Am Morgen des 7. Juni, am Tag der Parlamentswahlen in Armenien, landeten sechs Kandidaten für das Parlament aus dem Bloc «Starmes Armenien» hinter Gittern. Das Gericht bestätigte ihre Verhaftung wegen Vorwürfen der Geldwäsche und Bestechung von Wählern. Gleichzeitig bleibt ihre Partei auf dem Stimmzettel — die Wahlkommission weigerte sich, sie zu streichen.
Schema: Bargeld in Artaschad und NGOs als Tarnung
Das Ermittlungskomitee Armeniens gab Details des Schemas bekannt. Nach Angaben der Ermittler organisierte einer der Kandidaten aus dem Bloc die Verteilung von Bestechungsgeldern in Höhe von 100.000 bis 500.000 armenischen Dram (von ~260 bis ~1.300 Dollar) an über 100 Wähler in der Stadt Artaschad im Austausch für Stimmen bei der Wahl am 7. Juni. Insgesamt wurden im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen des Verdachts der Wählerbeeinflussung über 40 Personen festgenommen.
Gleichzeitig veröffentlichte der Antikorruptionsausschuss eine Audioaufnahme, auf der die Verdächtigen nach Angaben der Ermittler Details des Schemas im Parteibüro im Jerewaner Bezirk Adschapnjak diskutieren. Die Anwälte der Verdächtigen bestreiten die Beteiligung ihrer Mandanten.
«Die Ermittlungen haben ergeben, dass die für das Parteibüro im Bezirk Adschapnjak verantwortlichen Personen zusammen mit ihren Komplizen Wählern Bestechungsgelder anboten und versprachen, bevor die Wahlen am 7. Juni stattfanden».
— Antikorruptionsausschuss Armeniens
Wer steht hinter dem Bloc
«Starmes Armenien» ist ein Projekt von Samwel Karapetjan, einem armenisch-russischen Milliardär, der die Stromnetze Armeniens kontrolliert. Er selbst befindet sich seit Sommer 2025 in Haft wegen Vorwürfen der Geldwäsche und Aufrufen zur Machtergreifung — diese Vorwürfe bestreitet er. Der Anführer der Parteiliste Narek Karapetjan (kein Verwandter) erhielt separate Anschuldigungen wegen Verschleierung der russischen Staatsbürgerschaft.
Nach Angaben von Reuters unter Berufung auf fünf westliche Geheimdienstquellen schuf der Kreml im Herbst 2025 eine spezielle Struktur zur Koordinierung von Einflussvorgängen in Armenien — insbesondere plante er, etwa 100.000 Wähler aus Russland nach Jerewan zu bringen und den Medienbetrieb «Jerewan-1» mit dem Narrativ über die Notwendigkeit einer Allianz mit Moskau zu starten. Reuters konnte nicht bestätigen, ob der Plan mit den Wählern umgesetzt wurde.
Wahlkommission: Nicht streichen, aber verhaften
Vor der Wahl wandte sich die Partei «Republik» an die Wahlkommission mit der Forderung, die Registrierung von «Starmes Armenien» zu annullieren — wegen Strafverfahren zur Wählerbeeinflussung. Die Wahlkommission lehnte ab. Stattdessen genehmigte sie die strafrechtliche Verfolgung und Verhaftung von sechs Kandidaten — das heißt, die Partei nicht von der Wahl zu streichen, sondern ihre Vertreter in der letzten Phase der Kampagne auszuschalten.
- Wahlumfrage von «Starmes Armenien» vor der Wahl — etwa 6%
- Wahlumfrage von Paschinjans «Zivilvertrag» — etwa 32%
- Über 40 Personen wurden im Rahmen der Ermittlungen zur Wählerbeeinflussung durch den Bloc verhaftet
- Am 4. Juni kündigte die EU ein Unterstützungspaket für Armenien im Wert von über 50 Millionen Euro an
Verteidiger der Verhafteten und der Bloc selbst qualifizieren die Verfolgung als politisch. Die Behörden behaupten: Die Beweise wurden vor der Wahl gesammelt und sind das Ergebnis der routinemäßigen Arbeit der Ermittlungen, nicht der Wahlkampagne.
Die Schlüsselfrage, deren Antwort sich nach der Auszählung der Stimmen zeigen wird: Wenn «Starmes Armenien» trotz Verhaftungen und einer Wahlumfrage von 6% die parlamentarische Hürde überwindet — bedeutet dies, dass das Schema trotz Ermittlungen funktioniert hat, oder dass die Wähler gegen Druck abgestimmt haben?