Als Selenskyj am 18. August in Washington ankam, sah das diplomatische Szenario folgendermaßen aus: zunächst — bilaterales Treffen zwischen Putin und Selenskyj, dann — trilaterales Treffen unter Beteiligung Trumps. Genau diese Tagesordnung wurde im Oval Office besprochen. Doch bereits am nächsten Tag erinnerte der Kreml daran, dass jedes Treffen auf höchster Ebene „sorgfältige Vorbereitung" erfordert — und nannte kein konkretes Datum.
Was wirklich vereinbart wurde — und was noch fehlt
Nach Angaben von CNN teilte Selenskyj mit, dass die Diskussionen ein Sicherheitsgarantiepaket umfassten: Die Ukraine plant, amerikanische Waffen im Wert von 90 Milliarden Dollar mit europäischer Finanzierung zu kaufen, sowie die eigene Drohnenproduktion aufzubauen — teilweise würden die USA diese Drohnen kaufen. Wie CNBC berichtet, erklärte Selenskyj, dass die Vereinbarung „innerhalb einer Woche bis zehn Tagen schriftlich festgehalten" werden soll. Details des Kontrollmechanismus wurden bislang nicht veröffentlicht.
Trump lehnte bei dem Treffen seine vorherige Forderung nach einer Waffenruhe vor Verhandlungen ab — nun spricht er von einer „Friedensvereinbarung", die während der Kämpfe geschlossen werden kann. Dies entspricht der Position Moskaus, das sich nie auf ein vollständiges Waffenstillstand geeinigt hat.
«Wir sind zu jedem Format bereit, jederzeit. Ich bin überzeugt, dass das trilaterale Treffen fortgesetzt werden sollte».
Wolodymyr Selenskyj, 22. April 2025
Die Taktik des Kremls: weder «nein» noch «ja»
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, dass das Treffen «Gegenseitigkeit von Kyjiw» erfordert — eine Standardformel, die es ermöglicht, jede Vereinbarung ohne direkter Ablehnung zu verschleppen. Wie der Kyiv Independent feststellte, lehnte der Kreml nach dem Alaska-Gipfel zwischen Trump und Putin Trumps Behauptung ab, dass Vereinbarungen über die Organisation eines Treffens mit Selenskyj erreicht worden seien. Putin wiederum weigert sich, mit dem ukrainischen Präsidenten in dritten Ländern außerhalb Russlands und Weißrusslands zu treffen, lädt Selenskyj stattdessen nach Moskau ein.
- Das Weiße Haus (Pressesprecherin Karoline Leavitt): Die Vorbereitung eines bilateralen Treffens Putin — Selenskyj «läuft».
- Trump (Fox News): Das trilaterale Format wird «falls nötig» stattfinden — nach direkten Verhandlungen zwischen den beiden Führungspersonen.
- Trump (Fox News): Es werden keine amerikanischen Truppen zur Sicherung einer Friedensvereinbarung in der Ukraine eingesetzt.
- Kreml: Keine konkreten Daten und Bedingungen genannt.
Warum gerade jetzt
Die Verhandlungsaktivitäten im August sind eine Folge des Alaska-Gipfels vom 15. August, nach dem Trump unter Druck geriet zu beweisen, dass das Treffen mit Putin praktische Ergebnisse gebracht hatte. Das Treffen im Weißen Haus mit Selenskyj und führenden Vertretern der Großen Sieben diente als öffentliche Bestätigung: Washington hat Kyjiw nicht aufgegeben. Im Gegenzug erhielt Putin das, das er seit Monaten angestrebt hat: Die USA zogen ihre Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe als Vorbedingung für Verhandlungen zurück.
Für Selenskyj ist der formale Erfolg — die Tatsache, dass das trilaterale Szenario öffentlich erörtert wird — bereits ein Gewinn. Für Moskau — eine Pause ohne Verpflichtungen. Peskow hat diese Logik bereits erprobt: «Wenn der Partner bereit ist — sind wir bereit», sagte Lawrow bereits im April. Der Partner ist nach Meinung des Kremls bislang «nicht bereit».
Falls das Sicherheitsgarantiepaket für die Ukraine tatsächlich innerhalb von 10 Tagen unterzeichnet wird — wie Selenskyj versprach — wird dies zur ersten konkreten Verpflichtung des Westens, die Moskau anerkennen oder offen ablehnen muss. Erst dann wird klar, ob Putin wirklich «des Krieges müde» ist, wie Trump vermutete, oder einfach wartet, bis die Partner erschöpft sind.