung am 13. Mai

Der Anwalt Igor Fomin bestätigte selbst die Tatsache der Kommunikation, beharrte aber darauf: Sie fand nach Jermaks Entlassung aus dem Staatsdienst statt und betrifft keine Ernennungen. «Das sind private Angelegenheiten», — fasste der Verteidiger in einem Kommentar gegenüber LIGA.net zusammen.

Was das Gericht entschied — und warum die Besonderheit mit dem Verbot wichtig ist

Am 14. Mai ordnete der Oberste Antikorruptionshof gegen Jermak Untersuchungshaft mit einer Kaution von 140 Millionen Hrywnja an. Jermak befand sich in der Untersuchungshaft: die Verteidigung berichtete von Schwierigkeiten beim Aufbringen der Mittel. Einen Teil der Kaution zahlte Anwalt Sergij Swyriba — ehemaliger Partner der Kanzlei Asters, verbunden mit Jermaks Kreis durch gemeinsames Studium.

Aber prozessual aussagekräftig war ein anderer Moment: das Gericht verbot Jermak separat, mit Veronika Anikijewytsch zu kommunizieren. Für das Gericht ist dies ein Standardmaßnahme zum Schutz der Ermittlungen vor möglicher Beeinflussung von Zeugen oder Vernichtung von Beweisen. Aber die bloße Existenz eines solchen Verbots im Urteil bedeutet: Das Gericht erkannte die Verbindung zwischen den beiden Personen als prozessual bedeutsam an — unabhängig davon, welche Inhalte jede Seite dieser Kommunikation zuschreibt.

Die Materialien des Falles — 16 Bände à ~250 Seiten. Anwalt Fomin gab zu, dass die Verteidigung sie noch nicht vollständig bearbeitet hat. Die Hauptverhandlung zur Sache hat noch nicht begonnen.

Die Frage, die den weiteren Verlauf des Falls bestimmen wird: ob die Anklage nachweisen kann, dass der Schriftwechsel mit der Astrologin genau während Jermaks Zeit im Amt stattfand — denn wenn die Verteidigung das Gegenteil nachweist, fällt diese Episode vollständig aus der Beweisbasis heraus, und die Ermittlung müsste die Anklage ausschließlich auf Finanzmaterialien der «Dynastie» aufbauen.

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