Der Kreml will Ermak und Mendel zurück in den europäischen Informationsraum bringen — während der Iran dieses Thema verdrängt

Der SBU enthüllte Details der Operation: Russland betrachtet die Skandale rund um den ehemaligen Leiter des Präsidialamtes und die ehemalige Sprecherin Zelenskyjs als „verdrängt" durch internationale Ereignisse und plant deren Wiederbelebung durch gefälschte Dokumente und künstlich geschaffene „Symbolfiguren".

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Володимир Путін (Фото: Alexander Kazakov/EPA)

Ende Mai 2026 veröffentlichte der Geheimdienst der Ukraine Einzelheiten einer neuen russischen Destabilisierungskampagne. Bemerkenswert ist nicht, dass sie existiert — sondern vielmehr, wie konkret der Kremlin seine eigene Aufgabe formuliert: zu verhindern, dass zwei Skandale innerhalb der Ukraine in den europäischen Medien „zweitrangig" werden.

Was der Geheimdienst offenlegte

Nach Angaben des Geheimdiensts wurde im Kremlin registriert: der Fall der Verhaftung von Andrij Jermak und das Interview von Julija Mendel mit Tucker Carlson — wichtig, aber durch die Situation um Iran und andere internationale Ereignisse „verdrängt". Ziel der Kampagne ist daher nicht, einen Skandal von Grund auf zu schaffen, sondern ihn nicht verebben zu lassen.

Die vom Geheimdienst beschriebenen Instrumente: Entwicklung gefälschter Dokumente im Namen von Staatsbehörden und „Puppen-Symbole" — Strohpersonen, die als glaubwürdige Quellen oder Augenzeugen auftreten werden. Dies ist keine neue Taktik, aber ihre offizielle Dokumentation durch den Geheimdienst ist ein Signal, dass Kiew die Operation in Echtzeit überwacht.

Der „Medienplan" der RF sieht die Entwicklung gefälschter Dokumente im Namen von Staatsbehörden und deren Verbreitung in der Gesellschaft vor.

Geheimdienst der Ukraine

Warum genau diese beiden Themen

Der Zufall ist kein Zufall. Analysten des „Media Detectors" verzeichneten: im Mai begannen diese beiden Themen bereits als Paar zu funktionieren — in denselben Posts und Videos, wo die Verhaftung von Jermak zur Kritik an der Regierung verwendet wurde und das Interview von Mendel zu ihrer Verteidigung oder zum Angriff auf sie. Das heißt, beide Themen fragmentieren das Publikum gleichzeitig und lenken die Aufmerksamkeit ab.

Das Oberste Antikorruptionsgericht verhaftete Jermak gegen eine Kaution von 140 Millionen Hrywnja, die innerhalb weniger Tage hinterlegt wurde. Mendel sagte in ihrem Interview mit Carlson — einem Journalisten, den ukrainische Medienexperten als „Ukrainophob" charakterisieren — Aussagen, die breite Kritik hervorriefen. Nach Beobachtungen des „Media Detectors" verdünnte Mendels Interview das Negativum von Jermaks Verhaftung faktisch und lenkte einen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit auf ein anderes Objekt ab.

Breiterer Kontext der Operation

Der Geheimdienst betont: Die Informationskampagne hat mehrere parallele Ziele — Diskreditierung der Mobilisierung und der Militärführung, psychologische Erschöpfung der Bevölkerung, Untergraben des Vertrauens in die aktuelle Regierung und Erschwernisse für die westliche Unterstützung der Ukraine. Skandale um Jermak und Mendel sind nur ein Vektor, aber aufschlussreich: Moskau versucht, auf echten inneren Widersprüchen zu spielen, anstatt sie von Grund auf zu erfinden.

  • Gefälschte Dokumente von Behörden — um das Vertrauen in offizielle Mitteilungen zu untergraben
  • „Puppen-Symbole" — Strohpersonen, um der Operation ein „menschliches Gesicht" zu geben
  • Wiederbelebung verdrängter Themen — Nutzung internationaler Aufmerksamkeit als Gelegenheitsfenster

Ein besonderer Punkt: Der Kremlin berechnet pragmatisch, was genau aus dem europäischen Äther „verdrängt" wird. Das bedeutet, dass die Operation nicht nur auf das innere ukrainische Publikum ausgerichtet ist, sondern auch auf die Bildung eines Bildes in Ländern, von denen Kiews Hilfe abhängt.

Wenn Russland wirklich eine Welle gefälschter Dokumente angeblich von Behörden startet — wird der Schlüsselindikator die Reaktion nicht gewöhnlicher Benutzer sein, sondern die von Verifizierungsredaktionen und offiziellen Kommunikationskanälen der Regierung: ob es eine systemische Reaktion auf Einschleusungen geben wird oder ob der Staat wieder die Erklärungen engagierten Faktencheckern überlässt.

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