Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einem Interview mit Associated Press konkret: Russland hat dem Iran Satellitenaufklärungsdaten über 50–53 Anlagen der zivilen Energieinfrastruktur Israels übergeben. Keine militärische Nutzung — nur Stromnetze und Systeme, ohne die das Land nicht funktionsfähig wäre.
„Sie helfen dem Iran, Angriffe durchzuführen. Es geht um zivile Infrastruktur ohne jegliche militärische Zweckbestimmung.“
Wolodymyr Selenskyj, Interview mit AP, 5. April 2025
Nicht zum ersten Mal und kein Zufall
Die Aussage über Israel ist nur ein Kapitel einer Serie. Zuvor hatte Selenskyj offenbart, dass russische Satelliten dreimal die US-Luftwaffenbasis Prince Sultan in Saudi-Arabien fotografierten — am 20., 23. und 25. März — wenige Tage vor dem iranischen Schlag auf diese Einrichtung. Laut der Washington Post liefert Moskau systematisch Teheran Aufklärungsdaten über Standorte amerikanischer Militärkräfte im Nahen Osten.
Parallel dazu die technische Komponente: Nach Angaben des Middle East Forum hat Russland die iranischen Shahed-Drohnen erheblich modernisiert und den Motor durch einen kompakten Turbojet-Motor ersetzt, was die Geschwindigkeit verdreifacht. Die Technologie, an ukrainischen Städten erprobt, könnte nun in modifizierter Form gegen Israel eingesetzt werden.
Im Januar 2025 unterzeichneten Russland und Iran ein Abkommen über strategische Partnerschaft, das die militärisch-defensive Kooperation zwischen beiden Ländern offiziell festschreibt.
Was Selenskyj Netanjahu anbietet — und warum dieser schweigt
Kiew bietet Jerusalem offen einen Austausch an: Die Ukraine hat Erfahrung im Abwehrkampf gegen iranische Drohnen, Israel besitzt Systeme, die den Streitkräften der Ukraine fehlen. Wie die Times of Israel berichtet, formulierte Selenskyj das klar:
„Er hat, was ich brauche, und ich habe, was er braucht. Ich bin zu diesem Dialog bereit.“
Selenskyj — über mögliche Verhandlungen mit Netanjahu
Doch Jerusalem zögert. Nach Selenskyjs Angaben fand sein letzter Austausch mit Netanjahu bereits im Januar 2025 statt. Israel hat nicht um Hilfe aus der Ukraine gebeten, während Jordanien, Saudi-Arabien und die VAE bereits ukrainische Militärspezialisten zur Abwehr von Drohnen empfangen haben. Der Grund für die israelische Zurückhaltung ist kein Geheimnis: Jerusalem balanciert seit Jahren zwischen Moskau und Kiew, unter anderem um seine Handlungsfreiheit im syrischen Luftraum zu bewahren.
„Selbst wenn Russland dem Iran hilft, balanciert der Premierminister meiner Ansicht nach trotzdem weiterhin.“
Selenskyj — zur Haltung Netanjahus, Times of Israel
Die Logik Moskaus: Destabilisierung als Strategie
Selenskyj betont, dass die Weitergabe von Aufklärung nicht als Gefallen an einen Verbündeten zu verstehen sei, sondern als bewusste Strategie anhaltender Instabilität: Russland unterstützt den Iran mit Aufklärung und Drohnen, um den Konflikt im Nahen Osten zu verlängern, die Aufmerksamkeit des Westens von der Ukraine abzulenken und an Öl- und Gaseinnahmen zu verdienen, die nicht durch Sanktionen gebunden sind. Die Vorgehensweise ist wiedererkennbar — Moskau hat jahrelang gezielt ukrainische Stromnetze und die Wasserversorgung nach denselben Prinzipien der Schädigung kritischer ziviler Infrastruktur angegriffen.
- Aufklärung: Satellitenbilder von Anlagen — von US-Stützpunkten bis zu den Energiesystemen Israels
- Technologie: modernisierte „Shahed“-Drohnen mit Turbojet-Motoren
- Finanzierung: Öl- und Gaseinnahmen, die nicht durch Sanktionen blockiert sind, fließen in den militärisch-industriellen Komplex
Analysten aus offenen Quellen verzeichnen einen Anstieg des Datentraffics zwischen russischen und iranischen Servern, der mit den Überflügen von Aufklärungssatelliten zusammenfällt.
Wenn Israel verifizierte Beweise erhält, dass die Koordinaten seiner Energieanlagen bereits in iranischen Datenbanken liegen, geht es nicht darum, ob Netanjahu seine Rhetorik des „Ausgleichs“ ändern wird, sondern darum, ob vor dem ersten Schlag auf das Netz noch genug Zeit bleibt, um diesen Ausgleich zu überdenken.