South Korea Aerospace Industries diskutiert bereits seit Jahren über eigene Luftabwehrsysteme, während Seoul Kiew erklärt, warum es keines davon abgeben kann. Yonhap berichtet unter Berufung auf eine Quelle im südkoreanischen Außenministerium, dass Entscheidungen über militärische Hilfe für die Ukraine „unter Berücksichtigung der Anforderungen der innerstaatlichen Gesetzgebung" getroffen werden – und diese Gesetzgebung sagt bislang „nein".
Das Paradoxon der Seouler Vorsicht
Die Logik wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Südkorea ist offiziell besorgt, dass Russland von Nordkorea ballistische Raketen und Kampftruppen erhält – nach Selenskyjs Angaben plant Moskau, noch 30.000 nordkoreanische Soldaten einzusetzen. Seoul sieht also, wie Waffen und Technologien, die genau für die Abwehr gegen sich selbst entwickelt wurden, nun in einem echten Krieg tausende Kilometer entfernt erprobt werden. Es würde logisch erscheinen, diese Gelegenheit zu nutzen und zu beobachten, wie diese Waffen gegen eine moderne Armee funktionieren – genau das, was die Ukraine im Gegenzug für die Lieferung von Luftabwehrsystemen zeigen könnte. Doch das innerstaatliche Gesetz, das den Export von tödlicher Waffe in Zonen aktiver Konflikte verbietet, erweist sich als stärker als dieses Argument.
Was Seoul stattdessen anbietet
Ein Vertreter des Außenministeriums verdeutlichte, dass die Unterstützung der Ukraine weitergehe – aber in anderen Formaten: Energiewirtschaft, Infrastruktur, Gesundheitswesen, Bildung. Dies ist kein Gnadenakt zur Umgehung des Gesetzes, sondern eine bewusste Strategie: den Wiederaufbau unterstützen, ohne die Grenze zu überschreiten, die Südkorea in den Augen seiner eigenen Bevölkerung und seiner Nachbarn zu einer Seite des bewaffneten Konflikts macht.
„Die Position unserer Regierung besteht darin, dass diese Zusammenarbeit [zwischen Russland und Nordkorea] sofort beendet werden muss. Wir beobachten die Situation aufmerksam", sagte ein Beamter des Außenministeriums.
Die regionale Berechnung ist wichtiger als die ukrainische
Für Seoul ist die Situation in der Ukraine zunächst einmal ein Test dafür, wie bereit Pjöngjang ist, Raketentechnologien und Kampferfahrung gegen russische Unterstützung einzutauschen. Andrij Tscherniak vom Hauptdirektorat für Geheimdienste berichtete Reuters über die Stationierung einer Abteilung der nordkoreanischen Raketentruppen im Westen Russlands – und dies ist bereits weniger eine Frage für Kiew als vielmehr für Seoul selbst: ob diese Erfahrung in Form einer modernisierten Armee der KNDR an der eigenen Grenze zurückkehren wird.
Deshalb zieht es Südkorea vor, das Bündnis zwischen Moskau und Pjöngjang mit Worten zu kritisieren, nicht mit Taten, die dieses Bündnis nur noch verstärken könnten. Die einzige Frage ist, ob diese vorsichtige Position standhält, wenn Pjöngjang von Russland Technologien erhält, die das Kräfteverhältnis auf der Koreanischen Halbinsel schneller verändern, als diplomatische Vorbehalte wirken können.