Ein operatives Problem entstand früher als eine technische Lösung. Nachdem die Rafale des französischen Kontingents auf dem Stützpunkt Al-Dhafra (VAE) in wenigen Wochen über 80 MICA-Raketen zum Abfangen von Drohnen vom Typ Shahed verschossen hatten, entbrannte im Verteidigungsministerium ein Streit zwischen dem Generalstab, der DGA und dem Hersteller MBDA — die Lieferzeit für neue MICA beträgt fast zwei Jahre. Dann wurde das Problem zu einem haushalterischen: Eine MICA kostet etwa 700.000 €, während das Ziel — eine langsame Drohne — nur einige tausend Dollar wert ist.
Was genau entwickelt wird
Am 23. April 2026 kündigte die DGA offiziell den Start eines Programms für eine drohnenbekämpfende Variante einer 68-mm-Rakete mit Laseransteuerung an. Grundlage ist die bereits existierende französische Rakete Aculeus-LG des Herstellers TDA Armements (Tochtergesellschaft von Thales): Länge — etwa 1,4 m, Masse — 8,8 kg, maximale Reichweite — bis zu 5 km im halbaktiven Lasersteuermodus. Die Rakete wurde im Juli 2021 auf dem Hubschrauber Tiger HAD nach Schießübungen bei Biscairos zertifiziert.
Der taktische Sinn — die «mittlere Zone» zwischen 2,5 km (Grenze der effektiven Wirkung des 30-mm-Geschützes) und über 10 km (wo MICA-Raketen eingesetzt werden) abzudecken. In diesem Korridor gibt es derzeit kein billiges und präzises Bekämpfungsmittel.
«Wir sind absolut verpflichtet, Raketen für Drohneneinsätze zu verwenden, denn wir können nicht weiterhin Luftkampfraketen dafür verschwenden.»
— Anonymer Vertreter der DGA, zitiert nach Janes, April 2026
Träger und technische Konfiguration
- Rafale — Startbehälter TELSON 12 JF (12 Raketen), Standardlast — zwei Behälter, also 24 Raketen pro Einsatz. Die Laserzielbezeichnung wird durch den Zielcontainer TALIOS gewährleistet, der bereits an Bord vorhanden ist. Am 16. April 2026 wurde die Rafale M «Bord Nr. 1» (DGA-Forschungsflugzeug) erstmals mit solch einem Behälter auf der Luftwaffenbasis Istres fotografiert.
- Tiger HAD — 22-röhriges Startgerät für 68-mm-Munition. Der Hubschrauber hat bereits das Abfangen von Shahed durch Geschützfeuer mit 30-mm-GIAT bestätigt — Raketen werden die Bekämpfungsreichweite verdoppeln.
Nach Angaben von Army Recognition steigt die Effektivität eines Einsatzes von 1–3 zerstörten Zielen bei ungelenkten Raketen auf 12–24 bei gelenkten Raketen — also ein Anstieg um 400–800 %. Die neue Version Aculeus NG erhielt auch eine Induktionsprogrammierung vor dem Start, was Wartung vereinfacht und Sicherheit erhöht.
Kontext: Frankreich ist nicht allein
Parallel dazu führen die belgischen Luftstreitkräfte seit Anfang 2026 Integrationstests der Rakete Thales Belgium FZ275 LGR auf dem F-16 durch, und die Royal Air Force führte im März 2026 Tests mit dem Typhoon mit dem Startblock LAU-13 und APKWS-Raketen durch. Der französische Weg ist eigenständig: Setzung auf die bereits existierende Munition Aculeus statt der amerikanischen APKWS II, obwohl Paris zuvor diesen Ansatz offiziell auch prüfte.
Der Leiter der DGA, Patrick Paillou, teilte der Nationalversammlung mit, dass die Integration auf der Rafale bereits läuft und bis zum operativen Einsatz im Sommer 2026 bereit sein sollte.
Wenn die Rafale mit Aculeus-LG im Sommer Einsatzbereitschaft erreicht, hätte Frankreich ein im Kampf erprobtes Drohnenabwehrsystem mit klarer Kostenrechtfertigung — aber der wahre Test wird sein erstes Einsatz nicht über den VAE, sondern in einer Umgebung mit elektronischer Unterdrückung sein, wo Laseransteuerung sich als anfällig erweisen könnte.