„Lego“ gegen 11.000 Panzer: Wie der Rheinmetall‑Chef das unterschätzte, wovor er am meisten Angst hat

Armin Papperger bezeichnete ukrainische Drohnen als „Küchenbastelei“ — und erhielt eine Antwort von genau dem Unternehmen, das er vor unangenehmen Fragen zu schützen versucht hatte.

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Армін Паппергер (Фото: Ronald Wittek / EPA)

Im Magazin The Atlantic erschien ein Beitrag des Journalisten Simon Shuster, der das Werk von Rheinmetall in Unterlüß besucht hat — und versuchte, den CEO des Unternehmens nach der größten Herausforderung für sein Geschäft zu fragen. Armin Papperger mochte dieses Gespräch offenbar nicht besonders.

Unbequeme Frage

Shuster stellte die einfache Frage: Wenn die Ukraine bereits russische Panzer mit billigen Drohnen für weniger als tausend Euro stoppt — Drohnen, die Ausrüstung im Wert von Millionen zerstören —, was bedeutet das für ein Unternehmen, das eben jene Panzer baut? Papperger reagierte gereizt.

„Das ist wie mit einem Lego-Baukasten zu spielen. Worin besteht die Innovation der Ukraine? Es gibt keinen technologischen Durchbruch. Das sind ukrainische Hausfrauen. Sie haben 3D-Drucker in ihren Küchen und fertigen Teile für Drohnen an. Das ist keine Innovation.“

— Armin Papperger, CEO von Rheinmetall, The Atlantic, 27. März

Auf konkrete Beispiele — die Hersteller Fire Point und Skyfall, die jeden Monat den ukrainischen Streitkräften hunderttausende Drohnen liefern — antwortete er in der Sache nicht. Stattdessen fügte er hinzu, dass ukrainische Firmen ihre Drohnen nie an die NATO verkaufen könnten: die Bürokratie des Bündnisses werde sie nicht durchlassen. Papperger erläuterte nicht, ob ihm bekannt ist, was danach geschah.

Was danach geschah

Der Artikel erschien am 27. März. Bereits am nächsten Tag verbreiteten ukrainische Medien ihn breit. Am 28. antwortete der Präsidentenberater Oleksandr Kamyshin auf X:

„Rheinmetall sagt, unsere #LEGODrones würden von Hausfrauen in Küchen hergestellt. Gut. Inzwischen haben unsere #LEGODrones schon über 11.000 russische Panzer verbrannt.“

— Oleksandr Kamyshin, @AKamyshin

Am 29. März — weniger als 48 Stunden nach Veröffentlichung des Beitrags — veröffentlichte der offizielle Account von Rheinmetall einen Post, in dem derselbe Kamyshin getaggt wurde:

„Wir sprechen unseren tiefsten Respekt für die enormen Anstrengungen des ukrainischen Volkes aus... Jede Frau und jeder Mann leistet einen unschätzbaren Beitrag. Die Kraft der Innovation des ukrainischen Volkes und sein Kampfgeist sind für uns eine Quelle der Inspiration.“

— Rheinmetall AG, offizieller X-Account, 29. März

Der Konzern, der Leopard-Panzer baut und der Ukraine Waffen im Wert von Hunderten Millionen Euro liefert, schwenkte innerhalb von zwei Tagen von „Hausfrauen“ zu „Quelle der Inspiration“ — ohne irgendeine Erklärung von Papperger selbst.

Die Zahl, die er nicht nannte

Stand 2025 produziert die Ukraine etwa 4 Millionen Drohnen pro Jahr — mehr als alle NATO-Mitglieder zusammen, so Bloomberg. Die monatliche Produktionskapazität von FPV-Drohnen stieg von 20.000 im Jahr 2024 auf 200.000 im Jahr 2025. Mehr als 500 Herstellerfirmen stehen inzwischen — gegenüber sieben, die vor dem großangelegten Einmarsch existierten.

Gerade diese Drohnen sind verantwortlich für 60–70 % der Verluste an russischer Technik. Drohnen, die weniger als tausend Euro kosten, zerstören Panzer im Wert von mehreren Millionen.

Ein Mitarbeiter von Rheinmetall, der Shuster während des Besuchs durch die Produktion begleitete, gab nebenbei zu: Das Unternehmen habe keinen Schutz für seine eigenen Panzer gegen Drohnenangriffe — nicht die Art von Schutz, die beide Seiten im Krieg längst auf dem Schlachtfeld einsetzen.

Die Frage gilt nicht den Drohnen

Der deutsche Militärexperte Nico Lange warnte nach der Veröffentlichung: Arroganz gegenüber der neuen Ökonomie des Krieges — massenhafte, billige Drohnen anstelle teurer schwerer Technik — könne ein ernstes Sicherheitsproblem für Europa selbst werden.

Papperger hat in einem engen technischen Sinn recht: Kein FPV-Drohne ist eine Antwort auf eine Hyperschallrakete. Aber die Frage, die er nicht hören wollte, lautet anders: Wird die Nachfrage nach Panzern im Millionenbereich in einer Welt bestehen bleiben, in der sie für tausend Euro zerstört werden? Die Antwort auf diese Frage wird nicht die Bürokratie der NATO geben, sondern die nächsten Jahre an Aufträgen auf den Verteidigungsmärkten in Europa, Asien und dem Nahen Osten — wo die Ukraine bereits in der Warteschlange steht, als Lieferant und nicht nur als Käufer.

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