Das Treffen in Mar-a-Lago am 28. Dezember zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj brachte einen rhetorischen Durchbruch – ließ aber Fragen offen, von denen jeder echte Waffenstillstand abhängt.
Was vereinbart wurde – und wo die Unterschiede zwischen Washington und Kiew liegen
Nach dem Treffen erklärte Selenskyj, es gebe „bemerkenswerte Erfolge": Der 20-Punkte-Friedensplan wurde zu 90% abgestimmt, Sicherheitsgarantien zwischen USA und der Ukraine – zu 100%, die militärische Dimension – ebenfalls zu 100%. Trump bewertete dieselben Vereinbarungen vorsichtiger und sagte nur, dass die Verhandlungen Fortschritte gemacht hätten und die Seiten sich dem Abkommen „vielleicht sehr nahe" befänden.
„Wir haben einen 20-Punkte-Friedensplan, 90% sind abgestimmt, und Sicherheitsgarantien USA–Ukraine, 100% sind abgestimmt"
Präsident Selenskyj nach dem Treffen in Mar-a-Lago, 28. Dezember 2025
Zwei Punkte des Plans sind noch offen. Nach Angaben von Kyiv Independent sind dies Punkt 12 (Kontrolle über das Kernkraftwerk Saporizhzhia) und Punkt 14 (Status des Donbas). Hier liegt die größte Kluft: Russland verlangt, dass die Ukraine ihre Truppen aus der gesamten Region abzieht, Selenskyj schlägt eine „entmilitarisierte Zone" vor. Das Abkommen enthält auch keinerlei Erwähnung einer NATO-Mitgliedschaft der Ukraine.
Kontrollmechanismus: vorhanden, aber eng
Der 20-Punkte-Plan, den Selenskyj bereits am 24. Dezember vorgestellt hatte, sieht eine Überwachung der Kontaktlinie durch satellitengestützte unbemannte Überwachung und Früherkennung von Verstößen vor. Der Plan sieht Sanktionen für Verstöße gegen das Abkommen vor. Der Mechanismus löst jedoch nicht die Frage der Souveränität über umstrittene Territorien – das Dokument schlägt nur eine „Arbeitsgruppe" für weitere Abstimmungen vor.
Putin – zum Gespräch bereit, aber nicht zu Zugeständnissen
Vor dem Treffen mit Selenskyj führte Trump ein Telefonat mit Putin und nannte es „gut und sehr produktiv". Nach Angaben von ABC News blieben jedoch die heißesten Fragen – insbesondere territoriale – ungelöst. Trump lehnte die Idee eines sofortigen Waffenstillstands als Verhandlungsbedingung erneut ab und zeigte Verständnis für Putins Position: erst ein vollständiges Abkommen, dann ein Waffenstillstand. Der Kreml verstärkt währenddessen den Druck im Donbas und plant nach Putins Aussage, die Kontrolle über alle vier besetzten Regionen zu etablieren.
- Russland verlangt den Abzug ukrainischer Kräfte aus dem gesamten Donbas
- Putin lehnt einen Waffenstillstand ohne vollständiges Abkommen ab – und machte keine öffentlichen Zugeständnisse
- Ein Kreml-Berater lobte die „Friedensbemühungen" Trumps – nicht das Abkommen selbst
- Selenskyj lässt einen Referendum über den Plan zu, wenn Russland einem Waffenstillstand von mindestens 60 Tagen zustimmt
Deklaration oder Grundgerüst?
Die „zu 100% abgestimmten" Sicherheitsgarantien zwischen USA und der Ukraine – das ist eine Errungenschaft, die Kiew seit Jahren angestrebt hatte. Aber Garantien ohne Durchsetzungsmechanismus – das sind Versprechen auf dem Papier. Weder Trump noch Selenskyj erklärten, was geschieht, wenn Russland das künftige Abkommen bricht – und wer genau der Garant der Reaktion sein wird.
Wenn Moskau in den kommenden Wochen keinen Schritt hin zu Verhandlungen unternimmt – weder zum Kraftwerk Saporizhzhia noch zum Donbas – wird deutlich: Die diplomatische Aktivität im Dezember war ein PR-Erfolg für Trump und eine taktische Pause für Putin.