Am 14. Juli stimmte die Werchowna Rada für die Entlassung von Premierministerin Julia Swiridenko zusammen mit dem gesamten Kabinett. 258 — dafür, einer — dagegen, fünf enthielten sich. Bis zum Jahrestag ihrer Ernennung fehlten drei Tage.
Ein Jahr zwischen Front und Fonds
Swiridenko übernahm das Kabinett am 17. Juli 2025 — als erste Premierministerin in der Geschichte der Ukraine. Selenskyj formulierte die Aufgaben damals ohne Romantik: Anteil heimischer Waffen an der Front, Deregulierung, Digitalisierung, realistische Sozialpolitik. Das Kriterium — „jeder Tag muss Ergebnisse bringen".
Das Jahr erwies sich als das schwerste während des gesamten Krieges im großen Stil: Wechsel der US-Politik, ungarische Blockaden in der EU, Ölkrise, Rekordterror in der Heizperiode. Vor diesem Hintergrund gelang es der Regierung, einige konkrete Ergebnisse zu erzielen.
Im November 2025 einigten sich die Ukraine und der IWF auf ein neues vierjähriges erweitertes Finanzierungsprogramm — 8,1 Milliarden Dollar. Parallel dazu koordinierte Swiridenko zusammen mit damaligen Stellvertretern Sobolew und Katschka die Details eines Abkommens über Rohstoffe mit der Trump-Administration. Die erste Investition des Ukrainisch-Amerikanischen Investitionsfonds für Wiederaufbau (URIF) wurde im März 2026 genehmigt.
„Mein erstes Gefühl nach zwei Tagen — die Situation hat sich geändert"
Julia Swiridenko nach Verhandlungen in Washington
Unter den Misserfolgen — geringe politische Unabhängigkeit: Kritiker stellten fest, dass wichtige Entscheidungen im Präsidentenamt getroffen wurden, während das Kabinett eine technische Rolle spielte. Vor der abschließenden Abstimmung hielt Swiridenko eine Abschiedsrede, erklärte aber nicht die Gründe für ihren Rücktritt — sie zitierte lediglich Selenskyj: Der Präsident hält es für notwendig, „die Regierung zu erneuern und einzelne Bereiche zu stärken".
Wohin es weitergeht — und warum das wichtig ist
Kommissarischer Premierminister wurde Denys Schmyhal — derselbe, den Swiridenko vor einem Jahr ersetzt hatte. Dem Bericht mehrerer ukrainischer Medien zufolge bleibt der Chef des Nationalkonzerns „Naftohaz" Serhij Koretzkyj der Hauptanwärter auf den ständigen Posten, obwohl die offizielle Antragstellung beim Parlament noch nicht erfolgt ist.
Was Swiridenko selbst betrifft: Selenskyj bot ihr die Position eines Botschafters in den USA an — logisch angesichts ihrer Erfahrung bei direkten Verhandlungen mit der Trump-Administration. Nach Angaben der „Telegraf" hat sie dieses Angebot abgelehnt. Der Rundfunk berichtete seinerseits, dass zum 13. Juli noch keine Antwort vorlag.
Falls Swiridenko Washington wirklich ablehnt — wird die Ukraine nach einem Botschafter in den USA suchen, gerade wenn das Rohstoffabkommen betriebliche Unterstützung benötigt und die Verhandlungen über einen EU-Kredit von 90 Milliarden Euro von einer ungarischen Blockade abhängen. Der neue Premierminister erhält diese offenen Dateien am Tag seiner Ernennung.