NYT: Khamenei bereitet einen Plan für den Fall seines Todes vor — wie sich das auf die Risiken im Nahen Osten auswirkt

Die New York Times berichtet, dass Irans oberster Führer einen Nachfolgeplan ausgearbeitet und die Ernennung von Ersatz-Führungskräften angeordnet habe — das sei nicht nur eine interne Umstellung, sondern ein Faktor, der die Wahrscheinlichkeit einer scharfen Eskalation und die Ablenkung westlicher Allianzen erhöhe.

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Алі Хаменеї (Фото: EPA/IRAN'S SUPREME LEADER OFFICE)

Was passiert ist — kurz

Nach Angaben der The New York Times hat der Ajatollah Ali Khamenei einen Mechanismus zur Regierungsführung für den Fall seiner eigenen Beseitigung vorbereitet. Die Zeitung beruft sich auf sechs hochrangige iranische Beamte, drei Vertreter der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) und zwei ehemalige Diplomaten. Demnach hat Khamenei mehrere Ebenen der Nachfolge festgelegt und die Schlüsselpersonen angewiesen, Ersatzkandidaten bereitzuhalten.

Details, die wichtig sind

Der NYT zufolge übertrug der oberste Führer Anfang Januar seinem Berater für nationale Sicherheit Ali Laridschani weitreichende Befugnisse, der seitdem angeblich faktisch die staatlichen Entscheidungen koordiniert. Gesprächspartner sagen jedoch, dass Laridschani wahrscheinlich nicht auf der offiziellen Liste religiöser Nachfolge-Kandidaten steht — ein wichtiger Punkt für die Legitimität einer möglichen Machtübergabe.

„Der Iran hat sich in den letzten sieben bis acht Monaten auf einen Krieg vorbereitet. Das Land strebt nicht an, einen bewaffneten Konflikt zu beginnen, aber im Falle eines Angriffs wird es eine Antwort geben.“

— Ali Laridschani, Berater für nationale Sicherheit (Interview mit Al Jazeera)

Militärische Vorbereitungen und Eskalationssignale

Gesprächspartner der NYT und Quellen bei der IRGC berichten von der Verlegung von Raketenstartvorrichtungen entlang der westlichen Grenze zum Irak und an der Südküste des Persischen Golfs. Diese Positionierung ermöglicht Angriffe sowohl auf Israel als auch — innerhalb der Reichweite — auf US-Stützpunkte. Zugleich berichteten Axios und CNN von Signalen aus Washington über die Bereitschaft des Militärs, einen Schlag gegen den Iran auszuführen; eine endgültige Entscheidung sei ihren Angaben zufolge noch nicht gefallen.

Innerer Druck und Protestwellen

Vor diesem Hintergrund haben in Iran wieder Studentenproteste in Teheran und Maschhad eingesetzt, in denen Rufe gegen den obersten Führer zu hören waren. Das erhöht die Unsicherheit im Land — das Regime bereitet sich gleichzeitig auf eine externe Bedrohung vor und steht unter innerem Druck.

Warum das für die Ukraine und unsere Partner wichtig ist

Eine Eskalation im Nahen Osten wirkt sich direkt auf die globale Sicherheit und die diplomatische Aufmerksamkeit westlicher Verbündeter aus. Müssen die USA und ihre Partner Ressourcen und politischen Willen auf einen neuen Einsatzraum konzentrieren, kann das Lieferungen von Waffen, Druck durch Sanktionen und diplomatische Unterstützung für die Ukraine verzögern oder erschweren. Zudem erhöht Instabilität das Risiko für die globalen Energiemärkte und Finanzströme, was der Wirtschaft während des Krieges direkt schadet.

Was weiter zu beobachten ist

- Ob die Namen der Nachfolgekandidaten bestätigt werden und wie sich das auf die Legitimität der Macht in Iran auswirkt; - Bewegungen der Raketeneinheiten und deren Einsatzbereitschaft; - die Entscheidung der USA über einen Schlag und die Reaktion der iranischen Führung; - das Ausmaß der innenpolitischen Proteste und das Risiko eines Bruchs innerhalb der Eliten.

Fazit

Die Ausarbeitung eines Nachfolgeplans ist nicht nur eine interne Vorsichtsmaßnahme: Sie ist ein Signal dafür, dass Iran sich auf das schlimmste Szenario vorbereitet. Für die Ukraine ist es wichtig, nicht nur den Fakt zu registrieren, sondern auch die möglichen Folgen — ob dadurch die Aufmerksamkeit und die Ressourcen unserer Partner in einem kritischen Moment abgelenkt werden. Ob sich der westliche Bündnisverbund gleichzeitig auf Bedrohungen in Europa und am anderen Ende der Welt einstellen kann, bleibt die zentrale Frage der kommenden Wochen.

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