Iran klammert die Kernfrage aus – um die Meerenge schneller zu öffnen

Teheran hat Washington über Pakistan ein neues Angebot übermittelt: zunächst die Schifffahrt in der Straße von Hormus wiederherstellen und das Feuer einstellen, während die Kernkraftgespräche auf später verschoben werden. Das Problem ist, dass Trump seinen wichtigsten Trumpf genau dann verliert, wenn er bekommt, was er will.

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Аббас Аракчі (Фото: Abedin Taherkenareh/EPA)

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi führte am Sonntag Gespräche in Maskat mit omanischen Behördenvertretern, kehrte nach Islamabad zur zweiten Runde mit pakistanischen Vermittlern zurück — und flog bereits am Montag nach Moskau zu einem Treffen mit Putin. Hinter diesem diplomatischen Marathon steckt ein konkretes Dokument: ein neuer iranischer Vorschlag, den Teheran über Pakistan an Washington übermittelt hat.

Laut Axios, das sich auf einen amerikanischen Beamten und zwei informierte Quellen beruft, ist die Essenz des Vorschlags einfach: zunächst – Öffnung der Straße von Hormus und Beendigung der Kampfhandlungen, dann – und nur dann – Atomverhandlungen. Diese Aufteilung in Phasen ermöglicht es Teheran, die inneren Spaltungen in der eigenen Führung bezüglich der zulässigen Zugeständnisse in der Atomfrage zu umgehen.

Warum die Straße geschlossen ist – und was es die Welt kostet

Ein Kontext, ohne den der Vorschlag unverständlich ist: Seit Februar 2026, nach amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran und dem Tod des Obersten Führers Chamenei, hat Teheran die Straße von Hormus blockiert – durch die etwa 20% des weltweiten Ölhandels fließt. Die USA führten als Gegenmaßnahme eine Seeblockade ein: Nach Angaben des US Central Command hatte diese am 28. April 38 Schiffe vor iranischen Häfen blockiert. Die Schifffahrt durch die Straße bleibt laut MarineTraffic minimal.

Trump drohte, iranische Kraftwerke, Ölbohrlöcher und Entsalzungsanlagen zu zerstören. Am 21. April kündigte er eine Fortsetzung des Waffenstillstands an, befahl jedoch, die Blockade aufrechtzuerhalten und die Armee in Gefechtsbereitschaft zu halten.

Die Falle im Vorschlag

Die Logik Teherans ist verständlich: Den militärischen Druck reduzieren, bevor man sich auf Atomzugeständnisse einigt. Aber genau hier liegt das Kernproblem für Washington.

«Diese heiklen diplomatischen Verhandlungen werden nicht über die Presse geführt. Wie der Präsident gesagt hat, halten die USA die Karten in der Hand und werden nur ein Abkommen schließen, das Amerika an die erste Stelle setzt und niemals Atomwaffen im Iran zulässt».

— Olivia Wales, Sprecherin des Weißen Hauses, Axios

Wenn die USA dem iranischen Plan zustimmen, erhalten sie eine offene Straße und eine Waffenruhe — aber ohne jegliche Verpflichtungen Teherans bezüglich des Atomprogramms. Der Druck verschwindet, und mit ihm auch der Anreiz für den Iran, zu einer zweiten Verhandlungsrunde zurückzukehren. Russland hat bereits angeboten, angereichertes iranisches Uran zu lagern – ein Szenario, das Teheran bislang weder abgelehnt noch angenommen hat.

Die innere Spaltung in der iranischen Führung schafft zusätzliche Unsicherheit: Ein Teil der Elite ist kategorisch gegen jegliche Zugeständnisse in der Atomfrage. Der Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf bezeichnete die amerikanischen Bedingungen zuvor als «Kapitulation». Der neue Vorschlag ist ein Versuch, eine Formel zu finden, die beide Lager innerhalb des Iran zufriedenstellt, indem das heikleste Thema aufgeschoben wird.

Was folgt

Das Weiße Haus hat den Vorschlag erhalten, hat aber nach Angaben von Axios bislang nicht geantwortet. Trump sollte am Montag eine Besprechung im Situation Room mit seinem Sicherheitsteam zu der iranischen Sackgasse und möglichen nächsten Schritten abhalten. Washington hatte zuvor seine Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach Islamabad entsandt, aber die zweite Runde direkter Verhandlungen fand nach Araghchis unerwartetem Aufbruch nicht statt.

Wenn Trump dem iranischen Plan «zuerst die Straße» akzeptiert, hat er etwas vorzuweisen, um es seinen Wählern als Sieg zu präsentieren – aber die Verhandlungen über Atomverzicht gehen in eine Phase über, in der die USA erheblich weniger Hebel haben. Die Frage ist nicht, ob die Straße von Hormus geöffnet wird, — sondern ob das zukünftige Abkommen einen konkreten Mechanismus und einen Zeitplan für den Beginn der Atomphase festschreibt oder es «für später» ohne jegliche Garantie zur Rückkehr an den Verhandlungstisch offen lässt.

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