Was passiert
Nach Angaben von LIGA.net und nach Einschätzung von Ihor Semivolos, Direktor des Zentrums für Nahoststudien, wächst in den zentralen Provinzen Irans deutlich die Unterstützung für den Sohn des letzten Schahs — Reza Pahlavi. Auf Kundgebungen ist immer häufiger der Ruf „Es lebe der Schah“ zu hören, was nicht nur Nostalgie, sondern auch das Verlangen nach einer bestimmten Art von Führung in Zeiten des Chaos signalisiert.
„Er gewinnt zunehmend an Autorität unter den Persern. Für sie ist diese Figur bedeutsam.“
— Ihor Semivolos, Direktor des Zentrums für Nahoststudien
Warum das wichtig ist
Der Experte erklärt: Der Anstieg der Unterstützung für Pahlavi hänge mit Befürchtungen über einen möglichen Zusammenbruch des aktuellen Regimes zusammen. Wenn die Gefahr eines inneren Zerfalls besteht, sucht ein Teil der Bevölkerung nach einer Figur, die schnell Ordnung wiederherstellen und die Integrität des Staates bewahren kann. In einem solchen Fall kann selbst monarchische Symbolik als Marker für Stabilität dienen.
Gleichzeitig erhöht dies den Druck auf nationale Minderheiten, die die Wiederbelebung monarchistischer Stimmungen mit Skepsis betrachten — für sie könnte das Repressionen oder eine Umverteilung von Einfluss bedeuten.
„Sein Programm sieht vor, dass er kein und nie ein Schah sein werde, aber er wolle als Schiedsrichter auftreten, der das Land zur Demokratie führt und dabei die Einheit bewahrt. Er sagt, dass er politische Veränderungen, eine neue Verfassung, Wahlen wolle… Das Volk könnte das wählen, was ihm vorgegeben wird — solange die Macht in Händen bleibt.“
— Ihor Semivolos, Direktor des Zentrums für Nahoststudien
Folgen für die Sicherheit und für die Ukraine
Für die Ukraine besteht die unmittelbare Gefahr in einem Zustand der Instabilität, der die Arbeit diplomatischer und konsularischer Dienste erschwert und zugleich die Risiken für die vor Ort befindlichen Staatsbürger erhöht. Das Außenministerium hat den Ukrainern bereits geraten, Iran wegen der Zuspitzung der Lage zu verlassen.
- 7. Januar: Berichten zufolge wurden bei den Protesten bis zu 35 Personen getötet; mehr als 1200 wurden festgenommen.
- 8. Januar: Das ukrainische Außenministerium richtete mit der Aufforderung/Empfehlung an die Ukrainer, das Land wegen der Verschlechterung der Sicherheitslage zu verlassen.
- 9. Januar: Die iranischen Behörden schalteten das Internet ab und isolierten das Land damit faktisch vom Außenkontakt, während sie die Proteste unterdrückten.
Kurzprognose
Wenn die Popularität Pahlavis weiter zunimmt, zeichnen sich zwei Basisszenarien ab: eine schnelle Konsolidierung unter einem einzigen Führer als Reaktion auf das Chaos oder eine lang anhaltende Fragmentierung mit verstärkten regionalen/ethnischen Konflikten. Beide Szenarien bergen Risiken für die regionale Stabilität und erschweren die Vorhersehbarkeit der iranischen Außenpolitik.
Derzeit sind zwei Dinge wichtig: Faktenkontrolle und frühzeitiges diplomatisches Reagieren. Bisher hat die Ukraine bereits praktisch reagiert — indem sie ihren Bürgern zur Evakuierung riet; nun ist die internationale Gemeinschaft gefragt, die möglichen Entwicklungsszenarien zu bewerten und sowohl humanitäre als auch sicherheitsrelevante Reaktionsmechanismen vorzubereiten.
Frage an die Leserschaft: Sind die Partner bereit, auf reale — und nicht symbolische — Veränderungen im Iran schnell und koordiniert zu reagieren?