Wenn von Angriffen auf Verlage die Rede ist, ist es leicht, sich abstrakte Schadensersatzziffern vorzustellen. Aber hinter den Worten „600 000 Lehrbücher verloren" steht eine konkrete Schule im September, in der eine Klasse mit dreißig Kindern möglicherweise nicht über ein grundlegendes Lehrbuch für Mathematik oder Ukrainisch verfügt — und der Lehrer muss improvisieren.
Das Ukrainische Buchinstitut hat eine Erklärung an internationale Verlage veröffentlicht mit der Bitte, die Beziehungen zu russischen Kollegen nicht als symbolischen Gesten, sondern als praktischen Schritt zu beenden: Nach ihren Angaben haben allein die Angriffe im Juli und August etwa 850 000 Bücher in Kyjiw zerstört und Charkiw Schäden von fast einer Milliarde Hrywnja zugefügt.
Wo genau bricht die Lieferkette zusammen
Die Zerstörung der Druckerei „Konvi" in Kyjiw ist nicht nur ein verlorener Auflagendruck, sondern ein beschädigtes Glied in der Produktion: Dort wurden Teile der Produktion für Dutzende von Verlagen gedruckt, von „Ranok" bis „Knieholow". Wenn ein leistungsstarkes Druckerei ausfällt, spüren alle, die sich an sie gewandt haben, sofort Verzögerungen, unabhängig davon, ob ihr eigenes Büro betroffen war.
In Charkiw ist die Situation anders: Ein Angriff auf die RNK-Ranok-Lager zerstörte sofort fast 8 Millionen Produkteinheiten — es geht nicht mehr um Produktionskapazität, sondern um die physische Zerstörung von fertigem Waren, das diesen Sommer in die Schulen hätte gehen sollen.
Warum ist das jetzt so kritisch
Lehrbücher sind ein Produkt mit einem strengen Saisonzyklus: Sie werden im Frühling und Sommer gedruckt, um bis September verteilt zu werden. Der Verlust eines Auflagendrucks im Juli bedeutet, dass es physikalisch schwierig ist, einen Neudruck bis zum 1. September zu erstellen und zu liefern, selbst wenn Mittel und Papier verfügbar sind.
Der Staat hat bereits beauftragt, einen Kompensationsmechanismus für die Branche vorzubereiten, aber der Prozess der Auflagenerstellung dauert Monate — und das Schuljahr wartet nicht.
Daher richtet sich die Erklärung des UBK nicht nur an Regierungen, sondern konkret an die Verlagsgemeinschaft: eine Bitte, nicht nur die Angriffe zu verurteilen, sondern die Wiederherstellung direkt zu finanzieren. Dies ist eine Anerkennung, dass die staatliche Kompensation mit einer Verzögerung eintreffen wird, die Schulen sich nicht leisten können.
- Der Gesamtverlust der Branche für Juli-August wird auf über 1,5 Millionen Bücher und Lehrbücher geschätzt.
- Die Regierung hat am 27. Juli beauftragt, einen Unterstützungsmechanismus für die Branche zu entwickeln; konkrete Summen wurden noch nicht bekannt gegeben.
Die Frage für September ist einfach: Wird die Branche es schaffen, die zerstörten Lehrbücher vor der Schulglocke zu ersetzen, oder werden die Schulen das Jahr mit einem Mangel beginnen und auf gedruckte Bücher während des Unterrichts warten?