Die USA bieten Grönland COFA an — Bewährungsprobe für die Einheit der Verbündeten und die Sicherheit in der Arktis

The Economist berichtet, dass die USA einen Compact of Free Association (COFA) mit Grönland prüfen — keine direkte Annexion, sondern ein Instrument zur Ausweitung militärischer Handlungsspielräume. Warum das heute wichtig ist und welche Folgen das für die NATO und für internationale Normen hat, die auch die Ukraine schützen.

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In großer Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern leise Absprachen

The Economist berichtet: Die US‑Administration prüft den Vorschlag Grönlands, einen Vertrag über freie Assoziation (COFA) zu schließen. Das ist keine direkte Angliederung der Insel, sondern eine juristische Form, die in der Geschichte im Pazifik (Mikronesien, Marshallinseln, Palau) angewandt wurde und den USA größere militärische und administrative Handlungsfreiheit in küstennahen Gebieten verschafft.

Was ein COFA ist und worin der Knackpunkt liegt

Ein COFA sieht traditionell wirtschaftliche Vergünstigungen und zollfreien Handel für die zustimmende Partei vor, doch am wichtigsten ist das Spezialregime für die US‑Streitkräfte: Stationierung von Basen, Logistik, ein vereinfachtes Präsenzregime. Nach Angaben der Zeitung führten US‑Vertreter direkte Gespräche mit Grönland, um Dänemark zu umgehen — und stießen auf Ablehnung. Gleichzeitig gewähren bestehende Abkommen zwischen den USA und Dänemark den Amerikanern bereits das Recht, Truppen in Grönland zu stationieren; ein COFA würde jedoch die politische Logik verändern — von Beziehungen über einen Verbündeten hin zu direkten Verpflichtungen gegenüber der lokalen Regierung.

Personal, Rhetorik, Signal an die Region

Die Rhetorik Donald Trumps und die Ernennung eines Sondergesandten für Grönland werden als Teil einer Druckpolitik gewertet. Wenn Trump die Abkommen als „große Geschäftsvereinbarungen“ darstellt, ist das ein Signal für das Bestreben, strategisch wichtige Gebiete durch juristische Konstrukte zu sichern, statt durch offene Annexion.

„Die Vereinbarungen würden den Grönländern ‚enorme Reichtümer‘ bringen“

— Donald Trump, Ex‑Präsident der USA (Zitat aus den genannten Veröffentlichungen)

Reaktion der Verbündeten und Risiken eines Präzedenzfalls

Die dänische Regierung hat bereits mehrfach Besorgnis geäußert: Eine direkte Politik Washingtons gegenüber Grönland untergrabe die Rolle Kopenhagens als verantwortlichen Partner. Nach Erkenntnissen der dänischen Geheimdienste haben die amerikanischen Aktionen im vergangenen Jahr sogar Spannungen in die bilateralen Beziehungen gebracht, und einige Parlamentsvertreter stellen solche Schritte offen in Frage, was die Sicherheit der Region betrifft.

„Wenn man Trump erlaubte, Grönland zu übernehmen, würde das Putins Aggression legitimieren“

— Ein dänischer Abgeordneter (Kommentar LIGA.net)

Warum das für die Ukraine von Bedeutung ist

Auf den ersten Blick liegt die arktische Angelegenheit weit von der Ukraine entfernt. Doch wichtiger als das Territorium ist das Prinzip: Können große Akteure Allianzmechanismen umgehen und die Spielregeln durch juristische Schlupflöcher ändern? Für die Ukraine geht es um die internationale Ordnung und um Präzedenzfälle: Wenn eine stärkere Partei erfolgreich den Status eines Gebiets durch bilaterale Abkommen ändert, verringert das die Hürden für ähnliche Transaktionen in anderen Regionen und schwächt die Mechanismen zum Schutz der territorialen Integrität.

Fazit

Das US‑Interesse an einem COFA mit Grönland ist nicht nur eine arktische Strategie, sondern ein Test für die Geschlossenheit der Alliierten und die Beständigkeit der Regeln der internationalen Ordnung. Für Kiew ist es wichtig, nicht nur die Geografie, sondern auch juristische Konstruktionen und diplomatische Praktiken zu beobachten, die Präzedenzfälle schaffen könnten. Ob die Verhandlungen zur neuen Norm werden, ist eine Frage an die Verbündeten: Werden sie die Regeln verteidigen, wenn ein Partner beschließt, entgegen der kollektiven Logik zu handeln?

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