Ein Drittel der Ukrainer gibt der Regierung die Schuld an den Stromausfällen — was das für Sicherheit und Politik bedeutet

Mehr als die Hälfte sieht die Ursache der Probleme in den russischen Beschießungen, doch 31 % machen die Regierung verantwortlich. Wir analysieren, warum die Kluft zwischen Fakten und Vertrauen zu einer politischen und operativen Herausforderung werden kann.

30
Aktie:

Laut dem Kiewer Internationalen Institut für Soziologie (KMIS) halten 54 % der Befragten russische Beschüsse für die Hauptursache der Stromausfälle, gegen die ein vollständiger Schutz nicht möglich ist. Gleichzeitig machen 31 % der Befragten die ukrainische Regierung verantwortlich — die Vorbereitung auf den Winter und die Abwehr der Folgen von Kriegstreffern sei unzureichend gewesen. Weitere 7 % nannten als Hauptursache die unzureichende Unterstützung durch westliche Partner, und 7 % waren unentschieden.

„54 % nannten die Beschüsse als Hauptfaktor, aber ein erheblicher Teil der Bürger sieht das Problem in Organisation und Vorbereitung — das ist ein Signal für Vertrauensverlust“

— KMIS, Pressemitteilung

Methodik und wichtige Hinweise

Die Umfrage wurde telefonisch vom 26. November bis 29. Dezember 2025 unter 1001 Befragten ab 18 Jahren in allen von der Regierung kontrollierten Regionen durchgeführt. Unter normalen Umständen beträgt der statistische Fehler für Werte nahe 50 % ≈ ±4,1 %. Allerdings steigt in Kriegszeiten die Wahrscheinlichkeit systematischer Verzerrungen — das ist bei der Interpretation des Ergebnisses zu berücksichtigen.

Warum das wichtig ist: Einordnung des Problems

Die Kluft zwischen der Anerkennung der Rolle der Beschüsse und der gleichzeitigen Schuldzuweisung an die Regierung lässt sich durch zwei Faktoren erklären. Erstens umfassen die Erwartungen der Bevölkerung an die Regierung nicht nur die Wiederherstellung der Netze, sondern auch präventive Maßnahmen — Reserven, mobile Energiequellen, Kommunikationskonzepte im Störungsfall. Zweitens die Informations- und die emotionale Komponente: Wenn Menschen Kälte und Dunkelheit erleben, beurteilen sie nicht nur die Ursache, sondern auch das Gefühl von Fürsorge und der Kompetenz derjenigen, die die Krise managen.

Politische und operative Folgen

Ein niedriges Maß an Vertrauen hat praktische Folgen: Es erschwert die Umsetzung von Notfallentscheidungen, schwächt die Bereitschaft der Bevölkerung, schwierige Kompromisse einzugehen, und beeinflusst die Wahrnehmung internationaler Hilfe. Das Razumkow-Zentrum stellt in parallelen Umfragen fest, dass 68 % die Kampfhandlungen an der Front als das wichtigste Problem ansehen, während 30 % Ausfälle grundlegender Dienstleistungen (Kommunikation, Wasser, Elektrizität) nennen. Diese Daten fügen sich in ein größeres Bild: Fragen des Vertrauens und der grundlegenden Infrastruktur beeinflussen sowohl die Sicherheit als auch die Stabilität der Gesellschaft.

Was hier und jetzt getan werden kann

Experten und Energiefachleute empfehlen, sich auf mehrere Prioritäten zu konzentrieren: transparente Information der Bevölkerung über Pläne und Zeitrahmen der Wiederherstellung; beschleunigte Modernisierung kritischer Infrastruktur unter Berücksichtigung kriegsbedingter Risiken; Ausbau lokaler und mobiler Energiequellen; sowie gezielte Hilfe von Partnern zur Stärkung der Reserven. Diese Schritte wirken nicht nur als technische Lösungen, sondern auch als Faktor zur Wiederherstellung von Vertrauen.

Schlussfolgerung

Die KMIS-Umfrage ist ein Signal: Die Mehrheit der Ukrainer erkennt die Rolle der Beschüsse, doch ein erheblicher Teil empfindet, dass der Staat sich besser hätte vorbereiten können. Für die Führung ist das nicht nur Statistik — es ist ein Test für Effektivität im Management während des Krieges. Ob die Ankündigungen zur Stärkung der Infrastruktur in konkrete Maßnahmen umgemünzt werden und ob sich das Vertrauen der Bevölkerung verbessert — davon hängt nicht nur die politische Stabilität, sondern auch die operative Widerstandsfähigkeit des Landes ab.

Weltnachrichten