Auf der Startbahn der Andrews-Basis sprach Donald Trump über einen Mordanschlag auf sich selbst, als würde er eine Episode eines Action-Films nacherzählen. „Mir wird oft gedroht", warf er Journalisten am Dienstagabend hin, als sie ihn fragten, ob er von einer konkreten Bedrohung während des NATO-Gipfels in Ankara gewusst hatte. Nach Angaben des Präsidenten war es nicht das Weiße Haus, sondern der Secret Service zusammen mit dem Militär, das beschloss, ihn von der Air Force One auf ein Militärflugzeug umzubuchen — und er befolgte einfach die Anweisung.
Das Schema war kompliziert: Während Trump mit einem anderen Flugzeug flog, setzte die präsidentielle Air Force One ihren Flug wie geplant fort — mit Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent an Bord. Verteidigungsminister Pete Hegseth flog zusammen mit dem Präsidenten in demselben Militärflugzeug. Alle drei wussten im Voraus von der Substitution.
Was genau passierte in der Luft
Nach Angaben der Washington Post, auf die sich ABC News bezieht, machte die Operation die Air Force One zur „Köder" mit Journalisten und einem Teil des Weißen-Haus-Personals an Bord. Die Fenster des Flugzeugs, in dem der Präsident „sein sollte", wurden während des gesamten Flugs geschlossen gehalten, und der Transponder wurde ausgeschaltet — obwohl Trump selbst nicht an Bord war. Eine Quelle der Publikation sagt direkt: Wenn der Präsident aus dem Flugzeug entfernt wurde, bedeutet das, dass die Bedrohung für diesen Flugzeug real blieb.
Trump selbst stellte dies in seinem Kommentar an Journalisten anders dar — angeblich war das Flugzeug, in dem er flog, das riskantere: „Ich denke, dass er dem größeren Risiko ausgesetzt war, weil ich denke, dass dieses Flugzeug eher derjenige ist, den sie gewählt hätten". Formal widerlegt dies die Logik des „Köders", bei dem die Gefahr sich auf das leere — oder besser gesagt, mit Untertanen ohne Präsident gefüllte — Flugzeug konzentrieren sollte. Während des eigentlichen Flugs erklärte Trump den Flugzeugwechsel öffentlich alltäglich: Die alte Air Force One wurde nach Großbritannien geschickt, damit das Militär das neue Flugzeug inspizieren konnte, das Katar geschenkt hatte.
Warum wurde dies erst jetzt offenbart
Die Details der Operation wurden nicht bekannt, weil das Weiße Haus beschloss, damit zu prahlen. Zunächst berichteten CBS und ABC News bereits im Juli über den Flug aufgrund der iranischen Bedrohung, dann fügte die Washington Post Details über den Transponder und die geschlossenen Fenster hinzu. Trumps Kommentar auf der Startbahn der Andrews-Basis ist bereits eine Reaktion auf die Ermittlungen und keine Initiative des Teams des Präsidenten. Weiter zu schweigen ergab keinen Sinn: Wenn drei Kabinettsmitglieder öffentlich als Passagiere des „Köder-Flugzeugs" auftreten, wird eine offizielle Bestätigung billiger als eine Woche voller ausweichender „kein Kommentar".
In einer Stellungnahme für ABC News wählte das Weiße Haus einen Rahmen der Selbstverteidigung und nicht der Geheimhaltung: „Amerika hat viele Feinde, die auf ihn abzielen, und wir nutzen alle Mittel, die uns zur Verfügung stehen, um diesen Bedrohungen entgegenzuwirken". Dies ist eine für die Verwaltung vorteilhafte Version: Die Tötungsbedrohung bestätigt das Bild Trumps als Ziel feindlicher Staaten und rechtfertigt die Härte gegenüber dem Iran ohne die Notwendigkeit, neue Geheimdienstbelege vorzubringen.
Wem nützt dies und wem schadet es
- Trump und sein Team — die Geschichte verstärkt das Bild des Präsidenten, den feindselige Regime töten wollen, was die Wählerbasis festigt und die stumme Unterstützung für harte Maßnahmen gegen Teheran fördert.
- Secret Service und Pentagon — die öffentliche Bestätigung, dass die Operation von diesen Stellen initiiert wurde und nicht vom Weißen Haus, lindert die Verdächtigungen gegenüber den Behörden, die Bedrohung zu übertreiben, um den Präsidenten zu fördern.
- Dem Iran — im Gegenteil, nachteilig: Die Bestätigung eines konkreten Mordversuchs gibt Washington ein zusätzliches Argument für Sanktionen oder Schläge ohne die Notwendigkeit, Geheimdienstquellen offenzulegen.
Trumps Gegner nähern sich von einer anderen Seite — nicht die Bedrohung selbst zu bestreiten, sondern zu fragen, warum Journalisten und ein Teil des Weißen-Haus-Personals bewusst an Bord eines Flugzeugs gehalten wurden, das der Secret Service für anfälliger hielt, ohne sie über das tatsächliche Risikoniveau zu warnen. Die Frage nach der Grenze zwischen dem Schutz des Präsidenten und der Gefährdung von Menschen, die von der Substitution nicht wussten, bleibt offen — und genau diese Frage, nicht die Tatsache der Existenz des „Köders" selbst, könnte zum Thema von Kongressanhörungen werden.
Wenn der Secret Service tatsächlich eine konkrete Raketenbedrohung durch den Iran genau zum Zeitpunkt des Abflugs aus Ankara registriert hat, ist logischerweise zu erwarten, dass die zuständigen Kongresskomitees in den kommenden Wochen um Details bitten werden. Die Frage ist nur, ob die Verwaltung sich bereit erklärt, etwas über bereits aufgebrauchte öffentliche Erklärungen hinaus freizugeben.