In den ersten 28 Tagen des März 2026 hat die russische Armee nach Angaben des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte etwa 29 000 Soldaten an Toten und Schwerverletzten verloren — das ergibt sich aus den Daten: 1 266 770 am 1. März gegenüber 1 295 830 am 29. Der durchschnittliche Tageswert liegt bei etwa 1 038 Personen, was eine Projektion von mehr als 32 000 für den vollen Monat ergibt.
Zum Verständnis des Ausmaßes: Im Februar 2026 beliefen sich die Verluste auf 28 400, im Januar auf 32 650. Rekord bleibt weiterhin Januar 2025 — 49 100. Das Wort „Rekord“ im Kontext der aktuellen Aussagen bezieht sich also auf 2026 und nicht auf die gesamte Zeit des großangelegten Krieges.
Was hinter der Zahl steht
Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov verband in Telegram den Anstieg der Verluste mit drei Faktoren: dem Druck durch Angriffsdrohnen, dem Fehlen von Evakuierungskorridoren und dem Narrativ, das das Kommando der Russischen Föderation vorgibt.
„Unvorbereitete Menschen, keine Chance auf Evakuierung und ständiger Drohnendruck“
Mykhailo Fedorov, Verteidigungsminister der Ukraine, Telegram
Laut Fedorov erreichen täglich Videoclips von der Front die Öffentlichkeit, in denen die russische Infanterie zur Selbstzerstörung greift — nach Verwundungen durch unbemannte Fluggeräte oder unter Bedingungen vollständiger Einkesselung. Der Minister bezeichnete dies ausdrücklich als Folge der Entscheidungen des militärisch-politischen Führung der Russischen Föderation: Die Propaganda verbreite die These „lieber sofort sterben“, während die Ukraine regelmäßig Gefangenenaustausche durchführt.
Der taktische Kontext, der in offiziellen Aussagen fehlt
Die Verluste im März erfolgen vor dem Hintergrund einer deutlichen Veränderung der Dynamik an der Front. Nach Einschätzungen des ISW verloren die russischen Kräfte im Zeitraum vom 24. Februar bis zum 24. März 2026 4 Quadratmeilen — während sie im vorherigen vierwöchigen Intervall 50 Quadratmeilen eroberten. Parallel dazu erhalten die bereits im Januar begonnenen ukrainischen Gegenangriffe im Süden der Oblaste Dnipropetrowsk und Saporischschja den operativen Druck auf die Vorbereitungen der RF für eine Frühjahrs‑/Sommeroffensive aufrecht.
Darin liegt der Hauptunterschied dieses Monats zu den vorangegangenen: Die Russen erleiden Verluste nicht bei Offensiven, sondern unter Bedingungen, in denen die Initiative teilweise auf die andere Seite übergegangen ist.
Ziel von 50 000: proklamiert, aber nicht konkretisiert
Fedorov bestätigte das strategische Ziel — 50 000 Besatzer pro Monat zu vernichten — und nannte einen solchen Wert potenziell „katastrophal“ für Russland. Er kündigte zudem „Lösungen“ an, die diese Marke näherbringen sollen — ohne Angaben zu Mitteln oder Zeitrahmen.
- Das derzeitige Monats tempo (~32 000) entspricht etwa 64 % des Ziels
- Die Lücke zwischen 32 000 und 50 000 ist kein Prozentproblem, sondern ein systemisches Problem bei der Skalierung der Schlagfähigkeiten
- Der Rekord 2025 (49 100 im Januar) wurde unter Bedingungen massiver Sturmangriffe erreicht, nicht durch Drohnenerschöpfung
Slovydilo stellt fest, dass Russland erstmals seit Beginn der großangelegten Invasion drei Monate in Folge mehr Soldaten verliert, als es in die Armee rekrutiert — darauf verweist The Times unter Berufung auf westliche Beamte. Setzt sich dieser Trend im April fort, würde die Frage nach dem Mobilisierungspotenzial Russlands konkrete arithmetische Konturen annehmen.
Offene Frage: Ob die „Lösungen“, von denen Fedorov spricht, ein technologischer Schritt sind (neue Drohnentypen, breitere Abdeckung), operativ (Änderung der Einkesselungstaktik) oder nur ein rhetorischer Rahmen für die Öffentlichkeit — das wird sich zeigen, wenn die April‑Zahlen einen Sprung und kein Plateau zeigen.